A3: Neue Chance für Seitenstreifen-Lösung?
Foto: Stephan Köhlen
Um den Seitenstreifen der A3 als vierte Spur zu nutzen, müssten die Fahrbahnen ertüchtigt und die von Schwerlastern genutzten Spuren auf 3,50 Meter verbreitert werden.   

Die A3 soll zwischen Hilden und Opladen auf acht Spuren verbreitet werden. Umweltschützer und anliegende Städte schlagen als Alternative die Nutzung des Standstreifens als vierte Fahrspur vor. Jetzt lässt die Autobahn GmbH des Bundes eine Machbarkeitsstudie anfertigen.

Von Christoph Schmidt

LANGENFELD/HILDEN | Die Autobahn A 3 ist eine der meistbefahrenen Schnellstraßen Deutschlands. Zwischen Hilden und Langenfeld sind täglich rund 120.000 Fahrzeuge unterwegs, darunter rund zehn Prozent Schwerlaster. Ständig kommt es zu Staus und zäh fließendem Verkehr. Bis 2030 steigert sich dieser Verkehr laut Schätzung um bis zu 15.000 Fahrzeuge am Tag, der Lkw-Verkehr nimmt dabei 17 Prozent zu. Der Bundesverkehrswegeplan sieht daher den achtspurigen Ausbau der bislang sechsspurigen A 3 zwischen Hilden und Leverkusen auf einer Länge von 19,7 Kilometer vor. Die Vorplanungen laufen bereits seit 2013.

Nicht nur Umweltschützer wie der BUND und Bürgerinitiativen wie „3 reicht!“ lehnen den Ausbau ab. Auch der Langenfelder Stadtrat hat 2020 in einer Resolution Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, von dem bereit beschlossenen Vorhaben wieder Abstand zu nehmen. Dies fordern auch die Entscheidungsträger der Städte Hilden, Solingen und Leichlingen sowie des Kreises Mettmann.

Die Ausbau-Gegner schlagen stattdessen vor, die Standspur als vierte Fahrspur zu nutzen. Das lehnt das Landesverkehrsministerium ab. Die Nutzung des Seitenstreifens könne immer nur eine Übergangslösung sein im Vorgriff auf einen regulären Ausbau.

Jetzt lässt die Autobahn GmbH des Bundes (früher Straßen NRW) in einer Machbarkeitsstudie eine „temporäre Seitenstreifenfreigabe“ prüfen. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, aber erste Ergebnisse lägen bereits vor, sagt Sebastian Bauer, Sprecher der Niederlassung Rheinland der Autobahn GmbH des Bundes.

Um den Seitenstreifen als vierte Spur zu nutzen, müssten die Fahrbahnen ertüchtigt und die von Schwerverkehr genutzten Spuren auf 3,50 Meter verbreitert werden. Mindestens 15 Nothaltebuchten je Fahrtrichtung seien einzurichten, eine Videoüberwachung sowie eine „Verkehrsbeeinflussungsanlage“ zu installieren.

An der auf Langenfelder Gebiet gelegenen Anschlussstelle Solingen gebe es besondere Probleme und zwei Lösungsmöglichkeiten: Entweder wird die Nutzung des Seitenstreifens als vierte Fahrspur unterbrochen. Oder die Rechtsein- und -ausbieger müssten nach außen versetzt werden, um ein sicheres Einfädeln zu gewährleisten. „In diesem Fall könnte ein Planfeststellungsverfahren nötig werden“, so Bauer. Das könne Zeit kosten.

Zuvor müsse auf jeden Fall die Anschlussstelle Solingen saniert werden. Das ist geplant von Frühjahr 2022 bis Mitte 2023. Erst danach könnte der Seitenstreifen – wenn überhaupt – als vierte Fahrspur genutzt werden.

2030 soll laut Plan der Ausbau der A3 zwischen Hilden und Opladen auf acht Spuren starten. Demnach könnten die Seitenstreifen bestenfalls sieben Jahre als vierte Spur genutzt werden. Bislang liegen nur erste verkehrstechnische Ergebnisse vor. Sie zeigen, dass die Nutzung der Standspur die Zeitverluste/Zeitkosten im Vergleich zum Drei-Spur-Betrieb um rund 17 Prozent verringern würde, der Ausbau auf acht Spuren dagegen um 85 Prozent.

Kritiker hinterfragen die Grundannahme des geplanten A3-Ausbaus, dass der Verkehr bis 2030 tatsächlich um 15 bis 17 Prozent zunehme. Drei wesentliche Einflussparameter seien nicht berücksichtigt worden: die politisch gewollte Mobilitätswende ,Schiene statt Straße’, die zum Klimaschutz erforderliche Kohlendioxid-Einsparung im Straßenverkehr und die zu erwartende Verringerung des Pendlerverkehrs in der Region durch Homeoffice, RRX, Fahrradschnellwege.

Der geplante Ausbau der A3 auf acht Fahrspuren zwischen Leverkusen-Opladen und Hilden wird geschätzt rund 275 Millionen Euro kosten, sagt Autobahn-GmbH-Sprecher Bauer. Eine Aktualisierung der Kosten erfolge nun in der Vorplanung und sollte nach derzeitigem Kenntnisstand in der zweiten Jahreshälfte vorliegen. Zur Dauer der Bauzeit sei eine konkrete Aussage erst mit Aufstellung des Vorentwurfes möglich.

Info

Dialogforum begleitet A3-Ausbau

Im Dialogforum treffen sich in regelmäßigen Abständen die Interessengruppen mit Vertretern der Autobahn GmbH des Bundes, mit zuständigen Gutachtern und ggf. weiteren am Projekt beteiligten Akteuren.

Das dritte Dialogforum soll im Sommer 2021 stattfinden.