Themenwoche Vielfalt der Generationen

Erntefrisch aus der Familienküche
Foto: Uwe Miserius
Zwei Generationen, ein Geschäft: Im „Feinkochtopf“ in Opladen arbeiten Sascha und Monika Weidner Hand in Hand zusammen.

Mit seiner Mutter Monika betreibt Sascha Weidner ein Feinkostgeschäft mit Essensausgabe.

Von Gabi Knops-Feiler

OPLADEN | Es gibt sie noch: Mehrere Generationen, die mit zwei oder mehreren Familienmitgliedern in einem Unternehmen eng zusammenarbeiten. Gründe für die Gemeinschaftsarbeit sind vielfältig. Oft möchten Kinder den Weg der Eltern beschreiten, weil sie schon seit frühen Tagen mit dem Unternehmen vertraut sind. In die Leitung bei Busreisen Hebbel sind zum Beispiel gleich mehrere Angehörige involviert. Die Wellpappenwerk Franz Gierlichs wird von Vater und Tochter geleitet, der Groß- und Einzelhandel Josef Wallraff GmbH ebenso wie die HKM Bauprojektentwicklung gemeinsam von Eltern und Söhnen.

Ganz pragmatische Motive hatten Mutter und Sohn für ihre Kooperation im Opladener Lebensmittelgeschäft „Feinkochtopf“. Sascha Weidner und seine Mutter Monika haben das Geschäft auf der Kölner Straße seit 2012 zusammen aufgebaut. „Ich wollte immer schon etwas mit der Familie unternehmen. Wenn ich meinen Sohn jetzt unterstütze, hat das den Vorteil, dass sich ein handwerklicher und kaufmännischer Beruf gut ergänzen“, erläutert die ausgebildete Betriebswirtin.

Als gelernter Konditor agierte der 33-jährige Sohn überwiegend in der Küche und kocht in bester Handwerksmanier täglich frische Suppen mit regionalen und saisonalen Zutaten. Er versteht sich aber ebenso gut auf die Zubereitung von köstlichen Marmeladen und Fruchtaufstrichen, herzhaften Ketchups oder kräftigen Chutneys, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei seiner Arbeit wird er durch die 55-jährige Mutter tatkräftig unterstützt, die ist in erster Linie für Verkauf und Marketing zuständig ist.

Entsprechend zufrieden sind beide Parteien mit dem Abkommen. „Gut, es kommt auch schon mal zu Meinungsverschiedenheiten“, räumt der junge Unternehmer ein, der seine Mutter als Angestellte beschäftigt. „Aber jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich, und keiner pfuscht dem anderen ins Handwerk. Das ermöglicht ein entspanntes und produktives Teamwork.“

Mutter Weidner bestätigt: „Wir konnten uns bisher noch immer einigen“. Schließlich hätten beide dieselben Interessen: an einem Strang zu ziehen und Kunden zufrieden zu stellen. Ohnehin sei die Zusammenarbeit in einem Betrieb – und sei er auch noch so klein – zwischen Familienmitgliedern leichter, findet Monika Weidner. „Obwohl es unser Arbeitsplatz ist und wir professionell agieren müssen“, sagt sie, „lassen sich viele Dinge in der Familie direkter ansprechen.“ Das vereinfache die Kommunikation insgesamt.

Dass die Generationen abgesehen davon gut harmonieren, zeigt auch die Tatsache, dass sich Jung und Alt ein Haus teilen. Während der Junior und sein Bruder in getrennten Wohnungen des Elternhauses leben, haben sich die Senioren im Anbau eingerichtet. „Wir kennen es nicht anders“, bestätigt Monika Weidner, „sondern sind es schon viele Jahre gewöhnt, mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben.“ Das hat den Vorteil: Niemand muss, aber jeder kann etwas mit der Familie unternehmen.

Bei Weidners sind gemeinsame Aktionen keine Seltenheit. Vielmehr teilen sie sich zahlreiche Hobbys, unter anderem die Gartenarbeit und die Leidenschaft fürs Wasser, speziell für das Segelboot, das in Holland vor Anker liegt. Aber ebenso kochen sie gerne gemeinsam. „Dann allerdings keine Suppe“, erklärt Sascha Weidner schmunzelnd.

Info

Der Feinkochtopf in Opladen

„Feinkochtopf“, Kölner Straße 59, Montag von 12 bis 18, Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 und Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Gekocht wird meist in kleinen Chargen nach Erntekalender. Infos: www.feinkochtopf.de