Disko-Taxi-Ticket kurz vor dem Start
Skizze: Martin Ferl
Mit dem Taxi aus der Disko nach Hause – der Kreis Viersen unterstützt das bald finanziell mit fünf Euro pro Passagier. Pro Jahr stehen 200.000 Euro dafür im Haushalt bereit.    
Einen Zuschuss fürs Taxi-Fahren? Mit fünf Euro pro Fahrt subventioniert der Kreis Viersen jungen Leuten voraussichtlich ab August Fahrten von der Disko nach Hause. Die Abrechnung erfolgt per Smartphone-App.
Von Martin Röse

KREIS VIERSEN | Mit mehr als einem Jahr Verspätung soll noch in den Sommerferien das Disko-Taxi-Ticket für Jugendliche kommen: Alle 16- bis 26-Jährigen mit Wohnsitz im Kreis Viersen erhalten fünf Euro Rabatt, wenn sie an Wochenenden nachts im Taxi von der Disko nach Hause fahren. Vorbild ist ein seit knapp acht Jahren existierendes Projekt namens „Nightmover 2.0“ im Kreis Kleve. Pro Jahr fallen dort rund 45.000 subventionierte Taxi-Fahrten an. Im März 2018 beschloss auch der Viersener Kreistag die Einführung eines entsprechenden „Wochenend-Taxi-Tickets“ – ursprünglich für Sommer 2018.

Grund für die Verzögerung: die Technik. Die alte Software für Kleve wird vom Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein nicht mehr unterstützt; sie setzte auf E-Mail-Gutscheine, die zu Hause auf Papier ausgedruckt werden mussten. Wenn „Nightmover 2.0“ voraussichtlich im August im Kreis Viersen an den Start geht, soll es weniger umständlich funktionieren, völlig papierlos, per Smartphone-App. Die aber musste erst entwickelt werden, um Steuergelder zu sparen: gemeinsam mit dem Kreis Kleve. Jetzt ist die App nahezu fertig, wie Oliver Schuster vom Technologie-Park der TU Dortmund am Mittwochabend im Kreis-Ordnungsausschuss berichtete. Eine der größten Herausforderungen sei gemeistert: dass die App auch offline funktioniert. Der Kreis Viersen ist nicht nur für seine schöne Landschaft, sondern auch für die Vielzahl an Funklöchern bekannt. Und: Einen Server für den Betrieb der Disko-Taxi-App hat der Kreis bereits angeschafft.

Mit 200.000 Euro pro Jahr will er künftig die nächtlichen Fahrten der jungen Leute subventionieren; die Anregung gab vor drei Jahren die Junge Union. Zwei Dinge verspricht sich der CDU-Kreistags-Fraktionsvorsitzende Peter Fischer von der App: weniger Verkehrsunfälle mit Beteiligung junger Leute und eine Attraktivierung des ländlichen Raumes für Familien.

In gut zwei Wochen soll die App den Taxi-Unternehmen vorgestellt werden. Ebenso die papierlose Verwaltung der bezuschussten Fahrten. Auf einer speziellen Internetseite wird für jedes einzelne Taxiunternehmen jede einzelne Taxi-Ticket-Fahrt aufgelistet; vollautomatisch.

Rund 150 Firmen hat die Kreisverwaltung zur Info-Veranstaltung eingeladen; darunter nicht nur Taxi-Betriebe aus dem Kreis Viersen, sondern auch aus den angrenzenden Kommunen. Firmen, die mitmachen, bekommen die Einnahmeausfälle vom Kreis rückwirkend erstattet, „voraussichtlich monatlich“, erklärte Kämmerer Thomas Heil. Und sie müssen einen QR-Code an ihren Fahrzeugen anbringen – entweder außen an der Wagentür oder auf dem Armaturenbrett.

Dieser QR-Code wird dann in der App gescannt, der Nutzer muss die Zahl der berechtigten Passagiere eintragen, am Ende der Fahrt den Fahrpreis – und dann einen zweiten QR-Code einscannen, den ihm der Fahrer zeigt. „Ob alle Fahrer in der Lage sind, das richtig zu handhaben?“, fragte Michael Horst (SPD). „Das funktioniert viel intuitiver als jetzt in der Beschreibung“, erklärte Schuster. Kann das System nicht missbraucht werden? „Die Erfahrungen aus dem Kreis Kleve sprechen dagegen“, sagte Kämmerer Thomas Heil. Dort seien auf 45.000 Fahrten zehn Missbrauchsfälle gekommen.

Die subventionierten Taxifahrten sollen generell immer freitags und samstags buchbar sein – in der App erscheint auch eine Liste mit den Taxi-Unternehmen, die diese Fahrten anbieten. Auch vor Feiertagen können die jungen Leute die rabattierten Taxifahrten in Anspruch nehmen. Fahren beispielsweise drei Berechtigte in einem Taxi und der Fahrpreis beträgt 18,50 Euro, müssen am Ende der Fahrt lediglich 3,50 Euro bezahlt werden. Sind vier Berechtigte unterwegs, sind am Ende dennoch 3,50 Euro zu zahlen – denn die App erstattet nur volle Fünf-Euro-Beträge.

Auf den Namen „Nightmover“ kam der Kreis bei einem Namenswettbewerb. „Mehr als 40 Vorschläge gingen ein“, berichtet Kreis-Sprecher Markus Wöhrl. „Darunter auch ,Nightmover’“. So heißt auch das Disko-Taxi-Ticket im Kreis Kleve.

Und wie haben die Programmierer das Funkloch-Problem gelöst? „Mit einem Code“, erklärt App-Entwickler Schuster. „Auch wenn das Handy offline ist, gibt die App am Ende des Buchungsvorgangs einen Code aus, den sich der Taxifahrer notieren kann.“  Der Code berechtigt zur Anforderung des Geldes beim Kreis. Und: Geht der Jugendliche nicht vor der nächsten Fahrt online, kann er keine neue Fahrt buchen.

Wo gibt’s die App? Es wird die „Nightmover 2.0“-App sowohl im Apple-Store geben wie auch für Android-Geräte – voraussichtlich im August 2019.

Info
20 Jahre Erfahrung

Vorbild Eines der ältesten Jugendtaxis in Deutschland wurde 1999 in der 1900 Einwohner kleinen Verbandsgemeinde Altenahrin Rheinland-Pfalz aus der Taufe gehoben – für junge Menschen zwischen zwölf und 20 Jahren. Jugendliche hatten es angeregt.

Erfahrungen Die Zahl der Unfälle mit Beteiligung Jugendlicher ist seitdem in Altenahr laut einem Bericht des „Kölner Stadtanzeigers“ stark zurückgegangen.