Hier entsteht das Wohnen der Zukunft
Foto: Stephan Köhlen
Die Baustelle des Trialog-Projektes an der Düsseldorfer Straße aus der Luft. Derzeit wird der Keller eines Gebäudeflügels gebaut. Ende 2021 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.   

Trialog baut im Hildener Westen ein Wohngebäude, das nicht nur ökologisch nachhaltig werden soll, sondern auch Generationen zusammenbringen und den Stadtteil mit einbinden möchte. Ende 2021 sollen die Bewohner einziehen können.

Von Tobias Dupke

HILDEN | Was sie am Ende dazu gebracht hat, sich für Hilden und für Trialog zu entscheiden? „Die Menschen“, sagt Quang Truong. Der Familienvater lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern (5, 3, 1,5 Jahre alt) momentan noch in Düsseldorf und war auf der Suche nach einer Wohnform, die „ökologisch und sozial nachhaltig ist“, wie er erklärt. Ein Projekt in der Landeshauptstadt und Trialog kamen in die engere Auswahl. „Uns haben aber auch die vielen kleinen Details überzeugt“, erklärt Quang Truong.

Trialog ist eine eigenständige Baugruppe unter dem Dach einer Genossenschaft. Für die Umsetzung wird die Gruppe von professionellen Beratern, Architekten und Fachplanern unterstützt. Ihre Idee ist, nachhaltig zu leben, Nachbarschaft kreativ zu gestalten, das Miteinander im Quartier zu beleben, Ressourcen zu teilen und gemeinsam zu feiern. Die Mitglieder zahlen eine Einlage, die im Bereich von 600 Euro pro Quadratmeter der jeweiligen Wohnung liegt, und haben dann ein lebenslanges Wohnrecht. Die Miete, „Nutzungsentgelt“ genannt, liegt bei monatlich 10,50 Euro pro Quadratmeter. Nebenkosten fallen bei einem derart ökologisch geplanten Passivhaus nur wenige an. 40 Prozent des Wohnraums sind öffentlich gefördert.

Auf den Dächern werden rund 317 Photovoltaikmodule auf einem extensiven Gründach verbaut. Diese haben eine Leistung von rund 100 kWp und erzeugen etwa 84 MWh sauberen Strom im Jahr. Durch den Batteriespeicher mit einer Kapazität von knapp 40 kWh erhöht sich der Anteil des Solarstroms, der im Haus verbraucht wird. Die Mieter können auf Wunsch günstigen Strom direkt von den eigenen Dächern beziehen. Er soll mindestens zehn Prozent unter dem Tarif des örtlichen Grundversorgers liegen. Trialog baut das Haus an der Düsseldorfer Straße im Effizienzstandard KfW 40 plus in Holzbauweise. „Uns war immer wichtig, dass wir nachhaltig leben und wohnen“, erklärt Familienvater Quang Truong.

Dem Bald-Hildener und seiner Frau sind aber auch die gesellschaftlichen Kontakte wichtig. „Wir möchten unseren Kindern auch andere Kinder ,schenken’ – und auch ältere Menschen, die nicht Oma und Opa sind.“ Er freue sich jetzt schon auf die Begegnungen im Gemeinschaftsraum und in den Laubengängen, die die Wohntrakte miteinander verbinden.

Ursprünglich wollten Quang Truong und seine Frau mit Freunden gemeinsam ein eigenes Projekt auf die Beine stellen: „Wir haben nach einem Vierkanthof in der Region gesucht – aber bei den hohen Immobilienpreisen haben wir leider keinen passenden gefunden.“ Ihren Traum, mit möglichst vielen netten Menschen zusammenzuleben, wollten sie aber nicht so schnell aufgeben und haben sich nach Alternativen umgeschaut – und Trialog gefunden.

„Wir wohnen bald in einer 140 Quadratmeter großen Wohnung“, sagt der Familienvater voller Vorfreude. „Wenn die Kinder alle ein eigenes Zimmer haben, bleibt kein Raum mehr für ein Gästezimmer frei.“ Das sei aber kein Problem, denn Trialog plant für solche Gelegenheiten eine Gemeinschaftswohnung ein. Dort können die Gäste der Bewohner übernachten.

Gemeinschaft steht ohnehin im Mittelpunkt: Ein Gemeinschaftsraum, zwei Spielplätze sowie das Genossenschaftsauto und die gemeinsame Waschmaschine sind Teile des inklusiven Konzepts. Das hat auch die Energieagentur NRW begeistert. Sie hat das Vorhaben als „Klimaschutzsiedlung“ ausgezeichnet – die erste in Hilden –, verbunden mit einer Landesförderung.

Das Vorzeige-Wohnprojekt entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Kirche St.-Johannes Evangelist an der Düsseldorfer/Ecke Niedenstraße. Das Gotteshaus ist Anfang des Jahres abgerissen worden. Momentan entstehen der Keller unter einem der drei Wohnflügel sowie die Bodenplatten für die anderen Gebäude. In wenigen Wochen sollen die vorgefertigten Wandelemente geliefert und montiert werden. Am Ende sollen 28 barrierefreie Wohnungen auf rund 2100 Quadratmetern Fläche entstanden sein. Die Bewohner sollen Ende 2021 dort einziehen können.

Info

Trialog ist eine Wohngenossenschaft

Was Trialog Hilden, gemeinschaftliches Wohnprojekt der Ko-Operativ eG NRW, Bochum, www.kooperativ-eg-nrw.de (seit 2018).

Ziel Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen planen ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt in der Form einer Genossenschaft. Projektentwicklung seit 2012.

Kontakt Ilse Klöppelt, Tel 02103 330645, ilse.kloeppelt@trialog-hilden.de, Kirsten-Jenny Meuter, Tel. 02103 9606552, kirsten-jenny.meuter@trialog-hilden.de