Die Elephants haben ein Problem
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Ungemütlich: Coach Jason Price bei der Mannschaftsansprache in der Kabine der in der Basketball-Regionalliga auch nach drei Spielen noch sieglosen Elephants Grevenbroich.
Weil der Motor in der Offensive stottert, stehen die Regionalliga-Basketballer aus Grevenbroich nach drei Spielen noch ohne jeden Punkt da. Das Dilemma: US-Profi Jahad Thomas ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Von Dirk Sitterle

GREVENBROICH | Also schrieb der Aufsteiger nach dem Sieg am Sonntag über die NEW’ Elephants auf seiner Homepage: „Gegen einen erschreckend schwachen Gast hätte der BSV nach dem ersten Viertel höher als nur 18:13 führen müssen.“ Es hätte freilich nicht dieser drastischen Einschätzung aus Wulfen bedurft, um zu begreifen, dass es (noch?) nicht stimmt in Grevenbroich. Mit drei Niederlagen sind die Basketballer aus der Schossstadt seit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga Nord 2007 noch nie in eine Saison gestartet.

Ja, das Auftaktprogramm mit drei Partien in der Fremde war mörderisch: Zunächst der WBV-Pokalsieger BG Dorsten, der schon in der vergangenen Saison drei von vier Duellen mit den Elephants gewonnen hatte. Endstand: 81:87. Dann Pro B-Absteiger und Top-Aufstiegskandidat Dragons Rhöndorf. Endstand: 72:85. Und schließlich, keine 48 Stunden später, der BSV Wulfen, noch euphorisiert vom 88:80-Heimsieg über Rhöndorf. Endstand: 70:73. Dabei hatten die Gäste diesmal nach einem gelungenen Drei-Punkte-Wurf von David Feldmann zu Beginn des letzten Viertels sogar mit 58:46 geführt. Da schien der Besuch von Manager Hartmut Oehmen zur Halbzeitpause in der Kabine gewirkt zu haben. Nach kümmerlichen acht Punkten in den zweiten zehn Minuten (26 bis zum Seitenwechsel) „bin ich mal kurz eskaliert“, verriet der 53-Jährige. Prompt entschieden die Elephants das dritte Viertel mit 29:20 zu ihren Gunsten.

Zu verdanken war das in erster Linie Ryon Howard und Kike Garrido (je 19 Punkte), die bislang absolut zu überzeugen wissen, und David Feldmann (15 Punkte, 4/6 Dreier), der ebenfalls zu den wenigen Lichtblicken in diesen ansonsten so trüben Tagen zählt. Drei Spieler in mittleren und hohen zweistelligen Punkteregionen – das sollte eigentlich reichen, zumal dabei ja noch die Produktion des US-Profis fehlte. Doch genau da liegt der Hund begraben: Während die Konkurrenz nämlich Scharfschützen wie Antoine Myers (Recklinghausen, 27,3 Punkte im Schnitt), Adam Pickett (Dorsten, 27,0), Derylton Hill (Herford, 26,0) und Bryant Allen (Wulfen, 25,7), der Grevenbroich am Sonntag 30 Punkte einschenkte, beschäftigt, ist Jahad Thomas bei den Elephants nach seinem Double-Double (25 Zähler/10 Rebounds) zum Debüt gegen Dorsten völlig abgetaucht. In Röndorf waren es mit gruseliger Schussquote von 27,3 Prozent (3/11 Würfe) neun, in Wulfen mit indiskutablen 22,2 Prozent (2/9) gar nur vier Punkte. Nach der Schlusssirene war der 24-Jährige, der am US-College bei den Mass Lowell River Hawks (NCAA Division I) Kultstatus genießt, so frustriert, dass er im Gespräch mit dem fassungslosen Manager den Offenbarungseid leistete: „Ich habe es nicht verdient, ein Trikot zu tragen.“

Oehmen, der von seiner Importkraft eigentlich zuverlässig 15 bis 20 Punkte fordert, fühlt sich mittlerweile in seiner Befürchtung bestätigt: „Jahad wäre mit seiner extrem uneigennützigen Spielweise viel besser in der Pro A aufgehoben. Da könnte er an der Seite weiterer US-Profis mit seiner Spielübersicht glänzen, sie besser machen“ Die Elephants benötigen indes einen Scorer – so einen wie John Murry. Nur weil der mit gebrochenem Mittelfuß nach Deutschland gekommen ist und damit bis auf weiteres ausfällt, ist Thomas an der Erft. Das Problem: Wann Murry endlich fit ist, steht in den Sternen. Womöglich dauert das noch Wochen. Zeit, die Trainer Jason Price, dem Oehmen nach wie vor einen prima Job bescheinigt („Auch in Wulfen konnte ich keine Coaching-Fehler erkennen.“) nicht hat. Mit Blick auf den Fehlstart sagt Oehmen inzwischen sogar: „Vor wenigen Monaten war ich noch ein Gegner der Play-offs, jetzt bin ich ihr größter Fan.“ Am Samstag kommt der ebenfalls noch sieglose Deutzer TV nach Grevenbroich.

Info
Kreisduell in der zweiten Runde des WBV-Pokals

Kurze Anfahrt In Runde zwei des WBV-Pokals treten die Elephants am 13. Oktober beim Landesligisten Osterather TV an.

Spielort Halle an der Görresstraße in Osterath (Anpfiff 14 Uhr).