Erleichterung nach Musikschul-Öffnung
   Foto: Detlef Ilgner
An der Musikschule darf wieder unterrichtet werden. Natürlich gelten bestimmte Sicherheitsvorschriften. Dazu zählt auch die Maskenpflicht.

Nach fünf Tagen hat das Land seinen Erlass korrigiert: Der Unterricht an Musikschulen darf doch fortgesetzt werden – mit den üblichen Sicherheitsregeln. Schüler und Eltern sind froh. Die Schließung hatten viele für „völligen Unfug“ gehalten. Einige wollten sogar klagen.

Von Silke Schnettler-Jüngermann

MÖNCHENGLADBACH | „Ich finde Masken blöd, blöd und nochmal blöd“, sagt die sechsjährige Hanna. „Es ist so heiß darunter.“ Ihre Mutter gibt zu bedenken, dass Hanna mit Maske trotz Corona nun wieder zu ihrem geliebten Blockflöten-Unterricht gehen darf. Das sieht das Mädchen ein: „Ich will kein Corona kriegen.“ Seit dieser Woche ist wieder Leben in der städtischen Musikschule, nachdem das Land NRW die Musikschulen für fünf Tage in den Lockdown geschickt hatte.

„Ich war fest entschlossen, gegen die Schließung der Musikschulen zu klagen“, sagt Regine Becker. Die Ärztin nimmt Corona sehr ernst. Sie trägt schon seit Monaten im Alltag ständig eine Maske. „Aber den Einzelunterricht an der Musikschule zu verbieten, war aus wissenschaftlicher Sicht völliger Unfug.“ Doch nach nur fünf Tagen hat das Land den Erlass korrigiert: Nun dürfen die Beckers wieder zum Unterricht kommen.

„Absolut richtig“, findet Kulturdezernent Gert Fischer diese Entscheidung. „Die Musikschulen haben ein dezidiertes Sicherheitskonzept umgesetzt.“ Das bestätigt Dirk Mühlenhaus vom Verband deutscher Musikschulen: „Es ist deutschlandweit kein einziger Fall von einer Corona-Ansteckung in einer Musikschule bekannt.“

Nun läuft der Einzelunterricht wieder mit den üblichen Sicherheitsregeln. Auch Gruppenunterricht mit bis zu zehn Schülern ist in großen Räumen erlaubt. Bei Blasinstrumenten und Gesangsunterricht muss deutlich mehr Abstand eingehalten werden. Orchester und Chöre pausieren. Im gesamten Gebäude herrscht Maskenpflicht, auch im Unterricht.

„Das funktioniert mit meinen Kindern prima“, sagt die Trompetenlehrerin Annette Bauernfeind-Gormanns. Sie hat auch Bläserensembles mit bis zu neun Schülern. Das sind immer noch deutlich weniger als in ihrer Bläserklasse an der Theo-Hespers-Gesamtschule mit 19 Kindern.

Für die Verwaltung der Musikschule war der Mini-Lockdown „fünfmal so viel Aufwand wie normal“, so die Sekretärin Claudia Deckers. „Wir mussten einbuchen, ausbuchen, wieder einbuchen, viele waren kurzfristig nicht erreichbar.“ Und die Telefone im Sekretariat klingelten ununterbrochen.“ Im Sekretariat wurden nicht weniger Neuanmeldungen entgegen genommen als sonst. „Ein paar Leute haben sogar extra noch mal nachgehakt, weil sie unbedingt anfangen wollen.“ Claudia Deckers Eindruck ist: „Die Musikschule hat eine andere Wertigkeit bekommen.“

„Bei unseren 80 Lehrern hat sich kein einziger krankschreiben lassen, weil er zu einer Risikogruppe gehört“, so Musikschulleiter Christian Malescov. Seine Kollegen und er erleben gerade im Moment schöne Begegnungen im Unterricht. Trotzdem spürt er eine gedämpftere Stimmung als nach dem ersten Lockdown.

„Die Menschen haben mehr Ängste.“ Die 16-jährige Querflöten-Schüler Hannah formuliert es so: „Ich fühle mich derzeit oft beklommen und ein bisschen verloren. Manchmal erkenne ich andere mit Maske gar nicht.“ Selbstverständlich müsse man alles tun, um Corona in den Griff zu bekommen, sagt Malescov. „Vorsicht ja – Angst nein. Ich halte es für fatal, wenn wir Kinder den ganzen Tag mit Angst konfrontieren.“ Das sieht auch Gert Fischer so. Ihm ist ein Anliegen, Schulen und Musikschulen geöffnet zu lassen, denn sie ermöglichen Normalität, Struktur und Kontakt zu vertrauten Menschen. „Wir reden viel von den Langzeitfolgen von Corona. Und da müssen wir auch aufpassen, was wir im Zwischenmenschlichen kaputt machen, gerade bei den Kindern.“

Info

Fünftägiger Lockdown

In der ab 2. November geltenden Corona-Schutzverordnung hatte das Land NRW festgelegt, die Musikschulen im November zu schließen.

Die Verordnung wurde fünf Tage später aufgehoben. Inzwischen läuft der Unterricht wieder. Die Schließung war auch auf Protest gestoßen, weil die Musikschulen vielen Bundesländern geöffnet geblieben sind. Inzwischen sind nur noch die sächsischen Musikschulen im Lockdown.