Vier Fußball-Abteilungen – ein Konzept
RP-Foto: Armin Fischer
Der SV Orsoy, SV Millingen, TuS Borth und SV Budberg wollen gemeinsam mit der Stadt die Sportstättenentwicklung in Rheinberg voranbringen (v.l.): Matthias Schmitz, Guido Eysenbrandt, Rainer Lempert, Thomas Paul, Frank Misch, Timm Ernicke, Michael Nagels und Ulrich Glanz.

Vertreter aus Rheinberger Vereinen haben erstmals eine gemeinsame Sportstättenentwicklungsplanung erarbeitet.

Von Rene Putjus

RHEINBERG | Fast zwei Jahrzehnte lang gab es Zank zwischen den Rheinberger Vereinen, sobald über die Sportstättenplanung in der Stadt diskutiert wurde. Jeder hatte nur seinen eigenen Vorteil im Blick. Der Stadtsportverband brachte die Funktionäre zwischenzeitlich zwar an einen Tisch, auf eine gemeinsame Zielrichtung konnte man sich aber nicht einigen. Jetzt, im Winter 2021, liegt aber ein Sportstättenentwicklungskonzept vor, hinter dem Fußball-Abteilungen aus vier Clubs stehen. Vertreter des TuS Borth, SV Budberg, SV Orsoy sowie SV Millingen haben es gemeinsam erarbeitet und den Inhalt bereits Bürgermeister Dietmar Heyde sowie den Fraktionen vorgestellt.

„Die Rückmeldungen waren sehr positiv“, fasst Thomas Paul, der Vorsitzende der Budberger Fußball-Abteilung, die Reaktionen zusammen. Concordia Rheinberg saß erst mit am Tisch, schied aber auf eigenen Wunsch im Herbst 2020 aus.

In dem Konzept bleiben alle Sportstätten mit den Großspielfeldern erhalten. Die vier Vereine formulieren darin ihre sportlichen und infrastrukturellen Einzelziele bis 2025. Und sie schlagen eine Priorisierung vor. Ganz oben steht die Anlage an der Xantener Straße, auf der die Fußballer von Concordia Rheinberg spielen sollen. Daher verstehen die Konzeptersteller auch nicht, warum der Concordia-Vorstand nicht mehr mitmachen wollte. „Uns wurde Vertrauensverlust als Grund genannt. Was genau dahinter steckt, wissen wir nicht. Es hat möglicherweise mit den beantragten Fördergeldern fürs Sanierungsprojekt in Millingen zu tun“, sagt Ulrich Glanz, der Vorsitzende des SV Millingen. Die Anlage an der Xantener Straße soll eine Generalüberholung bekommen, unter anderem Kunstrasen-Plätze erhalten. Demnächst soll ein von der Stadt beauftragtes Planungsbüro mit seiner Arbeit beginnen.

Auf Platz zwei der Prioritätenliste der vier Vereine steht die Sportstätte Borth. Der Vorstand um Matthias Schmitz wünscht sich einen großen und kleinen Kunstrasen sowie eine LED-Flutlichtergänzung. Auf Rang drei folgt die Sportstätte Orsoy. „Wir möchten die Wintertauglichkeit des zweiten Naturrasens verbessern und dort LED-Flutlichter bauen“, erläutert SVO-Chef Philipp Berndtsen. Platz vier nimmt die Anlage in Millingen mit Kabinen-Neubau im Vereinsheim und LED-Fluticht ein. Auf Platz fünf steht der SV Budberg mit einer Umkleide-Sanierung sowie dem Bau einer Schiri-Kabine plus Umkleide für Trainer (ab 2027). Zudem ist dort der Austausch des Kunstrasen-Oberbelags der beiden Plätze erwähnt (ab 2028).

In dem Papier haben sich die Verfasser auch mit den Kosten und möglichen Fördermöglichkeiten beschäftigt. Die Vorstände wollen sich jährlich im November treffen, um über die festgehaltenen Ziele zu sprechen, diese gegebenenfalls zu aktualisieren oder die Prioritäten anders zu ordnen. Während sie ihr eigenes Sportstättenkonzept entwickelten, wurde natürlich über die Finanzen der Stadt gesprochen.

Mit Schrecken haben die Funktionäre daher die Tagesordnung des Hauptausschusses gelesen, der an diesem Mittwoch stattfindet. Denn es könnten massive Einschnitte für die Sportförderung beschlossen werden. „Die Kürzungen hätten auch Einfluss auf die Sportstättenentwicklung und würden den Vereinen extrem wehtun, sie im Zweifel sogar handlungsunfähig machen und den Boden unter den Füßen wegziehen“, sagt Thomas Paul vom SV Budberg. Rheinberg droht erneut ein Haushaltssicherungskonzept.

So soll im Hauptausschuss beraten werden, in welchem Umfang bei den freiwilligen Leistungen im Bereich Sport Einsparungen vorgenommen werden können. Zur Diskussion steht eine Reduzierung der Grundförderung je Vereinsmitglied und der Zuschüsse zu den Pflege-, Reinigungs- und Betriebskosten der Sportanlagen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Nutzungsgebühren von Turnhallen oder Bädern erhöht werden. Thomas Paul erinnert die Ausschussmitglieder vor der Sitzung mit Nachdruck daran, dass auch die Sportvereine eine soziale Verantwortung haben.

Info

Vereine schreiben offenen Brief an Heyde

Kürzungen Neun Sportvereine und die DLRG-Ortsgruppe Rheinberg haben in einem offenen Brief an Bürgermeister Dietmar Heyde ihr Unverständnis zu den Vorschlägen der Verwaltung bei den geplanten Einsparmaßnahmen im Bereich Sport geäußert. Unter anderem geht’s um den Wegfall der Grundförderung, die Reduzierung von Betriebskosten oder die Einführung von Nutzungsgebühren für Fußballplätze. Die Vereine kritisieren bei den „pauschalen Einsparvorschlägen“ den Umfang und die „fehlende Transparenz“.