Serie Urgesteine im Ratinger Sport (T eil 10): Jörg Felgenträger, TuS Breitscheid

Das erste Ziel war direkt der Ironman Hawaii
Foto: Achim Blazy
Jörg Felgenträger vom TuS Breitscheid hat mit dem Triathlon viel von der Welt gesehen.   

In unserer Serie widmen wir uns Sportlern, die das Gros ihrer Karriere bei einem einzigen Verein Ratingens verbracht haben. Heute: Jörg Felgenträger vom TuS Breitscheid.

Von Pierre-Claude Hohn

BREITSCHEID | In den 80er Jahren zählte Triathlon nicht gerade zu den Volkssportarten. Viele wussten damals mit diesem Begriff nichts Rechtes anzufangen, ab und an wurde Triathlon sogar belächelt. Doch mittlerweile weiß nahezu jedes Kind, dass Triathlon ein Dreikampf aus Laufen, Schwimmen und Radfahren ist. Zwar ist dieser Dreikampf nach wie vor keine Volkssportart, hat sich aber mittlerweile so stark weltweit entwickelt, dass auch in Deutschland das Fernsehen diesen Sport entdeckt hat. Man denke nur an den Ironman auf Hawaii.

Dass Triathlon auch im Kreis Mettmann salonfähig wurde, ist unter anderem Jörg Felgenträger zu verdanken. Der heute 59-jährige Zahntechniker gründete nämlich zusammen mit dem damaligen Vereinsvorsitzenden Fritz von Beesten und dem Pressesprecher Rob Zeller sowie weiteren Athleten beim TuS Breitscheid eine Triathlon-Abteilung. „Innerhalb von zwei Jahren ist diese auf 20 bis 30 aktive Mitglieder angewachsen. Ein toller Erfolg“, erinnert sich Felgenträger. Man kam ohne Bürokratie aus, auch einen Trainer hatte man nicht. „Wir haben uns selbst schlaugemacht, uns getroffen, unsere Kenntnisse ausgetauscht und dann trainiert. Gefallen hat uns auch, dass wir ein tolles Vereinsleben beim TuS Breitscheid hatten“, ist Felgenträger von seinem Klub angetan.

Schon als junger Mann kam Felgenträger zum TuS und zwar als Fußballer. Doch schnell erkannte er selbstkritisch, dass es mit seinen Kicker-Künsten nicht allzu weit her ist. Im Fernsehen entdeckte er dann den Triathlon als seinen Sport. „Ich war zwar nie in einem Schwimmverein, konnte aber schon immer ganz gut schwimmen. Laufen und Radfahren kann man ja auch. Das versuche ich einfach mal“, so Felgenträger. Als Ziel nahm er sich nichts Geringeres als die Teilnahme am Ironman Hawaii vor. Dafür sollte man schon gewaltig fit sein. Immerhin ist es die Weltmeisterschaft, und man muss auf der Insel 3,8 Kilometer im Meer schwimmen, anschließend einen Marathon-Lauf (42 km) und zum Abschluss auch noch 180 Kilometer mit dem Rad bewältigen. Bereits 1990 hatte Felgenträger in Roth seinen ersten Ironman absolviert (10:19 Stunden). Drei Jahre später gelang ihm an selber Stelle die Qualifikation für Hawaii in 9:16 Stunden. Jedoch misslang der Start auf Hawaii, denn Felgenträger zog sich beim Marathon eine Muskelverletzung zu und gab auf. Zwei Jahre später aber schaffte er es zu finishen.

Inzwischen kann der 59-Jährige auf 34 Jahre Triathlon zurückblicken. „Es hat immer großen Spaß gemacht. Die Gemeinschaft mit den Triathleten im TuS Breitscheid war super. Schade finde ich jedoch, dass der Triathlon inzwischen so vom Kommerz bestimmt wird, dass der Spaß in den Hintergrund gerückt ist“, sagt der Breitscheider.

In bester Erinnerung sind Felgenträger auch die vielen Reisen zu diversen Ironman-Veranstaltungen, etwa 25 an der Zahl, geblieben. „Wir haben viel von der Welt gesehen, waren mit unserer Gruppe vom TuS Breitscheid mitsamt der Familie bei Wettbewerben in Neuseeland, Kanada, Frankreich, Spanien. Wir haben in Zelten oder in Jugendherbergen übernachtet, manchmal auch in Hotels. Abends haben wir dann alle gemütlich beim Grillen zusammengesessen. Das war wichtig für uns alle, hat unsere soziale Kompetenz gestärkt.“

Aktiv ist Jörg Felgenträger auch heute noch. Wie immer trainiert er zehn bis 15 Stunden wöchentlich. „Dieses intensive Training ist auch nötig, verstärkt es doch die körperliche und geistige Fitness enorm“, sagt Felgenträger lachend. Nicht von ungefähr hat er seine Top-Figur von einst behalten. „Ich war nie dick, hatte immer Spaß am Sport. Ich brauchte mich auch ernährungstechnisch nie zu quälen. Ich esse heute noch unglaublich viel und nehme nicht zu. Das liegt aber auch an meinem ständigen Training. Da verbraucht man schon eine Menge Kalorien“, sagt der Breitscheider.

Sein Wissen und Können hat er auch als Triathlon-Trainer beim TuS weitergegeben. Unter seinen Schützlingen war auch seine Tochter Kim. (2008 bis 2015). Heute läuft sie mit ihrem Vater ab und an noch mit, aber Wettkämpfe bestreitet sie keine mehr. Diesbezüglich möchte Felgenträger weitermachen: „Sofern die Knochen noch halten, möchte ich noch drei- bis viermal in der Triathlon-Masterliga, also der Altersklasse Ü 45, mitmischen.“ Am Liga-Betrieb nimmt der TuS seit 1991 teil, ist dann mit der Mannschaft viermal in Folge aufgestiegen bis in die NRW-weit höchste Klasse, in die Bundesliga West. Eine Mannschaft besteht aus drei Mitgliedern. Von den alten Cracks von damals ist auch noch Rüdiger Welsch, ebenfalls ein Finisher von Hawaii, aktiv dabei.

Auch Hundewelpe Mika ist vom Triathlon-Fieber angesteckt, möchte am liebsten mitlaufen. „Dafür ist Mika aber noch zu jung. Sie ist ja erst fünf Monate alt“, sagt Jörg Felgenträger lächelnd.

Info

Das ist unsere Serie Ratinger Urgesteine

Hintergrund Seit Anfang November ist der Amateursport aufgrund der politischen Beschlüsse der Coronaschutz-Verordnung in einem Lockdown. Ohne aktuelle Sportereignisse gibt es Zeit für Porträts von langjährigen Pro­tagonisten im Ratinger Sport.

Bisher erschienen Ich werde den Verein nicht mehr wechseln“ mit Sebastian Reckzeh vom SV Hösel, „Von der Jugend bis in den Trainerstab“ mit Tim Bauer­feld vom TuS 08 Lintorf, „Zwei Handball-Leben am Europaring“ mit Max und Tristan Beckmann vom TV Ratingen, „Um die ganze Welt mit dem TuS im Herzen“ mit Jens Agnes vom TuS Breitscheid, „Von der C-Jugend bis in die Herren-Regionalliga“ mit Leo Loose von der SG Ratingen, „Ein Vereinsjuwel, auch von daheim aus“ mit Dirk Kiontke vom SV Hösel, „Vertragsverlängerung just vor Weihnachten“ mit Dennis Raschka von Ratingen 04/19, „Der ASV ließ ihn nicht mehr los“ mit Jörg Frohnhoff vom ASV Tiefenbroich und „Der Handball wurde mit 18 zur Leidenschaft“ mit Bea Egert vom TV Ratingen.