Fakten & Hintergrund
Keine Hotelzimmer – ACÜ sagt Grand Prix ab
NGZ-Foto: A. Tinter
Auf solche spektakulären Kämpfe wie hier zwischen Nina Hemmer und Jessica Macdonald müssen die Ringerfans künftig in Dormagen verzichten.
Weil über Pfingsten zu wenig Hotelzimmer in der Region zur Verfügung stehen, fällt der Grand Prix im Frauenringen aus.
Von Volker Koch

DORMAGEN | Die Absage, sagt Vorsitzender Detlev Zenk, sei ihm nicht leichtgefallen: Der AC Ückerath hat dem Ringer-Weltverband in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass er sich nicht in der Lage sieht, den für das Pfingstwochenende (30./31. Mai) im Dormagener Bayer-Sportcenter geplanten Grand Prix der Bundesrepublik Deutschland im Frauen-Ringen auszurichten.

Der Grund dürfte Seltenheitswert besitzen: „Wir finden für diesen Termin nicht genügend Hotelzimmer, zumindest nicht genügend bezahlbare, in der Region,“ sagt Zenk. Unterzubringen wären 250 bis 300 Teilnehmerinnen und Betreuer. Schuld an der misslichen Lage ist zum einen die Terminverlegung der „Photokina“ – nachdem sie im vergangenen Jahr ausfiel, ist die weltgrößte Fotomesse in Köln von Ende September auf Ende Mai (27. bis 30.) verlegt worden. Und Messen, egal ob in Köln oder Düsseldorf, sorgen in der Regel für stark ausgelastete Hotels in der gesamten Region. Und meistens auch für einen kräftigen Aufschlag auf die Zimmerpreise. „Uns sind zwar einige Zimmer angeboten worden, aber zu Preisen, die wir nicht bezahlen können,“ sagt der ACÜ-Vorsitzende.

Erschwerend kommt hinzu, dass das bei Ausrichtern von Sportveranstaltungen sehr beliebte (weil preiswerte) Commundo-Hotel in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pädagogischen Hochschule in Neuss-Gnadental nicht mehr zur Verfügung steht, seit dort das Bildungszentrum des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP) eingezogen ist. Zwar hatte der AC Ückerath beim LAFP wegen einer temporären Nutzung am Pfingstwochenende angefragt, in der vergangenen Woche aber einen abschlägigen Bescheid erhalten. Begründung, so Detlev Zenk, der sowohl Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als auch die NRW-Staatskanzlei um Hilfe gebeten hatte: „Am Wochenende steht dort kein Personal zur Verfügung.“

Daraufhin sagte der Vorsitzende den Grand Prix ab. „Das ist ganz bitter und uns auch nicht leicht gefallen,“ sagt Zenk. Schließlich sei Dormagen für die Ringerinnen so etwas wie die „Generalprobe“ für die Olympischen Spiele gewesen, die knapp zwei Monate später in Tokio eröffnet werden. Die olympischen Qualifikationsturniere und die in dieser Woche in Rom anstehenden Europameisterschaften waren auch der Grund, warum der AC Ückerath auf den angestammten Grand Prix-Termin am Pfingstwochenende zurückgekehrt war – nach der Absage 2018 stand das Turnier im vergangenen Jahr vom 22. bis 24. Februar auf dem Programm.

Probleme mit der Unterbringung von Sportlern vor allem zu Messezeiten sind nicht neu. So wäre auch der TSV Bayer Dormagen mit dem von Dezember auf Januar verlegten Junioren-Weltcupturnier der Säbelfechter um den „Preis der Chemiestadt“ beinahe in Schwierigkeiten geraten. Der Fecht-Weltverband (FIE) hatte das Turnier nämlich für den 25. Januar angesetzt. „Das wäre das Schluss-Wochenende der ‚boot’ gewesen, da hätten wir keine Hotelzimmer für über 300 Teilnehmer bekommen,“ sagt Olaf Kawald. Dem Fecht-Abteilungsleiter des TSV war es jedoch „mit viel Mühe“ gelungen, den Weltverband von einer Verschiebung um eine Woche zu überzeugen.

Ob der AC Ückerath in Sachen Grand Prix nur eine schöpferische Pause einlegt oder das Turnier im vergangenen Jahr die letzte Auflage des Großereignisses war, lässt Detlev Zenk offen: „Darüber müssen wir uns noch beraten.“

Info
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