So funktioniert das Meldeportal für Falschparker
RP-Foto: Hans-Jürgen Bauer
Für Radfahrer sind Autos auf Radwegen, hier auf der Kölner Straße, ein Dauerärgernis.   
Unser Autor ist überzeugter Radfahrer – und hat das Meldeformular für Falschparker auf Radwegen getestet. Die technische Umsetzung ist enttäuschend, findet er.
von Clemens Henle

Das Fahrrad ist für kurze Strecken in der Stadt das bequemste und schnellste Fortbewegungsmittel – zumindest für mich trifft das eindeutig zu: Die kurze Strecke von Flingern in die Altstadt dauert bei gemütlicher Fahrt keine 15 Minuten, ist kostenlos, umweltfreundlich, gesund und erspart einem die nervige und teure Parkplatzsuche. Also rauf aufs Rad und hinein in den Stadtverkehr.

Doch hier beginnt das erste Ärgernis: Viele Radwege sind trotz durchgezogener Linie zugeparkt. Allein auf der Behrenstraße stehen an diesem sonnigen Nachmittag gleich vier Autos auf nicht mal 500 Meter geparkt auf dem Radweg.

Bei dem einen leuchtet hektisch die Warnblinkanlage auf. Andere stehen einfach auf dem Radweg, um einen kleinen Plausch mit dem Vordermann zu halten. Der Hinweis, dass dies ein Radweg sei, wird sehr unsachlich mit einer Beleidigung beantwortet. Nicht ärgern, lieber weiterfahren, denkt sich der besonnene Radler da. Aber irgendwas muss man doch tun können, um sich gegen die zugeparkten Radwege zu wehren?

Die Stadt Düsseldorf bietet dazu ein Online-Formular auf ihrer Internetseite. Und das schon seit 2007. Also kurz am Straßenrand anhalten und ein Foto vom zugeparkten Radweg machen. Es ist nämlich das Recht eines Radlers (und jedes anderen Bürgers), die Stadt auf Missstände aufmerksam zu machen. Auch die Rheinbahn nutzt massenhaft die Möglichkeit, Anzeigen beim Ordnungsamt einzureichen, da Falschparker häufig für Verspätungen von Bus und Bahn sorgen.

Nach dem Beweisfoto ist aber Schluss mit schnell und einfach. Das Ausfüllen des Formulars ist langwierig und kompliziert. Wenn man das denn mal in den Untiefen der Düsseldorfer Stadtseite gefunden hat. Also am besten gleich in der Suchmaschine „Radwege-Meldung“ und „Düsseldorf“ eingeben, das geht deutlich schneller.

Dann gibt man in die Formularmaske die Mindestanforderungen ein: Vor- und Nachname sowie eine E-Mail-Adresse. Alle anderen Angaben wie Anschrift oder Telefonnummer müssen nicht zwingend eingetippt werden. Danach kann man dann die Lage der Meldung und sonstige Angaben dazu eintippen.

Eine Eingabe über die Karte ist leider nicht möglich, so dass man immer genau den Standort mit Straße und Hausnummer eingeben muss. Durch schnelles Ankreuzen gibt man danach die Art der Meldung ein, zum Beispiel „Parken auf Radwegen“. Daneben gibt es noch die „Meldung zum Zustand von Radwegen“ oder den „Vorschlag einer Einbahnstraßenöffnung“. Zur besseren Veranschaulichung der Meldung kann man noch eine Bilddatei anhängen.

Nach einigen Minuten am Straßenrand ist das alles gemacht und man kann endlich auf „Senden“ drücken. Danach kommt dann allerdings die Überraschung. Die Seite lädt nicht vollständig hoch und eine Bestätigungsmail gibt es auch nicht. Nach so viel Aufwand ein sehr enttäuschendes Ergebnis. Nach einigem Scrollen vorbei an Hinweisen zum Aquazoo, dem Amtsblatt oder der Terminvergabe zur Einbürgerung taucht doch noch mal das ausgefüllte Formular auf. „Sind diese Werte richtig?“ steht dort auf der immer noch nicht vollständig geladenen Seite. Also nochmal auf „Endgültig absenden“ klicken.

So allmählich sind es nicht mehr die Falschparker, die dem Radfahrer die Zornesröte ins Gesicht treiben, sondern die gutgemeinte, aber miserabel ausgeführte Seite. Denn nun kommt nach einigem Scrollen die Meldung „Die gewünschte Seite konnte nicht gefunden werden“. Fünf Minuten sind nun vergangen, die Sonne brennt gnadenlos herunter und die ganze Tipperei auf dem Handy war umsonst.

Wie sich nach einigen Versuchen rausstellt, funktioniert die mobile Radwege-Meldung weder auf Apple- noch auf Android-Handys. Später zu Hause erfolgt ein neuer Versuch auf dem Computer und siehe da, die Meldung funktioniert – sofern man kein Mac-User ist.

Laut Stadt gehen übrigens pro Monat 100 Meldungen ein. Die können nur von wirklich hartgesottenen und sehr überzeugten Radfahrern kommen, die sich zu Hause nochmals an den Computer setzen und das Formular ausfüllen. Nachdem der ganze Ärger über die Falschparker schon wieder verflogen ist. Dank der stressfreien Fahrt in die Stadt und zurück.

Info
Zahl der Drittanzeigen wächst rasant

Formular Die Meldung ist unter www.duesseldorf.de/formulare/radwege-meldung.html zu erreichen.

Drittanzeigen Bürger können Anzeigen auch senden per Fax, Post oder E-Mail an bussgeldstelle@duesseldorf.de

Bedingung Bürger müssen ihren Namen nennen. Anonyme Anzeigen werden nicht verfolgt.

Nutzung Die Zahl der Drittanzeigen wächst rapide. Waren es 2013 noch 4.344 Drittanzeigen, ist die Zahl 2017 bereits auf 11.500 angestiegen und hat sich so mehr als verdoppelt.

Radverband Auch der Kreisverband der Radfahrer-Lobby ADFC rät zu dem Schritt, da Radfahrer durch Falschparker gefährdet würden.