Altes Rathaus in Rheinberg wird wieder Kinoleinwand
   Archivfoto: Fischer
Die Feuertaufe des Markplatzes als Open-Air-Kino war vor einem Jahr ein voller Erfolg. Der Trägerverein Altes Rathaus hofft bei der Wiederholung auf schönes Wetter und eine ähnlich gute Resonanz.
Nach der glänzenden Premiere im vorigen Jahr wird der Große Markt in Rheinberg auch in diesem Sommer wieder Filmschauplatz NRW. Am Freitag, 9. August, wird an der Ostwand des historischen Hauses „The Rider“ gezeigt.
Von Bernfried Paus

RHEINBERG | Der Trägerverein Altes Rathaus ist voller Vorfreude. Die Akteure fiebern der Dämmerung am Freitag, 9. August, entgegen. Dann wird der Große Markt wie im Jahrhundertsommer 2018 wieder zum Open-Air-Kino. Wenn’s dunkel genug ist, beginnt auf der 30 Quadratmeter großen Leinwand an der Ostseite des historischen Stadtgemäuers der preisgekrönte Film „The Rider“. Der erzählt auf anrührend authentische Weise die dramatische Geschichte eines gefeierten Rodeoreiters, den ein Unfall jäh aus seinem Traum stürzen lässt. Damit niemand Tristesse fürchtet, verrät Norbert Nienhaus vom Trägerverein: „Es gibt ein Happy End“.

Der Vorstand des Trägervereins ist schon jetzt happy. Darüber, dass die Film- und Medienstiftung NRW Rheinberg dem Alten Rathaus im zweiten Sommer in Folge den Zuschlag als einer von 13 Filmschauplätzen in Nordrhein-Westfalen erteilt hat. Der herausragende Erfolg vor einem Jahr mag hier den Ausschlag dafür gegeben haben, dass auch der Große Markt wieder als Kinosaal unter freiem Himmel akzeptiert worden ist. „Wenn eine Stadt erneut ausgewählt wird, sollte eigentlich der Schauplatz wechseln“, so Hans-Theo Mennicken.

Der Vorsitzende des Trägervereins gerät ins Schwärmen, wenn er an den Kino-Abend vor einem Jahr zurückdenkt, als fast 1000 Zuschauer, teils von weit her aus dem Land, die französische Komödie „Docteur Knock“ sehen wollten. Und sie erlebten weit mehr als das. Kleine Stadtführungen durchs historische Rheinberg, kulinarische Genüsse auf der Picknick-Decke oder in einem der umliegenden Gasthöfe, südländische Urlaubsatmosphäre an einem lauen Sommerabend bei 28 Grad Celsius. Und als Dreingabe zwischen Vor- und Hauptfilm eine legendäre Mondfinsternis. Unvergesslich schön.

Das seltene Naturschauspiel stellt sich natürlich nicht per Knopfdruck ein. Aber die Veranstalter werden alles tun, dass es wieder ein ganzheitliches Kinoerlebnis der besonderen Art für die ganze Familie wird. Die umliegenden Gastwirte laden ein, bestücken das Büffett und haben auch nichts dagegen, wenn sich Filmliebhaber selbst beköstigen. Weil der Film irgendwie zum Austragungsort passen soll, hat die pferdefreundliche Stadt Rheinberg den Reit- und Fahrverein Graf von Schmettow aus Eversael fürs Rahmenprogramm gewonnen. Der bietet für kleines Geld Kutschfahrten rund ums Rathaus an. Kinder fahren gratis. Die Reiter bringen zudem Pferde mit – zum Streicheln und Erklären. „Für uns ist das ein schöner Einstieg ins 100-Jahre-Jubiläum“, sagt Jörg Gierling vom Vorstand des Reitvereins.

Mennicken hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Olympia-Siegerin Isabell Werth in der Woche vor den Europameisterschaften im Dressurreiten ein kleines Zeitfenster findet für einen Kurzbesuch im Rathaus-Kino. Rund 200 Stühle will der Trägerverein auf dem Großen Markt für Filmfreunde aufstellen. Aber wer will, darf auch seinen Campingstuhl oder eine große Decke als Sitzgelegenheit mitbringen. „Wenn alle unsere Stühle besetzt sind, wären wir schon sehr zufrieden“, sagt Nienhaus.

Er weiß selbstverständlich, dass das Wetter maßgeblich ist. Noch so eine nicht steuerbare Variable. Fest steht: Der Film läuft, egal ob’s traumhaft trocken ist oder aus Kübeln schüttet. Happy End ist Programm.

Fiebern dem Kinoabend entgegen (v.l.): Hans-Theo Mennicken, Anja Rupprecht, Jörg Gierling und Norbert Nienhaus
   RP-Foto: Fischer
Info
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