Die fleißigen Damen des SKF bereiten Kuchen für die Geburtstagsfeier, während sich im Hintergrund Vorsitzende Ute Dirks, Pfarrer Hirsch und Geschäftsführerin Kirsten Geroneid-Jepp (v.l.) unterhalten. Foto: Uwe Miserius
Mit Depressionen und Manien dazugehören
VON TOBIAS BRÜCKER
LEVERKUSEN Ein 33-jähriges Bestehen zu feiern, ist wohl mehr als ungewöhnlich. Das lange Engagement des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) ist aber eben auch genau das: ungewöhnlich. Direkt gegenüber des Erholungshauses an der Nobelstraße gelegen, finden Menschen, die seit vielen Jahren mit psychischen Erkrankungen leben, eine Anlauf- und Begegnungsstätte.
Einige der Betroffenen waren zu der kleinen Feier gekommen. Schüchtern saß Astrid Klein auf einem Stuhl. Sie hatte Depressionen – vor knapp 25 Jahren hatte das angefangen. Klein fand in der Einrichtung eine gern genutzte Möglichkeit, alltägliche Tagesabläufe wiederzuerlangen. Ihr Ventil: Gedichte und Lyrik.
Davon trug sie zum Geburtstag der Einrichtung einige Zeilen vor – und gewährte so einen beeindruckenden und seltenen Einblick in ihre Seele. Menschen, die Gefühle nicht verbal ausdrücken oder anderweitig zeigen können, finden auf diese Weise einen Weg, ihre Gedanken aus dem Kopf zu lassen.
Oberbürgermeister Uwe Richrath adelte die Frauen der Einrichtung: „Der Umgang mit Kranken zeichnet eine Gesellschaft aus. Zum Glück sind Depressionen kein Tabu mehr. Sie (Anm. d. Red. Mitarbeiter der SKF) helfen dabei, auch den Familienverbund aufrecht zu erhalten.“ Er selbst wisse um die Schwere dieses Vorhabens, wenn in der Familie etwas geschehe, das so niemand vorhergesehen habe.
Mit ihrer Hilfe schafften die engagierten Frauen des Verbandes in der katholischen Kirche einen Platz für psychisch erkrankte Menschen in der Stadt, erklärte Andrea Raffenberg, und auf diese Weise ein Gefühl der Dazugehörigkeit. Zudem sagte die stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Caritasverbands: „Sie stellen sich Aufgaben, die in Zukunft sicher nicht kleiner werden.“ Jedoch sei sie sich sicher, auch diese würden bewältigt.
All dieses Engagement begann also vor rund 33 Jahren. Erste Ausläufer hatte es bereits 1972 gegeben, als in der Schulstraße damals schon eine heute 92-Jährige Kuchen für psychisch Kranke ausgab. In den Jahren danach fand dann endlich ein Umdenken im Umgang mit den Kranken statt. Sie seien nicht mehr abgeschottet worden, erzählte SKF-Vorsitzende Ute Dirks, die mit viel Nachdruck und Herzblut betonte: „Diese Begegnungsstätte ermöglicht einen Austausch, und sie zeigt, dass wir eben nicht immer die perfekte Gesellschaft sind.“ Für einige sei die Stätte ein zweites Zuhause sowie ein Familienersatz geworden, fuhr die 79-Jährige fort und appellierte dann: „In der Politik kommen Töne auf, die im Umgang mit psychisch Kranken an das Dritte Reich erinnern – jetzt müssen wir standhaft bleiben.“
Info Das offene Café ist wochentags immer von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet, einmal im Monat auch sonntags (14 bis 16 Uhr). In den kommenden Wochen sind einige Ausflüge geplant. Weitere Infos gibt es unter www.caritas.erzbistum-koeln.de/leverkusen-skf