Mensch & Stadt
Dritter und letzter Abschied
RP-Fotos (2): Ruth Klapproth
Die Europaschule Erkelenz hat ihren langjährigen Leiter Willi Schmitz verabschiedet. Das wurde in der Stadthalle mit Ehefrau Gabriele gefeiert. Zuvor waren sie von einem weißen Mercedes-Oldtimer an der Realschule der Stadt Erkelenz abgeholt und durch ein Fahnenmeer dorthin gefahren worden.    
Willi Schmitz hat 26 Jahre die Europaschule, die Realschule der Stadt Erkelenz, geleitet. Jetzt ist er in den Ruhestand verabschiedet worden – mit einer Rückschau auf die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte.
Von Andreas Speen

Zum dritten Mal ist Willi Schmitz von der Realschule in Erkelenz verabschiedet worden: 1971 als Zehntklässler, 1982 als nebenberuflicher Lehrer und 2020 als Schulleiter. In dieser Funktion prägte Willi Schmitz die Realschule, die sich seit 2008 Europaschule nennen darf, maßgeblich, und zwar 26 Jahre lang. „Das Beste, was ich je gemacht habe, war, an dieser Schule zu arbeiten.“

Die Laufbahn von Willi Schmitz ist eine besondere. Darauf gingen bei der Verabschiedungsfeier alle Redner ein. Nach seiner Zeit als Realschüler machte Schmitz eine Ausbildung zum Industriekaufmann, arbeitete anschließend in diesem Beruf, besuchte aber zeitgleich das Abendgymnasium in Viersen. Nach dem Abitur schloss er ein Studium in Mathematik und Physik an der RWTH Aachen an, unterrichtete zur selben Zeit aber auch schon an der Realschule seiner Heimatstadt, wo er auch das erste halbe Jahr seines Referendariats anschließen konnte. Danach ging es an die Realschule Oberbruch, später als Konrektor an die Realschule Ratheim. Am 1. Februar 1994 wurde Willi Schmitz schließlich Schulleiter seiner einstigen Ausbildungsstätte. Und so verwunderte es nicht, als er bei seinem Abschied feststellte: „Diese Schule waren meine vier Wände, war mein Koordinatensystem, war meine Heimat.“

Die Punkte in diesem Koordinatensystem haben sich innerhalb der 26 Jahre immer wieder verändert. „Man ist nie fertig mit Schule“, sei die Arbeitsphilosophie von Willi Schmitz gewesen, erinnerte Konrektor Markus Monjeamb, während Konrektorin Bettina Peiffer hervorhob: „Willi Schmitz hat eine ungeheure Energie in unsere Europaschule eingebracht.“ Zu den Veränderungen gehörten die Einführung von Niederländisch als zweiter Fremdsprache neben Französisch und des bilingualen Zweigs Deutsch-Französisch, die Einführung von Lernzeiten und des gebundenen Ganztags. Dazu zählten die Änderung der Zeit- und Organisationsstruktur zur Rhythmisierung und Entschleunigung des Schulalltags, der Umbau eines Gebäudetraktes zur Mediathek, die Mensa und die Neugestaltung des Schulhofs. Zusätzlich angestellt wurden unter Willi Schmitz eine Ergotherapeutin, ein Werkstattleiter, ein Schulpastoralreferent, eine Bibliothekarin und ein Sonderpädagoge.

„Er war immer um beste Bildungsqualität bemüht und hat mit der Erkelenzer Realschule eine andere Idee von Pädagogik entwickelt“, hielt stolz Bürgermeister Peter Jansen fest. „Der Ruf unserer Realschule ist hervorragend. Einen großen Anteil daran hat die Schulleitung um Willi Schmitz.“ Dies erkannte unter anderen auch Regierungsschuldirektorin Astrid Petry an: „Sie haben eine Realschule geleitet, auf die viele Kollegen neidisch sein dürften.“ Wie sich eine Schule entwickele, hänge sowohl vom Schulleiter als auch vom Schulträger, hier die Stadt Erkelenz, ab, hielt Peter Pauli darüber hinaus fest. Der Leiter der Realschule in Geilenkirchen und Vertreter aller Realschulen im Kreis Heinsberg führte dazu aus: „Die Realschule in Erkelenz ist gut für die Zukunft aufgestellt“, was auch damit zu tun habe, dass der Schulträger nicht Trends nachgesetzt habe, „stattdessen am dreigliedrigen Schulsystem festhält“, was in dieser Stadt gut und stabil funktioniere.

Schüler, Eltern und Lehrer bedankten sich in der Erkelenzer Stadthalle bei Willi Schmitz. Der Chor der Europaschule sang, die Samba AG spielte und die ­Schülervertretung zeigte in einem Film die Entstehung ihres künstlerischen Abschiedsgeschenks.

Am Ende des Tages war Willi Schmitz zum dritten Mal von der Realschule in Erkelenz entlassen worden. Dieses Mal zum letzten Mal. Dieser Abschied mache ihn neugierig auf das, was kommt, sagte Schmitz und gab allen Pädagogen aus seiner Lebenserfahrung mit: „Kinder brauchen Zuwendung und nicht nur Lehrer als Lernbegleiter.“

Info
„Hohe Akzeptanz der Realschule“

Redner Markus Manjeamb, Bettina Peiffer (beide Konrektoren), Peter Jansen (Bürgermeister), Astrid Petry (Bezirksregierung Köln), Peter Pauli (Vertreter der Realschulen im Kreis Heinsberg), Michaela Gerighausen (Förderverein), Stefan Bockelmann (Schulpflegschaft), Hans-Jürgen Peisen (Lehrer), Zoe McCarthy (Moderatorin aus der Klasse 5b) und Schulleiter Willi Schmitz.

Schülerzahl In seiner Zeit als Schulleiter hat Willi Schmitz mehr als 5000 Kinder begleitet. Die Akzeptanz der Realschule und von deren Veränderungen in der Vergangenheit zeigten die hohen Anmeldezahlen, hielt Lehrer Hans-Jürgen Peisen fest.