Ursula Speer, Diplom-Sozialarbeiterin bei der Caritas, bei einem Beratungsgespräch. RP-Foto: Christoph Reichwein
Hilfe für Obdachlose – nicht nur bei Kälte
Wie kann man Wohnungslosen helfen? Niemand muss in Moers auf der Straße schlafen, wenn er das nicht will.
VON HEDI MEINECKE
MOERS Müsste man nicht jetzt, wo es nachts friert, den Obdachlosen helfen? Es ist die typische Debatte in einem klirrend kalten Winter, obwohl Wohnungslosigkeit und die menschlichen Schicksale dahinter keine Frage der Temperaturen sind. „Ein Leben auf der Straße – das ist ein hartes Schicksal für Menschen, die kein Zuhause mehr haben“, sagt Anne Willrodt, Fachdienstleiterin für Wohnungs- und Existenzsicherung beim Caritasverband Moers-Xanten. Mehr als tausend Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren sind nach ihren Informationen in der Grafschaft von diesem Problem betroffen. Männer und Frauen. Zudem bedroht laut Statistik etwa 300 Familien die Zwangsräumung. Das bedeute für die Betroffenen: „Wir stehen auf der Straße.“
Das Caritasteam aber legt Wert auf die Feststellung, dass gerade auch bei der zur Zeit herrschenden eisigen Kälte in Moers kein Wohnungsloser unter freiem Himmel schlafen muss. Neben privaten Möglichkeiten bietet auch die Stadt die Unterkunft an der Römerstraße an. Für das Caritas-Team ist das Problem der obdachlosen Menschen stets eine Herausforderung. „Schnelle unbürokratische Unterstützung ist dann gefragt“, sagt Willrodt. Die Ursachen für den Verlust der Wohnung seien vielseitig: Arbeitslosigkeit führe die Liste an, soziale Schwierigkeiten gehörten dazu, Mietschulden, Ehekrisen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Krankheit, Diskriminierungen, Einsamkeit und Isolation. „Wo Not ist, wollen wir helfen, müssen wir handeln – das ist unsere Maxime“, sagt die Vorstandsvorsitzende Brunhild Demmer. Sie spricht von einem Netzwerk der „Helfenden Hände“.
Für den emeritierten Moerser Pfarrer Heinrich Bücker war die bedrückende Situation der Wohnungslosen stets eine Herzensangelegenheit. Er erinnere sich auch in seinem Ruhestand immer wieder an die Menschen, die täglich an seine Tür klopften, um dort um ein Butterbrot und eine heiße Kaffee zu bitten, erzählt er oft. Er vergesse auch nicht, wie einmal ein Bedürftiger ihm sagte: „Es geht uns nicht nur um das Essen – Sie haben auch immer ein freundliches Wort für uns.“
Der ehemalige Moerser Pfarrer hebt immer wieder hervor, dass in Moers viel auf dem sozialen Sektor geschieht: das Weihnachtsfest im Don-Bosco-Heim am Heiligabend für Bedürftige zum Beispiel – veranstaltet von der Caritas – sei ein Symbol dafür, ebenso das Frühstück der Caritas-Konferenz zusammen mit der Moerser Tafel an mehreren Tagen in der Woche. Auch Horst Schürings, Gründer und Leiter der Moerser Tafel, und seine mehr als einhundert Ehrenamtler lassen sich von immer strenger werdender Regeln und Anforderungen der Lebensmittelaufsicht des Kreises nicht entmutigen und engagieren sich weiterhin für die vielen Menschen am Rande der Gesellschaft.
Und eine weitere sozial eingestellte aktive Initiative aus der Moerser Region nimmt sich beherzt mit einem großzügigen Angebot der wohnungslosen Menschen an. Übers Internet und von Woche zu Woche kündigt die Gruppe ihre Aktionen und Hilfsangebote für die Treffen an: Es gibt warmes Essen, warme Getränke, warme Kleidung, auch erforderliche Behördengänge werden gerne übernommen. „Wir wollen helfen! Wir schaffen das! Gemeinsam sind wir stark!“ – davon sind sie überzeugt. Erstrebenswert ist in diesem die Zusammenarbeit mit einer weiteren Hilfsorganisation, die die gleichen Ziele verfolgt.