Interview Dietmar Heyde

„Seit 2011 nicht viel auf die Reihe gebracht“
RP-Foto: Stoffel
Wann die Neugestaltung der Sportanlage unweit der B57 beginnt, steht nicht fest. Die neue Sporthalle auf dem Gelände soll im Sommer fertig sein.    

Rheinbergs neuer Bürgermeister spricht sich im RP-Interview deutlich gegen die Schließung von Sportanlagen aus.

RHEINBERG | Seit einigen Wochen ist in Rheinberg ein Bürgermeister im Amt, dem der Sport ganz besonders am Herzen liegt. Der 56-Jährige hat in Köln unter anderem Diplom-Sportwissenschaften studiert und saß lange für die Grünen im Sportausschuss. Er kennt also die Sorgen und Wünsche der Vereine nur zu gut.

Herr Heyde, was sagt Ihnen der Name Christoph Breuer?

DIETMAR HEYDE | Er ist Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Teil seines damaligen Auftrags war, den Bedarf an Fußball-Großspielflächen in Rheinberg bis 2030 zu ermitteln.

Genau. 2011 hat er seine Ergebnisse vorgestellt. Was ist aus denen geworden?

HEYDE | Sein Gutachten muss hier irgendwo im Archiv sein. Eine Großspielfläche hatte nach diesem Gutachten gefehlt, wenn ich mich richtig erinnere. Aus meiner Sicht hat sich daran bis heute nichts verändert. Wie sich das perspektivisch verändern wird, das sei dahin gestellt. Wir sehen keine dramatischen Anstiege der Mitgliederzahlen im Bereich Fußball. Das wird sich in den nächsten Jahren eher in die andere Richtung entwickeln. Bis 2030 müssen wir gucken, dass wir die Großspielfelder zumindest erhalten – auch in den Ortsteilen. Perspektivisch müssen wir schauen, in welchen Schritten wir zu einer weiteren Attraktivitätssteigerung der Sportanlagen insgesamt, auch mit Blick auf Fußball, kommen. Und wie verteilen wir sie in welchem Zeitplan. Das alles steht unter Haushaltsvorbehalten.

Hat das Breuer-Gutachten denn Ihre Erwartungen erfüllt?

HEYDE | Schon sehr früh habe ich bedauert, dass Herr Breuer mit seiner Mannschaft eine Aufgabe nicht in seinem Auftrag hatte, nämlich eine Empfehlung zu einer Sportstättenentwicklung. Das war die große Krux. Das hätte uns einiges an konflikthaften Diskussionen erspart.

Damit sprechen Sie sicherlich auch den Stadtsportverband an. Welche Rolle spielt er überhaupt noch?

HEYDE | Das ist eine sehr schwierige Frage. Es fehlt ein Sportstättenentwicklungsplan, und wir haben eine sehr unterschiedliche Gemengelage an Verträgen zwischen Stadt und Vereinen. Es gab immer schon den Wunsch nach einer gleichen Voraussetzung für die Pflege der Sportstätten und so weiter. Dann ging die Modifizierung der Sportförderrichtlinien auf den Weg. Und es gab den Versuch, einen Pakt für den Sport herzustellen. In dem Zusammenhang war es der Wunsch vor allen, dass der Stadtsportverband als Sprachrohr der Vereine die Aufgaben übernimmt. Doch auch der Vorstand hat’s nicht geschafft, die Interessen der Clubs so zu bündeln und priorisieren, dass Verwaltung und Politik daraus einen abgestimmten Meinungsprozess und eine Planung erkennen, die wir übernehmen können um so gucken, was in welchen Schritten umsetzbar ist. Das hat nicht funktioniert, insbesondere auch wegen der unterschiedlichen Gemengelage in dem Konstrukt Stadtsportverband.

Vor allem die Fußballer sahen ihre Interessen nicht ausreichend vertreten - zurecht?

HEYDE | Die Fußballer haben sich separiert mit der großen Sorge, dass der Stadtsportverband ein Konzept vorgelegt hatte, das eine deutliche Reduzierung der Großspielflächen vorsieht. Es ist viel in der Gerüchteküche produziert worden – und da auch geblieben. Letztendlich haben wir das Problem, dass seit 2011 nicht mehr viel auf die Reihe gebracht wurde. Und das gilt es, zu verändern.

Was heißt das genau?

HEYDE | Das erklärte Ziel der Verwaltung ist, jetzt das Heft des Handelns wieder in die Hand zu nehmen – gerne unter Beteiligung des Stadtsportverbands. Wer auch immer dann im nächsten Jahr sich dahinter verbirgt. Es stehen Wahlen an. Es bleibt die Hoffnung, dass ein Vorstand entsteht, der die Interessen aller Vereine repräsentiert.

Wie viel Geld ist denn überhaupt für den Sport da?

HEYDE | Wir haben eine klare Priorisierung, die seit zehn Jahren nicht in Frage gestellt wurde. Die erste Priorität liegt auf der Modernisierung der Sportanlage an der Xantener Straße mit dem Blick nicht nur auf den TuS, sondern auf die schulischen Belange. Darüber hinaus ist die zentrale Lage interessant für die Sportentwicklung in Rheinberg insgesamt. Erfreulicherweise wächst und gedeiht die neue Dreifachturnhalle. Und im nächsten Schritt müssten die Spielflächen, aber auch die Leichtathletikanlagen in Angriff genommen werden. Für die Planung sind in diesem Jahr schon 100.000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Es gibt im Übrigen den Landesfördertopf Moderne Sportstätten 2022, daraus werden gut 425.000 Euro nach Rheinberg gehen. Der Stadtsportverband sammelt die Anträge der Vereine und muss sie priorisieren. Ich hoffe, dass das halbwegs einvernehmlich klappt.

Wie weit ist die Überplanung für die Anlage an der Xantener Straße?

HEYDE | Wir sind immer noch auf der Suche nach einem Planungsbüro. Dieses Vorhaben und das Projekt des SV Millingen müssen übrigens getrennt gesehen werden. Da hat sich ein Türchen geöffnet durch ein Förderprogramm, wo wir normalerweise gesagt hätten: Super, das ist auch was für die Sportstätte an der Xantener Straße. Aber ohne eine fertige Planung und einen genehmigten Bauantrag haben wir keine Chance auf diese Fördergelder. Der SV Millingen hatte eine Planung in der Schublade liegen. Wir versuchen, das Projekt gemeinsam umzusetzen. Das ist keine Entscheidung gegen die eigentliche Prioritätenliste.

Liegt denn für das Millinger Projekt rechtzeitig eine Baugenehmigung vor?

HEYDE | Da muss auch der Kreis mitspielen und ein Brandschutzkonzept erstellt werden. Nur dann haben wir eine Chance auf eine 90-prozentige Förderung. Das wäre ein Geschenk des Himmels. Am 15. Januar endet die Abgabefrist. Dass in Millingen war passieren muss, ist in der Sportlandschaft völlig unstrittig.

Und wenn’s nicht klappen sollte?

HEYDE | Dann müssen wir nach anderen Fördermöglichkeiten Ausschau halten. Es bliebe dennoch bei der Priorisierung mit der Anlage an der Xantener Straße an erster Stelle.

Wann soll die Anlage in der Innenstadt denn benutzbar sein?

HEYDE | Realistisch betrachtet dauert es zwei bis vier Jahre. Es liegt schließlich noch keine Planung vor.

Wird denn der Wunsch nach einem Kunstrasen-Platz berücksichtigt werden?

HEYDE | Auf jeden Fall. Sobald wir eine vorzeigbare Planung präsentieren können, werden sofort die Schulen und alle Vereine mit einbezogen.

Wann wird die Dreifachhalle fertig sein?

HEYDE | Die ist wahrscheinlich im Sommer nächsten Jahres bezugsfertig. Wir haben ja einen Generalunternehmer, was hoffentlich dazu beiträgt, dass der Zeitplan eingehalten wird.

Kennen Sie eigentlich schon das eigene Konzept der Fußballer zur Sportstättenplanung?

HEYDE | Ich habe mich mit allen Vereinsvertretern getroffen, leider nicht in einem Termin. Die Vertreter des neuen Fußballclubs Concordia Rheinberg sind ausgeschert. Ich will alle wieder an einen Tisch bringen. Und da bin ich ganz zuversichtlich, weil es im Wesentlichen um die Missverständnisse ging, warum die Xantener Straße nicht ins Investitionspaket gekommen ist. Als historischen Qualitätszugewinn sehe ich die Tatsache, dass sich die Fußball-Abteilungen zusammengefunden und einen Plan entwickelt haben, der für die Verwaltung völlig okay ist. Der Zeitplan allerdings wäre zu hinterfragen. Die Priorisierung, die hier vorgenommen wurde, gefällt uns.

Wie sieht die Priorisierung aus?

HEYDE | Es geht in erster Linie um die Xantener Straße, im zweiten Schritt käme die Borther Anlage an die Reihe. Wir benötigen durchaus Großspielflächen, wie man allein in Budberg sieht. Sie brauchen außerhalb ihrer schönen Anlage weitere Trainings- und Spielmöglichkeiten. Die Anlage an der Xantener Straße soll so gestaltete werden, dass sie auch für andere Vereine nutzbar sein kann.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Ossenberger Sportplatz geschlossen und Baugebiet werden könnte. Ist Ihnen das Gerücht bekannt?

HEYDE | Da kursieren die wildesten Dinge. Richtig ist, dass die Anlage keine Jahrzehnte mehr in der Form erhalten bleiben wird. Da muss man gucken, wie lange benötigt man sie in welcher Form. Da finde ich die vernünftige Entwicklung zu Concordia Rheinberg absolut sinnvoll. Es geht im Wesentlichen um Sportförderung und nicht nur um Sportartenförderung mit Kirchturmdenken.

Es wird also unter Bürgermeister Dietmar Heyde keine Anlage in Rheinberg schließen?

HEYDE | Ja, auch die Ossenberger Anlage werden wir noch eine Zeit lang brauchen. Dann wird zu gucken sein, inwieweit man sie verändert zum Beispiel für Kinder- und Jugendmannschaften oder auch für anderes Sportgeschehen.

Das könnte Inhalt eines Sportpakts sein....

HEYDE | Unser Ziel ist, den Prozess in Richtung Pakt für den Sport und Modifizierung der Sportförderrichtlinien bis Mitte dieses Jahres abzuschließen, damit wir spätestens dann in die Umsetzung kommen können.

Das Gespräch führte Rene Putjus

Info

Fußball gespielt bei zwei Klever Vereinen

Sportliche Vita Als Kind hat Dietmar Heyde bei der DJK Kleve angefangen, Fußball zu spielen. Für den Club stand er zudem auch an der Tischtennis-Platte. Später wechselte Heyde zum VfB Kleve und spielte unter anderem in der Bezirksliga. Kniebeschwerden und das Studium zum Sport- und Geschichtslehrer beendeten die aktive Karriere. Heute hält sich der Millinger durchs Joggen fit.

Politische Karriere Vom Jahr 2005 an saß Heyde zunächst als sachkundiger Bürger im Rheinberger Sozial-, Sport- und Kulturausschuss. Vier Jahre später, also 2009, wurde er dann ordentlich gewähltes Mitglied im Rat der Stadt Rheinberg für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Gleichzeitig wurde er in den Sport- und Schulausschuss berufen, dessen Vorsitzender er sechs Jahr lang war. Bei der Kommunalwahl im September wurde er zum neuen Bürgermeister Rheinbergs gewählt.