Interview

Schulausschuss muss die Zukunft planen
Foto: SPD
Ralph-Erich Hildebrandt (59) ist neuer Vorsitzender des Schulausschusses. Er folgt auf seine SPD-Parteikollegin Gisela Hohlmann.

Das Gremium, das jetzt von Ralph-Erich Hildebrandt (SPD) geleitet wird, hat viele Hausaufgaben für die gerade angebrochene Ratsperiode. Corona diktiert einiges ins Heft der Schulpolitiker – aber längst nicht alles.

Von Andreas Buchbauer

NEUSS | Corona hat im Schulalltag 2020 alles verändert. Vor allem aber hat die Pandemie auch deutlich aufgezeigt, wo der Schuh drückt: bei der Digitalisierung, bei der Infrastruktur, mit Blick auf große Klassen und mancherorts kaum noch ausreichende Räume beim Platzangebot. Dirk Jansen, Vorsitzender des Stadtelternrats, hat all dies mal in einem Satz zusammengefasst: „Unterm Strich hat die Corona-Pandemie wie eine Lupe all jene Bereiche offengelegt, an denen unsere Schulpolitik schon seit langem krankt.“

Drei Akteure sind zentral bei der Gestaltung der Zukunft: das Schulministerium und dessen Vorgaben, die Schulen bei der Gestaltung ihrer Schwerpunkte und der Umsetzung vor Ort und die Stadt – zum Beispiel bei Fragen der Infrastruktur. Und da wird Ralph-Erich Hildebrandt (SPD) die Lupe genau drauf legen. Er hat die Nachfolge von seiner Parteikollegin Gisela Hohlmann als Vorsitzender des Schulausschusses angetreten.

Hildebrandt gilt als ausgewiesener Schulexperte. Der 59-Jährige, der in Allerheiligen lebt, ist Oberstudienrat für die Fächer Mathematik und Informatik am Konrad-Adenauer-Gymnasium Langenfeld. Zudem ist er Moderator für Mathematik und Digitale Medien im Kompetenzteam des Rhein-Kreises Neuss und behördlicher Datenschutzbeauftragter für die Schulen im Kreis. „Wir müssen weiter an der Digitalisierung der Schulen arbeiten. Insbesondere da wir davon ausgehen müssen, dass es wegen der Corona-Pandemie auch 2021 Probleme bei der Beschulung in Präsenzform geben wird“, sagt er. Grundsätzlich sieht er die Stadt auf einem guten Weg, was die Ausstattung der Schulen anbelangt. Aber ein guter Weg ist eben noch nicht das Ziel.

Bei den digitalen Endgeräten für Schüler – die Stadt hat mehr als 3200 bestellt – sieht Hildebrandt zudem schon jetzt Zukunftsfragen, die geklärt werden müssen. „Bei den geförderten Geräten hat das Land leider die Vorgabe gemacht, dass sie gekauft werden müssen und es keine Leasinggeräte sein dürfen“, sagt er. Aber Technik veraltet. „Das heißt, in 2023 müssen wir uns intensiv mit einer Nachfolgereglung für diese Geräte beschäftigen.“

Und geht es nach Hildebrandt, dann hat die Pandemie auch offengelegt, dass bei Schul-Neubauten und -Modernisierungen weitere Aspekte berücksichtigt werden müssen. „Schulbauten nach Passivhaus-Standard könnten eine Lösung der Zukunft sein“, meint Hildebrandt. Kerngedanke: ein kompletter Luftaustausch innerhalb von wenigen Stunden ohne ständiges Stoßlüften. Bei Hygienemöglichkeiten und der Belüftungsfrage müsse man in anderen Dimensionen denken als bisher. „Wir sollten vorbereitet sein, denn auch nach Corona könnte irgendwann die nächste Pandemie kommen.“

Manche Dinge scheinen dabei sogar eher „kleine Schritte“ zu sein. Hildebrandt plädiert zum Beispiel dafür, dass es in jedem Klassenraum ein Waschbecken geben sollte. „Das ist heute nicht mehr Standard“, sagt er. Unterm dem Strich müsse es im Schulausschuss stets um zukunftsfähige Systeme gehen. Für den Schulbau könnte bei der Verwaltung zum Beispiel eine eigene Stabsstelle eingerichtet werden.

Aber auch wenn Corona tatsächlich wie eine Lupe zum Teil über Jahrzehnte aufgeschobene Fragen ins Scheinwerferlicht gerückt hat, warten noch weitere Themen, die mit der Pandemie nichts zu tun haben. Nur drei Beispiele: der Ausbau der OGS-Plätze, die Rückkehr der Gymnasien von G8 zu G9 und damit verbundene räumliche Erfordernisse sowie eine zusätzliche weiterführende Schule, die Neuss angesichts steigender Einwohnerzahlen im nächsten Jahrzehnt benötigt. Da geht es um Standort und Schulform, wobei bei letzterem die SPD, wenig überraschend, eine klare Präferenz hat: Eine Gesamtschule soll es werden.

Info

Schulausschuss tagt am 9. Februar

Gremium Die nächste Sitzung des Schulausschusses ist für 9. Februar geplant. Ob und in welcher Form die Schulpolitiker zusammenkommen, hängt auch mit dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie zusammen.

Stellvertretende Vorsitzende Jessica Köster (CDU)