Sport am College Lina Hohnhold (2)

„Die Mannschaft ist wie eine Familie“
   RP-Foto: Stephan Köhlen
Lina Hohnhold liebt Tennis, hat aber auch eine vernünftige Berufsausbildung im Blick.

Die Tennisspielerin des TC Stadtwald Hilden finanziert ihr Studium der Psychologie in New Orleans mit einem Stipendium.

Von Birgit Sicker

HILDEN/HAAN | Für Lina Hohnhold ist Tennis ein wichtiger Teil ihres Lebens. Schon als Jugendliche war die Haanerin, die für den TC Stadtwald Hilden spielt, erfolgreich. Die Sportlerin holte unter anderem in den Altersklassen U 12 und U 16 Bronze bei der Deutschen Meisterschaft, war mehrfache Jugend-Verbandsmeisterin, bejubelte den Vizetitel bei der Deutschen U 18-Meisterschaft und den Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft. Hohnhold belegte zudem in der Rangliste des Deutschen Tennisbundes vordere Platzierungen. In der DTB-Rangliste der Damen notierte sie als bestes Ergebnis die Position 66. Mit der Damenmannschaft des TC Stadtwald Hilden tritt Hohnhold in der Niederrheinliga an und holte in den vergangenen Jahren wichtige Punkte in den Medenspielen.

Ein vielversprechendes Talent also, das in Mutter Petra und Vater Christian von Kindesbeinen an zwei Tennis-Experten als Förderer an ihrer Seite hatte. Die Eltern halfen, die Tennis-Karriere behutsam aufzubauen, achteten unter anderem auf notwendige Regenerationsphasen. Zudem erhielt Lina Hohnhold an der Solinger Sportschule FALS (Friedrich-Albert-Lange) die notwendige Unterstützung. Mit 14 Jahren startete sie mit vor Freude glänzenden Augen erstmals bei einem großen internationalen Turnier, dem Weltfinale des Nike Masters in Florida. Vielleicht der Moment, in dem sie auch den Spaß am Tennis in Amerika entdeckte. Denn davon konnte auch Vater Christian berichten, der in den USA mit einem Tennis- und Fußball-Stipendium studierte. „Ihm hat die Erfahrung sehr gefallen und sie hat ihn persönlich weitergebracht“, berichtet Lina Hohnhold. „Es ist nicht jedermanns Sache, aber es ist schön“, bestätigt der Papa.

Gleich nach dem Abitur im Jahr 2017 begann die nunmehr 22-Jährige im August ihr Studium an der University of Memphis in Tennessee. Bereits zwei Jahre vorher nahmen die Planungen konkrete Formen an. Verschiedene Trainer aus den USA schrieben das Tennis-Talent per E-Mail oder über Facebook an und warben für ihr College. „Anderthalb Jahre war ich damit beschäftigt, die Uni auszuwählen: Welche ist wie groß, wie läuft es dort ab“, erzählt Hohnold. Schließlich half eine auf die Vermittlung von Tennis-Stipendien spezialisierte Firma, eine gute Universität zu finden. Etwas mehr als drei Jahre ist der Start nun her. „Es hat mir sehr geholfen, in so einem Alter mal alleine zu leben. Ich musste alles selber regeln. Die Mannschaft ist wie eine Familie, mit der man abhängt und der man alles anvertraut“, erzählt die Studentin der Psychologie.

Was gab letzlich den Ausschlag für den Sprung über den großen Teich? „Mit dem Stipendium konnte ich mein Tennis verbessern – das wäre hier nicht möglich gewesen“, sagt Lina Hohnhold frank und frei. Zugleich finanziert die 22-Jährige durch das Tennisspiel ihr Studium. Also eine sogenannte Win-win-Situation, die auch dem Renommee des College dient und deshalb wundert es nicht, dass die Haanerin berichtet: „Ich spiele in einer Mannschaft und der Unterricht wird um das Team herum geplant.“ Will heißen: Das Training hat Priorität. Drei Stunden täglich von Montag bis Freitag stehen in der Woche auf dem Übungsplan. Dienstags und donnerstags dreht sich anderthalb Stunden lang alles um Kondition. Dann geht es zum Sprinttraining oder in den Kraftraum.

Im ersten Jahr lebte Hohnhold mit sechs Leuten in einem sogenannten Dorm auf dem Campus: Zwei Badezimmer, Küche, Wohnzimmer und für jeden ein eigenes Zimmer. In den letzten beiden Jahren hingegen wohnte die Haanerin außerhalb des Universitätsgeländes. „Zwei Minuten vom Campus entfernt“, berichtet sie und ergänzt: „Mit ein paar anderen Tennisspielerinnen habe ich in einem Haus gelebt.“

Acht Monate im Jahr weilt Lina Hohnhold am College, vier Monate ist sie in Deutschland. Ein Rhythmus, den die Corona-Pandemie allerdings extrem ins Wanken brachte. Ende März schaffte es die Haanerin gerade noch rechtzeitig, gemeinsam mit ihrem in Hawaii studierenden Freund vorzeitig den Rückflug in die Heimat anzutreten. Allerdings mit Umwegen in vier verschiedenen Flugzeugen und Zwischenstopps in Los Angeles und New York. Auch wegen Corona wechselte Lina Hohnhold zum Wintersemester zur University of New Orleans, konnte jedoch aufgrund der Pandemie in der Heimat bleiben und das Studium zunächst online fortsetzen. Wenn alles nach Plan läuft, fliegt sie Anfang Januar wieder über den großen Teich, um in der College Tennis Divison I an den Start zu gehen. Falls Corona nicht wieder einen dicken Strich durch die Rechnung macht.

Was Tennis angeht, blickt Hohnhold zufrieden auf die letzten drei Jahre zurück. „Ich habe auf jeden Fall im Doppel viel dazu gelernt, vor allem mental. Ich weiß jetzt, mit bestimmten Drucksituationen umzugehen. Als ich nach Amerika gekommen bin, war ich in keiner guten Form.Ich wusste, dass es lange dauern wird, aber jetzt merke ich, dass ich auf einem guten Weg nach oben bin. Das habe ich dem Training und den Kameradinnen zu verdanken – wir ziehen uns gegenseitig hoch.“ Dazu kommt die Anerkennung, die sie als College-Spielerin erfährt. Allerdings sei die im Tennis bei weitem nicht so hoch wie bei den Basketballern, die entsprechend selbstbewusst auf dem Campus auftreten.

Und wie läuft es beruflich? „Weil ich selber gerne Sport mache, möchte ich Sportpsychologin werden. Mich interessiert sehr, warum man so ist, wie man ist. Ich bin selbst ein Kopfmensch, denke aber, dass man da noch sehr viel herausholen und sein Spiel mental verbessern kann.“ Dafür beschäftigt sich Hohnhold im Studium mit ganz unterschiedlichen Themen wie dem Umgang mit Tod oder Krankheit oder der materiellen Sinnfrage: Macht Geld glücklich? Dazu gewinnt sie Einblicke in die Neuropsychologie, die sich mit den Funktionen des Gehirns befasst. Einfach formuliert: An welchen Stellen im Gehirn findet was statt?

Lina Hohnhold fällt abschließend ein positives Urteil über das College-Leben in Amerika: „Es gibt nirgendwo in der Welt so viele Studenten, die gleichzeitig guten Sport betreiben. Man macht, was man liebt und gleichzeitig studiert man.“ Was die Haanerin besonders beeindruckt: „Dieser Spirit: Wieviel Arbeit in den Sport gesteckt wird und das ganze Drumherum.“ Und ganz nebenbei hat sie „super Freundschaften geschlossen“ mit Menschen „aus aller Herren Länder“.

Info

Agenturen helfen bei der Bewerbung am College

Die Bewerbung für ein Stipendium am College in Amerika geht über spezielle Agenturen. Unter anderem stellen sich die Sportler in einem Video selbst vor und zeigen, wie sie Tennis spielen. Interessierte College-Trainer nehmen dann Kontakt auf, sei es telefonisch oder schriftlich.

Es gibt Voll- oder Teilstipendien. Je nach Umfang beträgt die Unterstützung zwischen 20.000 und 50.000 US-Dollar im Jahr und umfasst entweder nur die College-Gebühren oder auch Unterkunft und mehr. „Die Möglichkeiten, die man dadurch hat, sind echt super“, erklärt Malin Büchner, die ebenfalls beim TC Stadtwald spielt. Sie gesteht: „Am Anfang habe ich das gar nicht so wertgeschätzt, wieviel das alles kostet und wieviel dahinter steckt.“ Denn das Sportstipendium hilft nicht nur, eine andere Kultur und neue Freunde kennenzulernen, sondern ist ein wichtiger Baustein in der Berufsausbildung.

Etliche Agenturen helfen Sportlern, den Traum vom College-Studium zu realisieren. Eine davon ist uniexperts mit Sitz in Köln:

https://uniexperts.com/sportstipendium/