BUND setzt A 3-Ausbau auf „Sinnlos“-Liste
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Die A 3 bei Solingen gehört zu den meistbefahrenen Autobahnen.    

Der Widerstand gegen die Verbreiterung der Autobahn ist nach wie vor groß. Der BUND hält das Projekt für eines der zwölf überflüssigsten Vorhaben in Deutschland. So habe etwa der Lockdown gezeigt, wie der Verkehr sinken könne.

Von Martin Oberpriller

SOLINGEN | Der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) lehnt einen Ausbau der Autobahn 3 auf acht Spuren weiter entschieden ab – und hat das Projekt darum nun auf eine am Dienstag in Berlin präsentierte Liste von zwölf „sinnlosen“ Autobahnprojekten in ganz Deutschland gesetzt, die aus Sicht des Verbandes „kein Mensch braucht“.

Unter dem Motto „Desaster im Dutzend“ zählen die BUND-Verantwortlichen in der Hauptstadt eine Reihe von Bauvorhaben an Fernstraßen auf, die nach Einschätzung des Umweltschutz-Bundes durch alternative Lösungsansätze ersetzt werden könnten. So schlägt der BUND mit Blick auf die A 3 im Abschnitt zwischen Hilden und Leverkusen beispielsweise eine „temporäre Nutzung der Seitenstreifen, ein dauerhaftes Tempolimit von 120 km/h und eine überregionale Verkehrslenkung“ vor.

Ideen, die von den BUND-Gruppen vor Ort prinzipiell begrüßt werden. Denn tatsächlich halten auch die BUND-Mitglieder in Solingen, Langenfeld, Hilden sowie Düsseldorf die Verbreiterung der A 3 für einen untauglichen Versuch, die Verkehrsprobleme in der Region zukünftig besser in den Griff zu bekommen.

Der Grund: Nach dem Dafürhalten der Umweltschützer sind in NRW vor allem die Autobahnen in Ost-West-Richtung, also die A 1 und die A 46, die sprichwörtlichen Nadelöhre. Und deren Überlastung führe wiederum dazu, dass sich an den Kreuzen Hilden sowie Leverkusen und damit auch auf der A 3 Stockungen bilden.

Ein Ausbau der A 3 würde, folgt man dem BUND, also nichts an dem grundsätzlichen Problem ändern, sondern nur neue Schäden anrichten. „Wohnhäuser werden abgerissen, Naherholungsgebiete verschwinden. Und wo heute noch EU-Mittel in die Rettung der bergischen Heideterrasse investiert werden, sollen in spätestens zehn Jahren die Bauarbeiten beginnen“, hieß es demzufolge am Dienstag in einer Erklärung der BUND-Ortsgruppen in der Region.

Tatsächlich plant die neue Autobahn GmbH des Bundes, die vor kurzem an die Stelle des Landesbetriebes Straßen.NRW getreten ist, ab 2030 den beidseitigen Ausbau der A 3. Wobei die Ingenieure sich auf einen gesetzlichen Planungsauftrag berufen und ferner eine zunehmende Verkehrsdichte als Begründung anführen. So rechnen die Verantwortlichen damit, dass die tägliche Zahl der Fahrzeuge von zurzeit rund 121.000 in knapp zehn Jahren auf 135.000 steigt.

Prognosen, die der BUND indes nicht nachzuvollziehen vermag. Beispielsweise habe doch gerade erst der Corona-Lockdown gezeigt, dass mit einem „Verkehrsrückgang von 20 bis 30 Prozent die temporären Engpässe auf der A 3 schlagartig verschwanden“, urteilten etwa die regionalen Verbandsvertreter, während sich die Solinger BUND-Vorsitzende Sibylle Hauke einmal mehr für eine grundsätzliche Verkehrswende aussprach.

Jedenfalls gehe es mit dem Individualverkehr nicht mehr wie bisher weiter, sagte Hauke am Dienstag. Darüber hinaus brachte die BUND-Vorsitzende, die als Mitglied der Grünen für die Partei früher in der Bezirksvertretung Ohligs / Aufderhöhe / Merscheid saß, aber auch die Hoffnung zum Ausdruck, wonach neuartige Homeoffice-Konzepte dauerhaft einen Rückgang des Verkehrs mit sich bringen könnten.

In Sachen A 3 sei deshalb einzig eine Nutzung der Standtreifen denkbar, fügte Sibylle Hauke hinzu, die sich des Weiteren für einen besseren ÖPNV sowie für ein Umsteigen auf zwei Räder stark machte. Hauke: „Beim Radwegenetz wird in Solingen bereits viel gemacht. Und mit E-Bikes können auch ungeübte Radler viele Stecken fahren.“ Lob gab es vom BUND überdies für die Lokalpolitik. Diese sei ebenfalls nicht bereit, die zusätzlichen Belastungen durch weiteren Flächenverbrauch und noch mehr Verkehr zu Lasten ihrer Städte zu tragen“.

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