Geisels Dienstreise im Privatjet
Für 7000 Euro ist der OB im Januar von London nach Düsseldorf geflogen. Dafür wird er nun kritisiert. „Er predigt Wasser und trinkt Champagner“, sagt die FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Von Hendrik Gaasterland und Uwe-Jens Ruhnau

Am 16. Januar hatte Thomas Geisel zwei wichtige Termine. Zunächst folgte der Oberbürgermeister am Mittag der Einladung von Prinz Harry – wegen der offiziellen Vergabe der Invictus Games 2022 an Düsseldorf – in den Buckingham Palast. Am Abend stand er zum 50. Geburtstag des Schauspielhauses auf der Rednerliste. Für den Rückflug aus London nahm Geisel einen 6960 Euro teuren Privatjet, um rechtzeitig zur Feier im Schauspielhaus zu sein. Dafür erntete der OB Kritik, sein Sprecher verteidigte den Flug.

Geisel war am 15. Januar mit drei Begleitern per Linienmaschine nach England geflogen. Da der Termin in London erst kurzfristig festgestanden habe und der OB es per Linie nicht rechtzeitig nach Düsseldorf zurück geschafft hätte, habe man den viersitzigen Privatjet gebucht, so ein Rathaussprecher. An Bord waren neben Geisel ein Referent sowie zwei Mitarbeiter der städtischen Veranstaltungsagentur D.Live. Die Kosten seien zwischen der Stadt und der Stadttochter geteilt worden.

Geisel sagte unserer Redaktion, er habe zuerst den Termin beim Schauspielhaus zugesagt, später sei der Termin in London dazugekommen. „Es gehört sich dann nicht, den Termin im Schauspielhaus abzusagen.“ Der Ministerpräsident habe ebenso wenig einen Minister geschickt wie die Verteidigungsministerin in London einen Staatssekretär. „Bei beiden Anlässen war es richtig, dass Düsseldorf mit dem Oberbürgermeister vertreten ist“, so Geisel. Für ihn hatte der Privatjet auch nichts mit Prestige zu tun, sondern mit Pragmatismus. „Darin gab es weder eine Toilette noch einen Bordservice – nur ein Tütchen Mandeln.“ Er habe in seiner Zeit bei Ruhrgas öfter im Privatjet gesessen, wenn der Vorstand dies gewünscht habe. Als Oberbürgermeister habe er diese Möglichkeit erst dieses eine Mal genutzt – und er glaube auch nicht, dass es eine ähnliche Konstellation bis zur Wahl noch einmal gebe.

Der Parteichef der CDU in Düsseldorf, Thomas Jarzombek, kritisierte den Stadtchef: Die Kosten des Privatflugs seien viel zu hoch. Geisel müsse seinen Anspruch auf Unverzichtbarkeit überdenken: „Was macht er denn bei der nächsten Terminkollision? Gibt es eine Linie bei solchen Fällen oder nicht?“

Die Düsseldorfer FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisierte Geisel scharf. Der Oberbürgermeister richte Umweltspuren ein und lasse Tausende im Stau stehen, er selbst aber fliege auf Kosten des Steuerzahlers im Privatjet: „Er predigt Wasser und trinkt Champagner.“ Dies auch, weil er sich für unersetzlich halte. Der Grüne Stefan Engstfeld, wie Strack-Zimmermann Herausforderer von Geisel bei der OB-Wahl am 13. September, hätte nach eigenen Worten ebenfalls anders gehandelt: „Jeder hätte Verständnis gehabt, wenn ein Vertreter das Grußwort gehalten hätte. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen hätte er auf den Rückflug mit einem Privatflugzeug verzichten sollen.“

Engstfeld teilt damit die Meinung des Bundes der Steuerzahler. Dessen stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes NRW, Eberhard Kanski, sagt: „Gerade das bürgerlich geprägte Publikum des Schauspielhauses hätte doch Verständnis gehabt, wenn sein erster Stellvertreter den Termin für ihn wahrgenommen hätte.“ Es sei nicht mehr angebracht – auch immer mehr Firmen verzichteten bei ihren Top-Managern darauf –, sich einfliegen zu lassen. „Geisel hätte mit dem Empfang bei Prinz Harry dem Schauspielhaus ja auch nicht aus einem fadenscheinigen Grund abgesagt. Im Buckingham Palast muss ein OB seine Stadt persönlich vertreten.“

Politikwissenschaftler Stefan Marschall von der Heine-Universität bezeichnet den Flug in Zeiten der Klimadebatte und von Politikverdrossenheit als „keinen klugen Move“ des OB: „Zum einen haben wir eine Diskussion wegen der von ihm befürworteten Umweltspuren, zum anderen liefert er Argumente dafür, dass Politiker ihre Privilegien ausnutzen und sich etwas gönnen. Die Aktion ist doppelt schwierig.“

Geisel kam übrigens trotz des Flugs im Privatjet zu spät ins Schauspielhaus.