Positionen zu Mensch und Umfeld
Zur Ausstellung in der Galerie Schageshof sind professionelle Künstler und Schüler „In guter Gesellschaft“. Der Projektkursus Kunst der Q 1 des Lise-Meitner-Gymnasiums ist an der Ausstellung in der Anrather Galerie beteiligt.
VON ANGELA WILMS-ADRIANS
ANRATH Sechs Handpaare umkreisen den Titel auf der Einladungskarte zur Ausstellung „In guter Gesellschaft“, die heute Abend in der Galerie Schageshof eröffnet wird. Das Bild symbolisiert vortrefflich Geschlossenheit bei individueller Entfaltung, wenn gleich nur die Hände der jungen Akteure zu sehen sind: Der Projektkurs Kunst der Q1 vom Lise-Meitner-Gymnasium stellt seine Arbeiten neben den Werken renommierter Künstler aus. Die zu sehende Vielfalt ist so um eine facettenreiche Begegnung der Generationen erweitert.
Die untere Etage gehört fast ausschließlich Franz Baumgartners Bildwelt. Der Kölner Künstler war schon häufig in Anrath zu Gast und empfängt die Besucher dieses Mal mit einem Mammutbild in dominierenden Grauschattierungen. Über einer Ahnung von Landschaft im Dunst wölbt sich ein riesiger Himmelsprospekt mit kleinen Planeten. Baumgartner nimmt seine Motive oft schemenhaft zurück und gibt dem Bildganzen dabei Tiefe und Inhalt mit. „Die Bilder sind nicht schwermütig, aber nachdenklich“ sagt Hausherr Dr. Karl-Josef Brockmanns zu Recht. In den Darstellungen von Bäumen gestaltet der Künstler eindeutiger, aber auch immer bewusst distanziert. Während bei Baumgartner der Mensch ausgespart ist, verweist Helga Palmisanos Bild einer Gruppe in Rückenansicht auf das die Präsentation prägende Thema Mensch. Auch diese Künstlerin changiert zwischen Präsenz und Unschärfe. Witzig hintergründig umspielt sie „Platzmangel“ mit einer Schafherde, die sich zum Bildhintergrund zusehends schemenhaft verliert.
Tamara Steinhart zieht den Betrachter mit großformatigen Frauenbildnissen in den Bann. Ihre Gemälde sind zugleich großzügig und detailliert, dabei geheimnisvoll und anspielungsreich. Geht sie in Schönheit unter? - mag sich der Betrachter bei der „Galathea“ fragen. In deren Auge schimmert ein betörender feuchter Glanz, während schwebende Quallen und ein Fisch in bewegt anmutenden Algen eine Unterwasserwelt assoziieren. Ela Schwartz hingegen konzentriert sich auf das Alltägliche, das die Gebrechen des Alters nicht ausspart und in ihrer Darstellung doch eine feine Poesie mitschwingen lässt. Die Malerin wählt mitunter ungewohnte Blickwinkel, wie die Aufsicht oder den Focus auf Beine. Sie umspielt Figürliches und Abstraktion. Wenn sie ein Gesicht in den Mittelpunkt rückt, dann zeigt sie dieses in aussagekräftiger Mimik. Andreas Jansky beschränkt sich auf einige kleine und mittlere Formate mit reduzierter Darstellung. Dabei lässt er seine Motive oft etwas verloren wirken, wie etwa beim Küstenstreifen vor weiß strukturiertem Grund.
Die Schülerarbeiten aus dem Projektkurs Kunst zeigen in sehr persönlichen Lösungen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Menschenbild: Johannes Prinzen zum Beispiel hat erstaunlich versiert und geradezu radikal in der konsequenten Durchführung Bilder vom Menschen im Zerfall gezeichnet. Justin Dauti beeindruckt mit Fotos und deren digitalen Bearbeitung zum Thema Metamorphose. Über Video sind seine Arbeitsschritte zur raschen Bildfolge gereiht.
Info
Heute Eröffnung und morgen Konzert
Eröffnung: Heute, 20. Mai um 19 Uhr in der Galerie Schageshof, Schageshofstraße 1, 47877 Willich-Anrath.
Öffnungszeiten: Bis 3. Juli samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon: 02156/ 4928292).
KIS – Kultur im Schageshof: 21. Mai, 20 Uhr: Zydeco Annie, Akkordeon, und Swamp Cats. 5. Juni, 17 Uhr Joscho Stephan und Matthias Strucken Quartett. 18. und 19. Juni: Sommerfest Anrath 1tausend.
Galerist Dr. Karl Josef Brockmanns, hier mit Carlo Brockmanns, dem „zukünftigen Galeristen“, freut sich auf die Eröffnung der neuen Ausstellung heute Abend in der Anrather Galerie Schageshof. RP-FOTO: WOLFGANG KAISER