Ausbildung mit Hindernissen
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Alexander Görtz, Sebastian Gindler und Hendrik Kasparek (v.l.) haben ein wahrlich außergewöhnliches letztes Ausbildungsjahr hinter sich gebracht. Die Corona-Pandemie hat sie vor große Herausforderungen gestellt, die sie aber mit ein wenig Geduld und Erfindungsreichtum meistern konnten.

Hendrik Kasparek, Alexander Görtz und Sebastian Gindler stehen kurz vor dem Ende ihrer Ausbildungszeit. Wir haben sie gefragt, wie die Corona-Pandemie ihre Lehrzeit beeinflusst hat und wie es nach den Prüfungen nun weitergeht.

Von Marc Cattelaens

KREIS KLEVE | Die Prüfungen sind absolviert, bald werden sie, davon ist auszugehen, in den Gesellenstand erhoben: Hendrik Kasparek, Alexander Görtz und Sebastian Gindler haben eine Ausbildung hinter sich gebracht, die massiv unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stand. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten sie von ihren Erfahrungen.

Sebastian Gindler aus Goch hat beim Stahl- und Metallbaubetrieb Peters in seiner Heimatstadt den Beruf des Metallbauers, Fachrichtung Konstruktionstechnik erlernt. „Im Frühjahr war die Berufsschule komplett geschlossen, so dass ich ausschließlich im Unternehmen gearbeitet habe, fünf Tage pro Woche“, berichtet der 22-Jährige. Der Lehrer habe ihm zwar Aufgaben an die Hand gegeben, „aber es war doch ziemlich schwer, die ganze Theorie selbstständig abends zu Hause nachzuholen“, sagt Gindler. Besonders die Möglichkeit, Rücksprache mit seinem Lehrer zu halten, habe ihm gefehlt.

Andrea Verhülsdonk, zuständig für die Zwischen- Gesellen- und Abschlussprüfungen bei der Kreishandwerkerschaft Kleve, ergänzt, dass die Abschlussprüfungen eben nicht nur aus einer schriftlichen Prüfung, wie etwa beim Abitur bestehen. „Die praktische Prüfung von zu Hause aus vorzubereiten, wie es die Corona-Pandemie notwendig gemacht hat, ist schon extrem schwierig.“

Das weiß Alexander Görtz aus Goch nur zu gut. Der 25-Jährige hat bei Elektro Dicks in Goch eine Ausbildung zum Elektroniker, Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, absolviert. „Für die Prüfungsvorbereitung sollten wir auf einem Brett elektronische Bauteile anbringen. Das Material dafür mussten wir uns selbst besorgen. Das war fast unmöglich. Die Bauteile werden in China produziert, doch durch die Pandemie gab es große Lieferschwierigkeiten“, sagt Görtz. Seine praktische Prüfung wäre normalerweise im Berufskolleg gewesen, wo er sich auskennt. Stattdessen mussten die Prüfer ins Klever Kolpinghaus ausweichen. „Das war eine sehr ungewohnte Umgebung“, sagt der angehende Geselle.

Auch für Klaus von Agris, Vorsitzender der Prüfungskommission, war die Durchführung der Prüfungen unter Corona-Bedingungen nicht einfach. „Wir mussten die Prüfungszeit verlängern, weil wir nur kleine Gruppen bilden durften. Hinzu kommt, dass es im Corona-Jahr gar nicht so einfach war, Prüfer zu finden. Das sind alles Handwerker, die in ihren Betrieben arbeiten“, sagt von Agris.

Für Hendrik Kasparek waren die Ausfälle bei den überbetrieblichen Lehrgängen (ÜBL) das größte Problem. Der 25-jährige Uedemer hat bei der van Straelen GmbH vor Ort den Berufs des Anlagenmechanikers für Sanitär-Heizung-Klimatechnik erlernt. Für die Prüfung musste er das Schweißen beherrschen. „Das zu üben war in der Firma kaum möglich. Das hätten wir normalerweise in den ÜBL erlernt. So musste ich mir das quasi im Vorbeigehen aneignen“, sagt Kasparek. ÜBL-Leiter Ralf van der Cruyse ist sich durchaus bewusst, wie schwer das für viele Auszubildende war. „Wir haben geholfen, wo wir konnten, haben Unterricht auch schon mal auf den Samstag gelegt, um alles noch irgendwie hinzubekommen.“

Prüfungen unter Corona-Bedingungen – das war auch organisatorisch eine große Herausforderung. „Niemand hat uns gesagt, wie die Prüfungen genau laufen sollten. Als es erste Infos gab, war der erste Tag der Prüfungen bereits vorbei“, sagt Verhülsdonk.

Alle drei Auszubildenden sind froh, dass sie ihre Lehrzeit zu Ende bringen konnten – und dass ihnen auch keine Nachteile durch das „Corona-Jahr“ entstehen werden. Sebastian Gindler will zunächst in seinem Betrieb als Geselle arbeiten, dann ab März die Meisterschule in Angriff nehmen. „Ich hoffe, dass diese auch stattfindet und nichts verschoben werden muss“, sagt er. Hendrik Kasparek wollte eigentlich einen Auslandsaufenthalt in Australien einlegen, um dort zu arbeiten. „Ich hatte bereits ein Visum, aber das verschiebt sich nun alles durch Corona“, sagt er. Alexander Görtz wird von seiner Firma übernommen, zusätzlich will ein an der Abendschule ein Techniker-Studium beginnen. „Das wird wohl ausschließlich online laufen“, sagt er.

Kreishandwerksmeister Ralf Matenaer ist froh, dass das Gros der Handwerksbetriebe bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist. „Stark betroffen sind etwa die Messebauer, die Veranstaltungstechniker und jetzt auch die Frisöre. Aber in den klassischen Bauberufen wird weiterhin händeringend nach Fachkräften gesucht. Die Zahl der Übernahmen ist sehr hoch“, sagt er. Sein Fazit der Corona-Krise bislang lautet: „Das Handwerk steht zusammen. Wir schaffen das.“