Loriot und sein Jodeldiplom begeistert auch heute
Foto: Norbert Prümen
Szene aus „Das Skatspiel“: Auch mit diesem Loriot-Sketch glänzten die Schüler des Abschlussjahrgangs des Kempener Thomaeums.   
Schüler des Kempener Thomaeums wagten sich an ein schwieriges Projekt. Sie brachten Loriot-Sketche auf die Schulbühne.
VON SILVIA RUF-STANLEY

KEMPEN | Einen Spagat wagten elf Schüler des Abschlussjahrgangs vom Thomaeum am Samstagabend. Sie hatten ein Programm mit Sketchen von Loriot eingeübt. Aber kann man das, sich als so junger Mensch in die wohl bekanntesten Fernsehsketche aus der Welt der Eltern und Großeltern hinein zu fühlen? Gibt es da noch eigene Akzente, die einfließen können? Eine Frage, die man nach der Aufführung voll bejahen kann.

So durfte man sich als Zuschauer an diesem Abend in frühere Zeiten hineinversetzen. „Die habe ich früher immer frisch gebadet im Bademantel an meine Oma gekuschelt gesehen”, erinnerte sich eine Besucherin. Verloren hat der feinsinnige Humor von Loriot, der im bürgerlichen Leben Viktor von Bülow hieß, überhaupt nichts. Man merkte den Schülern an, wie viel Spaß sie an den Geschichten hatten und sich selbst manchmal das Lachen verkneifen mussten.

Den Anfang macht die Jodelschule, wo doch Frau Hoppenstedt mit dem Jodeldiplom endlich auch etwas „Eigenes” haben will. Das Jodeldiplom zog sich dann wie ein roter Faden durch die Sketche. Es kam noch einmal beim Streit zweier Herren um den ungerecht geteilten „Kosakenzipfel” und beim Vertreterbesuch zu Worte. Fehlen durften auch nicht die Herren Dr. Klöbner und Müller-Lüdenscheid in der Badewanne. Wer darf überhaupt baden, wie kalt oder warm muss das Wasser sein und darf die Ente mit schwimmen? Köstlich, wie das auf die Bühne gebracht wurde.

Hier wie in den anderen Szenen zeigte sich eine gute Kombination von Sprache, Mimik und Gestik. Sei es die Ansagerin, die es schafft, die kaum auszusprechenden Namen der englischen Serie fehlerlos über die Lippen zu bringen oder die immer noch wunderbare Geschichte um das geschenkte Klavier der Mutter aus den USA, man nahm den jungen Leuten diese Figuren zwischen bürgerlicher Spießigkeit und feinsinnigem Trotz dagegen einfach ab. Glücklicherweise schafften es die Schüler dabei, nicht in billige Komik abzugleiten, sondern im Sinne Loriots ihren Figuren etwas zu geben, welches ihnen bei aller vordergründigen Dummheit immer noch Würde gibt.

Gut ergänzt wurde der Abend durch kurze musikalische Zwischenstücke. Vor allem die Auftritte von Marie Heesen und Katja Stevens (Querflöte) gemeinsam mit Iman Hoffmann am Klavier waren sehr schön. Dem Duo von Trompete und E-Bass hätte man ein bisschen mehr Tempo gewünscht.

Besonderes Lob gab es am Ende für Simon Kleeberg vom Lehrer David Nethen, der das Ganze im Hintergrund künstlerisch begleitete. Aber die komplette Arbeit, so Nethen, hatten die Schüler von der Einstudierung über das Konzept bis hin zur Organisation des Abends alleine geschafft. Diese Idee hat die Tochter Loriots wohl so begeistert, dass sie den Schülern die Rechte an den Texten kostenlos überließ.