Immer mit dem Blick fürs Ganze
RP-Archivfoto: Olaf Ostermann
Lennart Kühl, hier beim Wurf, übernimmt beim Landesliga-Neuling TuS Xanten viel Verantwortung – sowohl als Spieler, als auch als Jugendtrainer.    

Lennart Kühl, Handballer des TuS Xanten, ist ein Mann, der Verantwortung nicht scheut. Im Kader des Landesligisten ist er genauso eine verlässliche Größe wie als Trainer der A-Jugend. In Beruf und Sport verfolgt er eine klare Linie.

Von Michael Elsing

XANTEN | Lennart Kühl spielt gerade einmal seine vierte Saison beim Handball-Landesligisten TuS Xanten. Da kann man ihn nun nicht gerade als ein Urgestein des Vereins bezeichnen. Immerhin spielte der 30-Jährige bis zum Jahr 2017 noch für seinen Stammverein Uedemer TuS in der Kreisliga. Und dennoch hat man bei Kühl das Gefühl, als würde er schon sein Leben lang für den TuS auflaufen. Weil er eben das komplette Konstrukt im Blick hat, nicht nur Dienst nach Vorschrift macht, sondern sich vor den Karren spannen lässt. Eben einer, der Verantwortung übernimmt.

„Ich versuche stets, möglichst leistungsorientiert zu denken und zu handeln. Ich schaue immer auch nach rechts und links, übernehme gerne Verantwortung“, sagt der Rechtsaußen des TuS. Und deshalb ist er nicht nur beim Training und Spiel seines Teams eine verlässliche Konstante. Er führt auch die Mannschaftskasse des Landesligisten, trainiert gemeinsam mit Angela Beckers-Rützel die A-Jugend des Vereins und berichtet auf der Homepage der TuS-Handballer von den Spielen der Teams.

Dabei führte sein sportlicher Weg zunächst in eine ganz andere Richtung. Bis zu seinem 15. Lebensjahr spielte er beim BC Kleve Badminton. Und das auch durchaus erfolgreich, wie Auftritte in der Regional-Auswahl beweisen. Doch Handball war immer ein Thema für Kühl, der diesem Sport nur deshalb lange Zeit nicht nachging, „weil wir sehr ländlich gewohnt haben und ich keine Möglichkeit besaß, zum Training zu kommen“. Erst im Alter von 15 Jahren änderten sich die Voraussetzungen und er tauschte den Badminton-Schläger gegen den Handball aus.

Lennart Kühl weiß, dass dieser späte Start in den Handball ihn wichtige Basis-Elemente der Ausbildung gekostet hat. Auch deshalb begleitet er den Weg, den der TuS Xanten im Nachwuchs-Bereich eingeschlagen hat, aktiv mit. „Der Verein legt viel Wert auf die Ausbildung junger Spieler. Die Entwicklung geht da in die richtige Richtung. Und von der guten Basis, die da geschaffen wird, werden später auch die Seniorenteams profitieren“, so Kühl.

Kritisch, aber auch kämpferisch zeigt er sich, wenn es um sein eigenes Team, den Landesliga-Neuling, geht. „Natürlich hatten wir große Verletzungsprobleme. Aber das darf keine Ausrede sein, denn mit den vielen Fehlern, die wir in den Spielen gemacht haben, gewinnt man auch in der Kreisliga kein Spiel“, findet Kühl deutliche Worte. Er sagt aber auch: „Wir werden alles dafür tun, dass wir nicht nur ein Jahr in der Landesliga spielen. Das Potenzial in der Mannschaft ist vorhanden.“

Wann der punktlose Tabellenletzte seine Aufholjagd beginnen kann, steht aktuell noch in den Sternen. Bis zum 6. Januar läuft aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie im Amateur-Handball erstmal nichts. Lennart Kühl hält es nicht für unwahrscheinlich, dass sich daran auch im Januar und Februar nichts ändern wird. Auch hierzu hat er eine klare Meinung: „Es ist aktuell für alle Sportarten schwierig. Aber wenn man verantwortungsbewusst denkt, ist das ein richtiger Schritt. Wir können anschließend noch so lange Handball spielen, da müssen wir jetzt halt mal in den sauren Apfel beißen.“

Übrigens: Dass Lennart Kühl auch in beruflicher Hinsicht seinen (erfolgreichen) Weg geht, ist sicher kein Zufall. Der 30-Jährige ist als Operations Manager bei Wibit, dem in Bocholt ansässigen Weltmarktführer für schwimmende Wasserspielplätze, tätig. Dort koordiniert er die Installation der Wasserparks weltweit, dient zudem als Ansprech-Partner für mit Wibit kooperierenden Wasserparks. Ohne Bereitschaft zur Verantwortung geht es Lennart Kühl ihm eben nicht.