Performer gestaltet Kunstprojekt im Ceci
RP-Foto: Andreas Endermann
Sieht ziemlich verrückt aus und soll es wohl auch sein: die Performance des Künstlers Thomas Bernstein vor den Ceci-Schülern    
Nach der Darbietung von Thomas Bernstein befassen sich die Schüler nun mit dessen Skulpturen.
Von Monika Götz

OBERKASSEL | Die Spannung war deutlich zu spüren. Nicht der kleinste Ton unterbrach die Stille, als sich im Atrium des Cecilien-Gymnasiums alle Blicke auf den erscheinenden Künstler richteten. Thomas Bernstein traf sparsam mit einem über die Badehose geschlungenen Handtuch bekleidet Vorbereitungen und richtete zwei seiner Silikon-Skulpturen auf Blickkontakt aus. Erst mit dem folgenden Applaus löste sich die Spannung. „Die Schüler werden mit dem Künstler und seinem Werk in Dialog gehen“, versprach Schulleiterin Rita Becker zuvor im „Ceci“-Foyer. Hier wurden zur Einführung in das diesjährige Projekt von „Kunst macht Schule – Schule macht Kunst“ Lehrerschaft, Schülerinnen und Schüler sowie Gäste von der bejubelten musikalischen Darbietung des Fachbereichs Musik (Leitung Sebastian Schnabel) begrüßt.

Das Kunstprojekt selbst hat Tradition, wurde 2001 vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) ins Leben gerufen und spricht die Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Kunst an. Seit 2013 wird das Projekt von der Oberkasseler Künstlerin Nele Waldert betreut. Sie wählt in Abstimmung mit dem Betreuungslehrer geeignete Künstler aus: „Ich habe wie Thomas Bernstein bei Fritz Schwegler an der Kunstakademie studiert“, erzählt sie. Der in Düsseldorf lebende Bildhauer, Zeichner und Performer hat außerdem bei Tony Cragg gelernt und sich mit seinem Schaffen einen Namen gemacht.

Die vornehmlich aus Silikon in abstrahiert körperbezogene Formen gebrachten Skulpturen setzt der 62-Jährige in Bewegung, bringt so das Alltägliche und Absurde zusammen. „Die Trennung von Kunst und Künstler wird vollends aufgelöst, Bernstein ist ein Grenzgänger und verweigert Schubladendenken“, fasst Betreuungslehrer Michael Lucht zusammen. Er weiß, dass das Publikum an einem „legendären Erlebnis“ Teil hat und ergänzt: „Kunst darf auch Spaß machen.“ Davon wird er seine Schüler bis zum Sommer 2020 überzeugen.

Nach der Vernissage werden sie sich im Unterricht mit den ausgestellten Werken vertraut machen. „Wir freuen uns, dass Thomas Bernstein zu uns in die Schule kommt und wir ihn im Atelier besuchen dürfen“, ist von den Schülern zu hören. Einige aus der Q1 haben bei den Performance-Vorbereitungen geholfen und werden vom Künstler gelobt: „Sie haben sich entsprechend würdevoll bewegt.“ Michael Lucht wird Thomas Bernstein und sein Werk der Jugend näherbringen.

Die Ausstellung in den Atrien ist bis zum 26. Juni 2020 außerhalb der Ferien montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr zu sehen. Nele Waldert hat die Herausforderung ebenfalls angenommen, lädt am 13. Oktober, 15 bis 18 Uhr, in ihren Projektraum „Neues aus dem Wald“ an der Viersener Straße 38 zum Gespräch mit Thomas Bernstein inklusive einer Performance (16 Uhr) ein.