Skulptur erwacht am Latumer See zum Leben
RP-FOTO: HANS-JÜRGEN BAUER
Künstlerin Matre beteiligt sich am Kunstpfad-Projekt am Latumer See.   
Die Meerbuscher Künstlerin und diplomierte Agraringenieurin Matre verknüpft Natur und biologische Vorgänge mit Technik.
Von Monika Götz

LANK-LATUM | „Das Material soll herauskitzeln, was in mir ist,“ bringt Matre spontan ihr Innenleben auf den Punkt. Sie ergänzt: „Neues Material fordert mich heraus, ich will es kennenlernen, will es nach meiner Idee formen.“ Die Meerbuscher Künstlerin Matre heißt eigentlich Ulrike Mayer-Trede und ist diplomierte Agraringenieurin. Unter ihrem Künstlernamen Matre ist sie inzwischen nicht nur am Niederrhein bekannt. Denn ihre Skulpturen und Druckgrafiken sind in vielen Ausstellungen vertreten. Ausgeprägte Experimentierfreude ist ihr Markenzeichen. Ausprobieren, versuchen, verwerfen und neu ansetzen gehört zum Arbeitsrhythmus. Der Künstlerin ist wichtig, Natur und biologische Vorgänge mit der Technik zu verknüpfen. Dabei bleibt sie dem Ursprünglichen verbunden.

Auf einem Bauernhof aufgewachsen, verliert sie die Natur nie aus dem Auge: „Meine Skulpturen müssen leben, nicht nur ein Abguss sein, sondern das Kommen und Gehen und damit das Leben abbilden.“ Beispielhaft dafür ist die Entstehung der Skulptur, die für das vom Meerbuscher Kulturkreis (MKK) initiierte Projekt Kunstpfad Latumer See ausgewählt wurde. Matre hatte sich unter anderem mit der „Erdantenne Aufrecht stehen“ um die Teilnahme beworben, einer gut 2,50 Meter hohen Skulptur aus gebranntem Ton. Damit hatte die Künstlerin eine symbolhafte, rustikale Figur als Abbild der Verbindung von Himmel und Erde geschaffen.

„Die Figur hat eine stark körperliche irdische Präsenz. Sie steht aufrecht, mit dem geöffneten Kopf gen Himmel. Sie nimmt auf, was von dort kommt, ist dafür offen“. Ursprünglich ist das aus sieben Einzelteilen bestehende Kunstwerk bereits 2014 im Rahmen des viel beachteten Projekts „Reichweite“ auf dem Gelände des Ateliers van Eyk in Nettetal entstanden. Dort wurde die Erdantenne nach dem Trocknen abgebaut und im Elektro-Brennofen bei 900 Grad gebrannt. „Anschließend lag sie fast zwei Jahre bei mir im Dornröschenschlaf im Garten, ein Eichhörnchen hat darin genistet“, erinnert sich Matre.

2016 schließlich gab es beim Weltfrauentag in Nettetal erneut einen großen Auftritt für die Künstlerin und ihr Werk. Die Skulptur wurde vor viel Publikum rund sieben Stunden im Rauchbrand bei offenem Feuer gebrannt. Am Tag danach wurde sie erkaltet aus der Asche geholt, auf einem Eichenstumpf neu errichtet und schließlich am Weltfrauentag selbst mit einem Künstlergespräch der Öffentlichkeit übergeben.

Künftig wird die Skulptur „Erdantenne Aufrecht stehen“ am Latumer See als hell leuchtende Aluminium-Skulptur neu entstehen. Deshalb beginnen jetzt für die freischaffende Künstlerin die Arbeiten in der alteingesessenen Kölner Kunstgießerei Schweitzer: „Ich werde vor Ort weiter arbeiten, um unter anderem den Wachsguss so zu verändern, dass die Erdantenne später auch in Alu-Guss wieder zum Leben erwachen kann. Ich sorge dafür, dass später typische Samen aus der unmittelbaren Umgebung darauf oder darin sprießen und wachsen können.“

Matre freut sich, am Kunstpfad-Projekt beteiligt zu sein: „Das ist eine Herausforderung. Es ähnelt unserer Zeit: Abbruch – Stillstand – Umbruch – Neuaufbau und neues Leben.“

Und die Künstlerin bricht nebenbei bereits zu neuen Ufern auf. Zurzeit arbeitet Matre an Druckgrafiken für Lichtobjekte – ein weiteres künstlerisches Feld für ihre Experimentierfreude.