IOC-Mitglied Kasper: Der Sport ist nicht sauber
DÜSSELDORF (sid) Fast 100 Athleten sind bei Doping-Nachtests der Spiele 2008 in Peking und 2012 in London überführt worden. Darunter sind sechs Olympiasieger und Dutzende Zweit- und Drittplatzierte. Das Ende ist nicht in Sicht. „Die Anzahl ist unglaublich, eigentlich unmöglich. Wir verlieren Glaubwürdigkeit. Sie ist unsere größte Sorge. Wir müssen aufhören zu behaupten, der Sport sei sauber. Es ist ein nobles Prinzip, aber in der Praxis? Es ist Unterhaltung. Es ist Drama“, sagte Gian-Franco Kasper, Exekutivmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsident des Skiweltverbands (Fis), der „New York Times“
Hochspringerin Chaunte Lowe (USA), damals 24, war Sechste in Peking. Vor einer Woche rückte sie nach der Disqualifikation weiterer Konkurrentinnen auf den Bronzerang. 2008 verlor ihr Mann seinen Job, das gemeinsame Haus wurde zwangsversteigert. Dies, so Lowe, wäre nie passiert, wäre sie mit einer Medaille zurückgekehrt und damit für Sponsoren interessant gewesen.
Extrem ist die Situation im Gewichtheben. Fast 50 Sportler wurden erwischt. So könnte Europameister Tomasz Zielinski, Neunter in London, nachträglich Bronze erhalten. Das Kuriose: Vor den Spielen in Rio wurde der Pole wegen Dopings nach Hause geschickt.