Moderne Architektur zum Denkmaltag
RP-Fotos (3): Senf
Die zehn Meter hohe große Halle im ersten Stock der Kanzlei ist frei von alltäglichen Funktionen.   
Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals stimmt die Stadt Nettetal schon ein paar Tage vorher auf das Thema ein: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Ort für den Vortragsabend ist eine moderne Anwaltskanzlei.
VON SIGRID BLOMEN-RADERMACHER

LOBBERICH | „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ heißt das Motto des diesjährigen Denkmaltages. Außergewöhnlich ist der Ort, an dem dazu ein Vortragsabend der Stadt Nettetal, stattfindet: das moderne Gebäude der Anwaltskanzlei Boyxen, Berge, Dammer & Kollegen. Es befindet sich in Lobberich zwischen den architektonisch traditionellen Häusern, die Amtsgericht und Arbeitsamt beherbergen.

Seit Anfang des Jahres wird der 100. Geburtstag des Bauhaus gefeiert, der Anlass für das Motto des Denkmaltags ist. Das Bauhaus war eine lebendige Schule der Ideen und Experimente auf den Gebieten freier und angewandter Kunst. Gegründet 1919 in Weimar, zog die Schule 1925 nach Dessau um. Am Bauhaus sollte eine neue Generation kompetenter und engagierter Künstler und Gestalter ausgebildet werden. Berühmte Künstler wie Gropius, Klee, Feininger oder Kandinsky arbeiteten dort als Lehrer. Kunst und Handwerk wurden zusammengeführt – das war einmalig. Alle Sparten arbeiteten zusammen, um den perfekten Bau zu schaffen. Denn: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“, so steht es im Gründungsmanifest 1919. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete die Bewegung abrupt. Trotz ihrer kurzen Existenz hatte sie einen weitreichenden Einfluss auf der ganzen Welt und prägte das Bild der Moderne. Noch heute sind die architektonischen und künstlerischen Einflüsse und die darauf aufbauende Idee des „Neuen Bauens“ zu entdecken.

Am Sonntag, 8. September, ist Tag des offenen Denkmals. Bereits am Mittwoch, 4. September, findet dazu in der Lobbericher Anwaltskanzlei ein Vortragsabend statt, zu dem der Erste Beigeordnete Michael Rauterkus einlädt. Behandelt werden Themen passend zum Motto des Denkmaltags: Architekten, Archivare und Dozenten erläutern das heutige Bauen, die Industrie-Bauhauskultur in den Niederlanden sowie die Samt- und Seidenindustrie am Niederrhein. Carola Schellhorn, stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin Stadtentwicklung und Bauen, führt in die Thematik ein.

Seit Anfang 2008 arbeiten die Rechtsanwälte in dem Gebäude, mit dessen Bau 2006 begonnen wurde. Der Architekt Raphael Wieglepp hatte die Planungen übernommen. Jürgen Boyxens Idee für seine Kanzlei war ein ansprechendes Haus, das kein reiner Zweckbau sein sollte. Herausgekommen ist, wie Boyxen sagt, ein „puristischer“ Bau. Drei Quader sind zueinander gesetzt und verschränken sich miteinander. Die äußere Erscheinung sowie die Raumaufteilung sind eindeutig und übersichtlich. Klare Linien, Licht, Offenheit und Weite begegnen dem Besucher der Kanzlei. Die Flure sind ein wenig breiter als üblich, sodass „man immer das Gefühl hat, Platz zu haben“, sagt Boyxen.

Im ganzen Haus tauchen nur drei Farbtöne auf: weiß, grau und – dezent eingesetzt – rot. Viele große Fenster lassen reichlich Licht einfallen. Eine zehn Meter hohe große Halle im ersten Obergeschoss ist frei von alltäglichen Funktionen. Dort und in den Fluren und Büros präsentiert Boyxen zeitgenössische Kunst, die immer „Aufmerksamkeit erzeugt“, sagt er. Die Kanzlei, so beschreibt der Anwalt, habe „eine hohe Aufenthaltsqualität“. So sollte es seiner Meinung nach auch sein: Immerhin, fügt er hinzu, verbringen die Anwälte dort einen großen Teil des Tages.

Seit 2008 befindet sich die Kanzlei in dem modernen Gebäude in Lobberich.
Emily Senf
Info
Vortragsabend in Lobberich

Vortrag Der Vortragsabend am Mittwoch, 4. September, beginnt um 19 Uhr in der Kanzlei Boyxen, Berge, Dammer & Kollegen, Am Amtsgericht 2 in Lobberich.

Denkmaltag Der Tag des offenen Denkmals wird bundesweit koordiniert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Näheres dazu gibt es im Internet unter www.tag-des-offenen-­denkmals.de.