Kleinwindräder sollen NEW und Niersverband autarker machen
Der Bau- und Planungsausschuss stimmte gestern mit Mehrheit für Fußballgolf in Hehn und das Verkehrskonzept für den geplanten Kaufland-Markt in Holt.
VON DIETER WEBER
Es ist ein Modellversuch. Und er ist bundesweit einzigartig. Niersverband und NEW wollen mit Kleinwind-Energieanlagen ihren eigenen Strom am Klärwerk in Neuwerk und am Wasserwerk Reststrauch produzieren und so ein weiteres Stück autarker werden. Die erzeugte Energie wird allerdings nicht ins Stromnetz eingespeist, sondern ausschließlich für den Eigenverbrauch genutzt. Und der ist erheblich: Der Niersverband benötigt am Klärwerk jährlich rund 6,7 Millionen Kilowattstunden Strom, die NEW am Wasserwerk rund 1,5 Millionen. Für insgesamt acht 30 Meter hohe Windräder – je vier an jedem Standort – fallen Investitionskosten von rund 370 000 Euro an. Anfang 2016 sollen die Anlagen in Betrieb gehen.
Das Modell kann richtungweisend werden. Der Niersverband zum Beispiel deckt am Klärwerk bei der Filterung von Abwasser bereits bis zu 70 Prozent des Strombedarfs über eigene Blockheizkraftwerke, in denen Methan in Strom umgewandelt wird. Mit den Kleinwindanlagen kann der Verband noch autarker werden. Und auch die NEW verbindet mit den neuen Stromproduzenten große Hoffnungen: Sie sollen helfen, den Bedarf von Fremdstrom bei der Produktion von Trinkwasser deutlich zu reduzieren.
„Wir werden über mehrere Jahre prüfen, ob sich das Modell rechnet. Aber wir sind sehr zuversichtlich. Sollte sich das rentieren, denken beide Partner darüber nach, an mehreren anderen Standorten weitere Anlagen zu installieren“, erklärte gestern Tafil Pufja, Geschäftsführer der NEW Re, im Bau- und Planungsausschuss. Der große Vorteil der kleinen Windräder: Sie machen deutlich weniger Lärm als ihre großen Brüder und werfen im Gegensatz zu diesen auch kaum Schlagschatten. Derzeit läuft noch eine artenschutzrechtliche Prüfung.
Ein weiteres Investitionsprojekt kann jetzt ins Verfahren gehen: Der Ausschuss äußerte gestern mehrheitlich keine Bedenken gegen die Absicht von zwei Investoren, an der Ortslage Hehn und in unmittelbarer Nachbarschaft des Borussia-Parks auf einer derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Fläche eine Fußballgolf-Anlage zu bauen.
Gegen die Stimmen von Grünen und Linken stimmte der Ausschuss dem Verkehrssystem für den geplanten Kaufland-Markt an der Aachener Straße zu. Die Bahnstraße erhält eine separate Linksabbiegespur, die auf das Gelände des Marktes führt, die Zu- und Ausfahrt wird mit Ampeln geregelt. Eine weitere Zu- und Ausfahrt ist zwischen Aachener Straße und Bahnstraße auf der Monschauer Straße vorgesehen. Für Radfahrer soll es auf der Bahnstraße einen Radfahrstreifen geben, die Gehwege entlang der Bahnstraße werden auf drei Meter verbreitert. Verkehrsplaner gehen davon aus, dass die Fahrer von rund 2900 Fahrzeugen täglich den Markt ansteuern werden.