Fakten & Hintergrund

Das virtuelle Museum wächst
screenshot: virtuelles museum
Der Screenshot zeigt die virtuelle Heilig-Kreuz-Kirche von Keyenberg zum Durchklicken.

Der Heimatverein der Erkelenzer Lande leidet unter der Corona-Pandemie. Auch deshalb entwickelt sich das virtuelle Museum immer mehr zum Aushängeschild.

Von Christos Pasvantis

ERKELENZ | Der Heimatverein der Erkelenzer Lande zählt mit knapp 1400 Mitgliedern und seinen vielen Arbeitskreisen zu den größten, wichtigsten und umtriebigsten Vereinen der Region. Die Corona-Pandemie fordert das Vereinsleben jedoch seit nun mehr als einem Jahr extrem heraus – und das gerade in dem Jahr, an dem eigentlich das große Jubiläum stattfinden sollte. „Besonders schmerzte, dass die geplanten Veranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen alle nicht stattfinden konnten“, sagt der Vorsitzende Günther Merkens. „Und so wie es aussieht“ sagt Merkens weiter, „werden auch geplante Nachholungen in diesem Jahr nicht möglich sein“. Wichtiger denn je ist für den Verein in Zeiten ohne Präsenzveranstaltungen daher das virtuelle Museum, das weiter wächst und gedeiht. Allein in diesem Jahr hat der Verein dort bereits mehr als 20 neue Einträge geschaffen.

Die Aktivitäten dort sind überwiegend digital und erforderliche Absprachen im Team erfolgen online. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat sich dort ein beachtlicher und einmaliger Fundus an Geschichte und Bildmaterial über Erkelenz und Umgebung angesammelt. „Seit Oktober 2018 hat das virtuelle Museum bildlich gesprochen seine Türen geöffnet“, sagt Wolfgang Lothmann, der den entsprechenden Arbeitskreis leitet. Er erklärt: „Der Heimatverein fand damit eine ebenso mutige wie zeitgemäße Form, mit den Folgen des Tagebaues und der Erkelenzer Geschichte umzugehen.“ Mehr als 90 Besucher zählt das virtuelle Museum im Schnitt jeden Tag – „und die kommen nicht nur aus der Region“, sagt Lothmann.

Im virtuellen Museum sind jetzt bereits mehr als 250 Beiträge online, alle Beiträge sind reich bebildert, auch mit historischen Fotos und zum Teil gar mit Videoaufnahmen. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Animation eines fiktiven Stadtrundgangs im Jahr 1550, dazu gibt es auch mehrere aktuelle Drohnenflüge. Besonders interessant für die Besucher sind die Panoramaaufnahmen, die virtuelle Rundgänge durch Orte oder Gebäude möglich machen. So kann man ungehindert durch die mittlerweile geschlossene Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg gehen und alle Kunstwerke aus der Nähe betrachten – live ist das nicht mehr möglich, das Allerheiligste wurde von der Pfarrei ob der bevorstehenden möglichen Entwidmung der Kirche bereits entfernt.

Unter den neuen Beiträgen, die zuletzt hinzugekommen sind, sind auch viele Porträts. So werden Erkelenzer Personen wie Arnold von Harff, Cornelius Burgh, Mathias Baux, Gotfried von Bergh oder die Künstler Heinrich Jansen, Arno Platzbecker und Will Völker vorgestellt. Bei den Gebäuden kamen unter anderem die Lambertuskapelle in Immerath, die Pfarrkirche Sankt Lambertus Erkelenz, die Burg, das Kloster Sankt Josef in Golkrath oder erst in den vergangenen Tagen das Gasthaus, die Leonhardskapelle, das ehemalige Franziskanerkloster und die Antoniuskirche dazu. Gerade letztere ist wichtig, gab es bislang doch nur wenig Bekanntes über sie. „Erstmals arbeitete der Heimatverein das Thema historisch auf und fasste Informationen aus verschiedenen Quellen zusammen“, teilt der Verein mit.

Weniger gut läuft es wegen der Pandemie für viele andere Aktivitäten des Heimatvereins. Die beliebten monatlichen Wanderungen fallen ebenso aus wie die Studien- und Ausstellungsfahrten, genau wie die wöchentliche Chorprobe des Cornelius-Burgh-Chores und die geplanten Konzerte. Auch die Treffen in den Arbeitskreisen, etwa bei den Mineralien-oder Mundartfreunden oder die monatlichen heimatkundlichen Stammtischtreffen in Hückelhoven waren nicht möglich. Die Ausstellung „Ordensschwestern im Erkelenzer Land – eine Spurensuche“ musste im Oktober 2020 geschlossen werden – nachdem sie gerade mal eine Woche geöffnet gewesen war. Jetzt hofft Rita Hündgen, die das Ausstellungsteam leitet, dass es in diesem Jahr noch möglich ist, die Ausstellung nochmals zu zeigen.

Einige Arbeitskreise sind weiterhin aktiv, wenn auch jeder für sich in Heimarbeit. So arbeitet der Arbeitskreis Friedhof Brückstraße intensiv an einer Dokumentation der noch vorhandenen Gräber, insbesondere der Gräber von bekannten Erkelenzer Familien. Theo Schläger, der Leiter des Arbeitskreises Mundart, schreibt mangels der Mundartabende seine Gedichte, die dann den Mitgliedern zugeschickt werden.

Info

Hoffen auf Feier im Oktober

Gründung Der 3. Oktober ist nicht nur Tag der Deutschen Einheit, sondern im Jahr 1920 auch Gründungstag des Erkelenzer Geschichts- und Altertumsvereins, aus dem später der Heimatverein hervorging.

Feier Die 100-Jahr-Feier sollte ursprünglich auf Oktober 2021 verlegt werden – jetzt hofft der Verein, dass dies bis dahin wieder möglich ist.