Herzhafte Mahlzeit für Bedürftige
RP-Foto: Armin Fischer
Carsten Kämmerer, Tanja Braun und Bürgermeister Dietmar Heyde (v.l.) bedienen einen Vater und dessen Tochter.   

Kunden der Tafel erhielten auf dem Ossenberger Wochenmarkt kostenlos Essen.

Von Erwin Kohl

RHEINBERG | Für die Kunden der Rheinberger Tafel standen auf dem Ossenberger Wochenmarkt am Samstag kulinarische Überraschungen bereit. Sie hatten die Wahl zwischen Nudeln mit Hackfleischsoße, deftigen Grünkohl mit einer Frikadelle oder der klassischen Erbsensuppe. Gespendet wurden die 55 Eintopfgerichte von der Volksbank Niederrhein.

Für Carsten Kämmerer, treibende Kraft hinter dem Ossenberger Wochenmarkt, war die Aktion eine gute Gelegenheit, Danke zu sagen: „Wir hatten ein sehr gutes Jahr, man kann sagen, dass wir von der Corona-Pandemie profitiert haben. Deshalb wollten wir unbedingt etwas zurückgeben.“ Zu normalen Zeiten nutzen rund 200 Menschen den samstäglichen Markt für einen Einkauf, seit dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr freuen sich die Markthändler über 500 bis 600 Kunden.

Über deren Spendenbereitschaft freute sich auch Bürgermeister Dietmar Heyde: „Es ist toll, dass sofort alle Händler mit ins Boot gesprungen sind. Dadurch bekommt jeder noch eine Tasche mit frischen Brötchen, Mettwurst oder Nüssen.“ Dass die Mahlzeiten in eingeschweißten Plastikschalen ausgegeben werden, nimmt der grüne Verwaltungschef in Kauf: „Auf dem Markt darf kein Essen verzehrt werden, deshalb muss dieser Kompromiss eingegangen werden.“

Rund eine Woche halten sich die vakuumverpackten Mahlzeiten, können in dieser Zeit einfach auf dem Herd aufgewärmt werden. Wenn es nach Heyde geht, darf das Ossenberger „Erfolgsrezept Wochenmarkt“ gern Schule machen: „Wir haben viele gute Initiativen in den einzelnen Ortsteilen. Die Aufgabe der Verwaltung ist es, diesen Initiativen Möglichkeiten zu geben.“

Damit die kostenlosen Mahlzeiten in die richtigen Hände kommen, hatte Tafel-Koordinatorin Tanja Braun im Vorfeld „Essensmarken“ ausgegeben. Dass nicht alle das Angebot angenommen hatten, liegt zum einen daran, dass die Bürgerbusse ihren Betrieb Corona-bedingt einstellen mussten, und zum anderen an einer Hemmschwelle, die vor allem jüngere Menschen haben.

Auch die Tafel-Mitarbeiter spüren inzwischen die Auswirkungen der Pandemie. „Die Zahl unserer Kunden ist um etwa 20 Prozent gestiegen. Dabei handelt es sich überwiegend um Menschen, die in Kurzarbeit oder arbeitslos geworden sind“, erklärt Tanja Braun, die Wert auf die Feststellung legt, dass in diesen schweren Zeiten niemand zurückgewiesen wird: „Jeder kann die Hilfe in Anspruch nehmen und zwar völlig unbürokratisch. Wir überprüfen zurzeit keine Bedürftigkeit, weil wir wissen, dass die Menschen, die jetzt kommen, wirklich verzweifelt sind.“ Falsche Scham sei nicht angebracht.

Damit dieses Gefühl gar nicht erst entsteht, hebt die ehrenamtliche Helferin einen positiven Aspekt hervor: „Unsere Tafelkunden sind Lebensmittelretter. Ohne sie würden viel mehr wertvolle Lebensmittel weggeworfen.“