Die Saison der Elephants Grevenbroich wird zur Seifenoper
   Foto: Anja Tinter
Rolle rückwärts: Trainer Jason Price (r.) ist bei den Elephants zurück in der Kommandozentrale, Ryon Howard (l.) komplett raus.
Der erst am vergangenen Samstag von seinen Ämtern entbundene Jason Price ist auf den Trainerstuhl des Basketball-Regionalligisten zurückgekehrt.
Von Dirk Sitterle

GREVENBROICH | Die seit 1992 beim deutschen Privatsender RTL ausgestrahlte Endlos-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) gilt als die erfolgreichste deutsche Seifenoper. Noch. Denn seit dieser Saison machen die NEW’ Elephants Jo Gerner, Emily Wiedmann & Co. Konkurrenz. Zwar spielen sich die kleinen Dramen rund um den Basketball-Regionalligisten nicht im hippen Kiez in Berlin-Mitte, sondern im beschaulichen Grevenbroich ab, sind aber kaum minder abgedreht.

Die aktuelle Folge: Am Mittwoch stand Trainer Jason Price in der Halle, um die Mannschaft auf das Heimspiel am Samstag (19.30 Uhr) gegen die Hertener Löwen vorzubereiten. Eigentlich nichts Besonderes, wenn der US-Amerikaner nicht vier Tage zuvor entlassen worden wäre. Vor allem, um Geld zu sparen, schließlich ist die Mannschaft einerseits längst raus aus den Play-offs, kann andererseits aber auch nicht mehr absteigen. Bei der Niederlage am Samstag in Haspe saß darum Ryon Howard auf der Bank. Weil der 35-Jährige mit seinem vor drei Wochen erlittenen Kreuzbandriss im Knie noch monatelang ausfällt, hielt es Manager Hartmut Oehmen für eine gute Idee, den Wahl-Kölner in den fünf noch ausstehenden Partien auf seine Eignung als Trainer zu testen.

Das Problem: Howard sieht sich weiter ausschließlich als Spieler und nicht als Coach. Das verriet er am Montag nicht nur im Interview mit der NGZ, sondern am Tag darauf auch im Gespräch mit Oehmen. Der fiel aus allen Wolken, „denn das hatte sich bis dahin ganz anders angehört. Hätte ich gewusst, dass Ryon gar keine Lust auf den Job hat, hätte ich diese Lösung niemals vorgeschlagen. Es bringt doch nichts, wenn ich einen Trainer inthronisiere, der überhaupt nicht will. Ich brauche Leidenschaft, Begeisterung – kein, ‚ich gucke mal’. So bin ich nicht.“ Weil Howard daraufhin seinen Vertrag bei den Elephants kündigte, war plötzlich wieder Jason Price im Spiel. Dessen vom Vorstand um Holger Groß beschlossene Demission hatte der Manager ohnehin nur deshalb mitgetragen, weil ihn die „Option Howard“ überzeugte. Er nahm sofort Kontakt zu seinem „Buddy“ auf, „der ja, weil die Kündigung nur mündlich ausgesprochen worden war, bei uns immer noch auf der Payroll stand und der weiterhin mein Vertrauen hatte. Bis zum Salto rückwärts war das eine Sache von zwei Minuten. Jason war ohnehin noch nicht fertig mit den Elephants.“

Für die dezimierte Mannschaft ändert sich im Grunde nichts: Da die Einheit am Montag ausgefallen war, hat sie nie unter Ryon Howard trainiert, am Mittwoch übernahm Price. Selbst für den „Paradiesvogel“ im Management eine „verrückte Geschichte“. Allerdings gibt Oehmen zu bedenken: „Dicker als uns kann es einen kaum erwischen!“ Der Rückblick auf die erste Staffel:

Folge 1: Trainer und US-Profi sitzen zwar im gleichen Flieger, gehen kann jedoch nur Jason Price. John Murry rollt mit gebrochenem Mittelfuß im Rollstuhl in die Empfangshalle des Düsseldorfer Flughafens.

Folge 2: Murry darf bleiben, fürs Erste übernimmt jedoch der nachverpflichtete Yahad Thomas. Zudem trennt sich der Verein von Arbnor Voca und Kike Garrido.

Folge 3: Yahad Thomas markiert gegen Haspe 36 Punkte, zieht sich aber den dritten Kreuzbandriss seiner Karriere zu.

Folge 4: Die Elephants verpflichten Jamal Smith, der in seinem zweiten Match 32 Punkte erzielt.

Folge 5: Yahad Thomas fliegt wie Murry zurück in die USA. Ihr Nachfolger Troy Harper verpasst die Partie gegen Recklinghausen, weil die Arbeitserlaubnis fehlt.

Folge 6 Binnen drei Tagen verliert das Team Topscorer Jamal Smith (wechselt nach Düsseldorf) und seinen besten Spieler Ryon Howard. Vor Weihnachten hatte schon David Feldmann ade gesagt.

Folgen 7 und 8 siehe oben   
Fortsetzung folgt ...