Interview Herbert Oymann
„Wir brauchen Gespräche auf Augenhöhe“
Archivfoto: Fischer
Herbert Oymann, Ortsvorsteher der Bönninghardt und Sprecher der Heier Kiesgegner, möchte das Gespräch mit der Kies-Industrie suchen.
Das Zerwürfnis zwischen den Konfliktparteien dürfe nicht weiter aufgebaut werden, findet der Kiesgegner.
Von Uwe Plien

NIEDERRHEIN Die „Initiative Zukunft Niederrhein“, ein Bündnis von 13 Unternehmen, die am Niederrhein Kies- und Sand abbauen, hatte zu einer Podiumsdiskussion in die Niederrheinhalle Wesel eingeladen (wir berichteten). Die Kiesgegner hatten ihrerseits im Mai eine Podiumsdiskussion auf der Bönninghardt veranstaltet, die vom Steuerkreis „Heier Kiesgegner“ organisiert wurde. Zwei Veranstaltungen – auf der einen Seite die Kieslobby, auf der anderen Seite die Kiesgegner, die sich auf breiter Front zum Aktionsbündnis Niederrheinappell zusammengeschlossen haben, suchten das Gespräch. Die RP sprach mit Herbert Oymann von den Heier Kiesgegnern.

Sie haben als Mitglied der Heier Kiesgegner an der Podiumsdiskussion der Lobby-Initiative in der Niederrheinhalle teilgenommen. Reicht es nicht, wie bisher geschehen, Demonstrationen, Pressearbeit und Protestaktionen im Landtag, im Kreishaus und beim RVR zu organisieren, Petitionen und Einsprüche vorzutragen, um Ihre Sorgen und Nöte der Politik klarzumachen?

Herbert Oymann Zunächst möchte ich sagen, dass neben mir Silvia Hackstein und Dajana Koschecknick vom Steuerkreis Heier Kiesgegner sowie andere Vertreter von Bürgerinitiativen des Niederrheinappells dabei waren. Es ist an der Zeit, ich meine sogar höchste Zeit, dass nicht weiter eine Gegnerschaft zwischen den Konfliktparteien aufgebaut wird. Die Zukunft des Niederrheins geht alle an und akzeptable Lösungsansätze kann es nur im Konsens geben. Dafür sind Gespräche auf Augenhöhe nötig. Das war bisher nicht der Fall.

Was kann die Politik tun?

Oymann Weder Landesregierung noch die Opposition im Landtag haben die Weisheit mit „Löffel gefressen“. Niemand hat da die beste Lösung. Eine dauerhafte gegenseitige Schuldzuweisung nach der Devise „Schnapp hat den Hut verloren“ muss ein Ende haben. Das will kein Niederrheiner mehr hören. Die zu Recht aufgebrachte Bevölkerung will zukunftssichere und generationengerechte Ergebnisse. Und da ist höchste Zeit geboten, parteiübergreifend zu agieren und mit allen Akteuren sofort ernstlich ins Gespräch zu kommen.

Was meinen Sie damit?

Oymann Die Regierung will den Landesentwicklungslan verabschiedet wissen. Die Opposition verneint. Und der schwarze Peter wird zum RVR geschoben. Der RVR plant auf Basisdaten des Geologischen Instituts und meint das Richtige zu tun, wohl wissend, dass dieser Plan wahrscheinlich durch die Politik (das Ruhrparlament, Anm. d. Red.) keine Zustimmung finden wird. Ist das nicht Papierkorbarbeit? Steuerverschwendung? Planüberarbeitung heißt da wohl die Devise. Es hat meines Wissens nie ein Planungsgespräch zwischen RVR und den Kies-Unternehmen gegeben. In der Wirtschaft spricht man von Kunden-/Lieferantenverhältnis. Das scheint für die Entscheidungsträger in diesem Verfahren ein Fremdwort zu sein.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Oymann Gerade für die Bönninghardt, aber auch für andere geplante Trockenabgrabungsgebiete gilt: Die hiesigen Kiesabbau-Unternehmen sind technisch derzeit nicht in der Lage, Trockenabgrabungen vorzunehmen. Das ist nicht in deren Portfolio. Dieses können und wollen sie in Zukunft auch nicht, sagt deren Sprecher Christian Strunk. Das weiß der RVR sicherlich. Ist den Planern das völlig egal? Hauptsache der RVR-Plan weist für die nächsten 25 Jahre ausreichende Flächen aus. Da werden Ärgernisse und Unverständnis in der Bevölkerung weiter mit der Folge provoziert, „die da oben machen sowieso was sie wollen“.

Uwe Plien führte das Interview