Mit einer Download-Party in der Cobra gab der Solinger Jugendstadtrat im Februar den Startschuss für die von ihm entwickelte Hilfe-App „Between The Lines“. Foto: Andreas Horn
Hilfe-App stößt bundesweit auf großes Interesse
VON MICHAEL KREMER
Eine Solinger Idee findet bundesweite Beachtung: Der von Nick Wüsthoff entwickelten und vom Jugendstadtrat mit Inhalten gefüllten Hilfe-App „Between The Lines“ haben sich mittlerweile mehr als zehn Städte angeschlossen – darunter Remscheid, Düsseldorf, Köln, Dresden und Magdeburg. Mehr als 280 Vereine, Einrichtungen und Organisationen bieten über die App ihre Hilfe für Jugendliche in akuten, psychischen Belastungs- und Krisensituationen an.
Diese Zahlen könnten im neuen Jahr weiter ansteigen. Denn aktuell schreibt der Jugendstadtrat alle vergleichbaren Gremien in ganz Deutschland an, um sie für eine Teilnahme zu begeistern. „In unserem Land ist das Angebot von Beratungsstellen für Jugendliche so hoch wie nirgendwoanders im gesamten europäischen Raum! Doch was haben Jugendliche davon, wenn sie diese Angebote gar nicht kennen? Gar nichts!“, heißt es in dem Schreiben.
Genau dieses Problem wollte der Jugendstadtrat aus der Welt schaffen, als er Anfang Februar mit einer Download-Party in der Cobra den Startschuss gab. Seither hat die kostenlose App mit rund 1000 Downloads, davon etwa 800 in Solingen, nach Angaben der Organisatoren „einen überragenden Start hingelegt“ und sei somit „das seit langem erfolgreichste Projekt des Jugendstadtrates“.
Durch die App erhalten Jugendliche einen einfachen Zugang zu verifizierten Informationen und Anlaufstellen in ihrer Nähe. Sie können sich in aller Ruhe informieren und entscheiden über den nächsten Schritt. „Jugendliche fühlen sich beachtet, ernst genommen und bewahren dabei trotzdem ihre Anonymität. Jugendliche können ihr Problem selber in die Hand nehmen und es klären, bevor es sich verschlimmert“, erklären die Initiatoren ihr Pilotprojekt.
„Wir haben das Ende unserer Ziele bei Weitem noch nicht erreicht. Im Gegenteil, wir stehen erst ganz am Anfang“, erklärt Projektgruppenleiter Oliver Kröger, Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Neben der weiteren Verbreitung der App gehört die Entwicklung eines Werkzeugs dazu, um ermitteln zu können, welche Bereiche am häufigsten genutzt werden. Dieses Tool ist für 2018 in Planung.
Für den Erfolg der App spricht zudem, dass sich seit Februar fast 80 sogenannte Mithelfer auf der App-Webseite im Internet registriert haben. Dort kann die App auch heruntergeladen werden. Weitere Unterstützer sind willkommen, denn langfristig soll die App allen 8,7 Millionen Jugendlichen in Deutschland zugänglich gemacht werden.
Ob dieses hochgesteckte Ziel erreicht werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, inwieweit die angeschriebenen Jugendparlamente in ihren jeweiligen Gemeinden dafür werben. Dafür liefert ihnen das Konzept der App eine gute Argumentationshilfe: „Bei Jugendlichen besteht das Interesse an und das Bedürfnis nach niederfrequenten Hilfen. Allerdings scheitern sie oftmals schlicht an der Unkenntnis darüber, wo es welche Hilfsangebote gibt.“
Jugendliche sollten die Angebote kennen, die es für sie gibt, um zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt selber zu entscheiden, ob und wann sie etwas für sich nutzen – bevor Erwachsene oder Institutionen ihnen diese Entscheidung abnehmen. „Durch Between The Lines besteht die Möglichkeit, die Hilfsangebote für junge Menschen bei der Zielgruppe niederschwellig bekanntzumachen“, betont der Projektgruppenleiter. Eine App biete sich als zeitgemäßes, digitales Medium dazu geradezu an.
Aus Sicht von Yvonne Enders, Geschäftsführerin des Jugendstadtrates, hat die Hilfe-App nebenbei noch einen angenehmen Nebeneffekt in eigener Sache: „Es ist ein Leuchtturmprojekt des Jugendstadtrates mit einer sehr guten Außenwirkung.“
www.between-the-lines.info