Herford lässt Elephants gnädig davonkommen
   Foto: Michael Ritters
Mutige Attacke: Der Grevenbroicher Max Boldt zieht gegen Philipp Svinger (l.) und Omar Zemhoute zum Korb der BBG Herford, deren Sieg in der Schlossstadt allerdings zu keinem Zeitpunkt gefährdet war.
Das befürchtete historische Debakel bleibt den Regionalliga-Basketballern aus Grevenbroich bei der 74:100-Heimniederlage erspart.
Von Dirk Sitterle

GREVENBROICH |Ein Heimspiel, in dem die NEW’ Elephants keine einzige Sekunde führen, dafür 39:50 der 40 Minuten hinten liegen, hätte noch vor einigen Wochen heftigste Reaktionen ausgelöst. Doch in der (vorerst) einstmals basketballverrückten Schlosssstadt ist man bescheiden geworden. Und so dominierte bei den am Ende doch noch knapp 200 Zuschauern in Gustorf nach der 74:100-Niederlage (Halbzeit 46:55) gegen die BBG Herford vor allem ein bislang unbekanntes Gefühl: Erleichterung.

Vor dem Hintergrund des üblen 62:111-Debakels eine Woche zuvor in Ibbenbüren hätte die Chose nämlich auch viel schlimmer ausgehen können. Und so stellte der ungewöhnlich milde gestimmte Manager Hartmut Oehmen fest: „Das ist ein ganz normales Basketball-Spiel, in dem der Tabellenzweite auf den Zehnten trifft.“ Und obwohl nach dem Start mit 12:0 Punkten auf 16:2 für Herford und einem Viertel (19:37), in dem die personell so arg gerupften Elephants schon im Spielaufbau neun Mal den Ball verloren, nie Zweifel am Ausgang bestand, gab es doch eine ganze Reihe positiver Dinge zu vermerken: Etwa die Leistung von Kapitän Bastian Becker, der mit 19 Punkten und starker Feldwurfquote von 53,3 Prozent (6/10) Verantwortung übernahm. Auch Max Boldt gehörte mit 17 Punkten zu den Lichtblicken. Nino Janoschek lieferte eine überzeugende erste Hälfte ab, erzielte dort 13 seiner insgesamt 15 Punkte. Für Gideon Schwich stand mit zehn Punkte und zehn Rebounds ein Double-Double zu Buche.

Gegen in dieser Phase allerdings nur mäßig fokussierte Gäste entschieden die Grevenbroicher den zweiten Abschnitt mit 27:18 zu ihren Gunsten, lagen beim 44:53 (19.) plötzlich nur noch mit neun Zählern zurück. Und waren dabei für die mit Abstand spektakulärste Aktion der Partie zuständig: Troy Harper nahm den Ball nach dem Zuspiel von Basti Becker aus vollem Lauf im Sprung auf und stopfte ihn mit Karacho in den Korb – ein sogenannter Alley-Oop Dunk. Hätte Max Boldt danach den Rückstand per Dreier auf 49:55 verkürzt, wäre es vielleicht sogar noch mal richtig interessant geworden ...

Letztlich aber steckte im Kader der Ostwestfalen mit Volkus (23 Punkte), Hill (20 Punkte/11 Rebounds), Wendt (17) und Zvinklys (14/11) zu viel Qualität, fehlte es den Hausherren beim Debüt von Nachwuchsmann Max Montag, aber ohne Topscorer Jamal Smith, „Mister Zuverlässig“ Ryon Howard und David Markert schlichtweg an Angriffspower. Und damit zu den weniger schönen Dingen: Abgesehen von seinem faszinierenden Dunk, mit dem er sein durchaus vorhandenes Potential andeutete, blieb Troy Harper wiederum blass. Oehmen brachte das Dilemma auf den Punkt: „Wir machen gegen einen Aufstiegskandidaten 74 Punkte – davon kommen nur sieben von unserem US-Profi.“ Geradezu besorgniserregend ist die psychische Verfassung des 24-Jährigen, der während der Partie viermal in der Kabine verschwand, um seinen gestressten Magen zu beruhigen. Außerdem ist seit Freitag klar, dass die Saison für Ryon Howard vorbei ist. Die im Match gegen Leverkusen II erlittene Knieverletzung hat sich inzwischen doch als Kreuzbandriss entpuppt. Damit ist sogar offen, ob der 35-Jährige zum Start der Spielzeit 2020/2021 dabei sein kann.

Im Viertelfinale des WBV-Pokals am Donnerstag gegen den Regionalliga-Tabellenführer RheinStars Köln hätte Coach Jason Price seinen Musterschüler gut brauchen können. Die Partie in der Großsporthalle Gustorf am Torfstecherweg wird um 20 Uhr angepfiffen. Interessant dürfte sein, mit welcher Mannschaft die am Tag darauf in der Liga bei der BG Hagen geforderten Domstädter auflaufen werden. In jedem Fall ist Grevenbroich krasser Außenseiter.

Info
Grevenbroich - Herford 74:100 (Halbzeit 46:55)

Grevenbroich Harper (7), Ebiballari (3), Boldt (17), Janoschek (15), Königs, Schwich (10), Becker (19), Montag (3)

Herford Hill (20), Stein (3), Svinger (3), Zemhoute (6), Wendt (17), Brinkmann (6), Behrens, Steffen (8), Volkus (23), Zvinklys (14)

Viertel 19:37, 27:18, 13:26, 15:19)