Vom Aussterben bedrohte Tiere

Auch die Tierwelt am Niederrhein bleibt vom Artensterben nicht verschont.

MOERS/NEUKIRCHEN-VLUYN |(jabe) In Zeiten zunehmenden Artensterbens wird auch die Tierwelt des Niederrheins nicht verschont. Lebten in den 1990ern noch Wachtelkönig, Sumpfohreule und Baumpieper in Moers und Neukirchen-Vluyn, so kämpft die Region heute zunehmend mit schwindender Biodiversität und einem frappierenden Artenrückgang. So steht es inzwischen schlecht um die Moerser Bestände der Nachtigall, des Baumfalken und des Kammmolches.

Der Naturschutzbund (Nabu) bu Moers-Neukirchen-Vluyn bemüht sich im Rahmen des Artenschutzes seit vielen Jahren um den Erhalt wichtiger Lebensräume, um die Stärkung von Wildtierbeständen und zum Teil sogar um Wiederansiedlungen, wie bei der Kreuzkröte im Enni-Solarpark. „In einigen von uns betreuten Habitaten gibt es zum Teil noch oder auch wieder sehr seltene Arten“, so Harald Fielenbach, Vorsitzender der Nabu-Gruppe Moers/Neukirchen-Vluyn. „Unsere Arbeit zeigt Erfolge. So sind im Naturschutzgebiet Schwafheimer Meer wieder Rohrdommel, Rohrweihe, Teichrohrsänger und Eisvogel zu beobachten“, freut sich Fielenbach. Moers und Neukirchen-Vluyn sind zudem bedeutende Schwerpunktgebiete beim deutschlandweit selten gewordenen Steinkauz, erklärt er. Erfolge, die hoffen lassen. Sich jedoch auf den Erfolgen auszuruhen sei trügereisch. „Die Uhr steht für unsere Landschaft sowie das ökologische Gefüge und die darin lebenden Tiere und Pflanzen auf fünf vor zwölf.“

Besonders sichtbar werde dies durch das Verschwinden ehemaliger Allerweltsarten. „Viele Arten wie der Feldhamster, die Kreuzotter oder der Kranich, früher überall anzutreffende Bewohner der hiesigen Feldflur, sind hier lokal bereits ausgestorben.“ Auch die Allerweltsvögel der achziger und neunziger Jahre wie der Haussperling oder die Mehl- und Rauchschwalbe sind zunehmend in ihren Beständen bedroht.

Es steht nicht gut um die heimische Natur, bestätigt auch Regina Müller von der Biologischen Station Kreis Wesel (BSKW). So seien auch kreisweit deutliche Rückgänge und Verluste beobachtet worden. „Der Ortolan brütete noch 2006 in der Nähe von Schermbeck, ist seitdem aber komplett verschwunden“, berichtet Müller. Auch die Beutelmeise, die zuletzt 2005 im Orsoyer Rheinbogen (Rheinberg) vorgekommen ist, scheint lokal bereits verschwunden zu sein. Andere Arten stehen kurz davor, im Kreisgebiet auszusterben, so auch der Weißblausänger oder die Uferschnepfe. „Die Turteltaube, die übrigens auch Vogel des Jahres 2020 ist, ist im Kreis Wesel leider ebenfalls sehr selten geworden“, heißt es von der BSKW.

Um sich dieser Entwicklung entgegenzustellen, haben die Naturschutzverbände Nabu, Bund und LNU im vergangenen Jahr die Volksinitiative Artenvielfalt angestoßen. Hiermit sollen die zentralen Ursachen für das Aussterben systematisch bekämpft werden. Für die Petition werden 66.000 Unterschriften benötigt.