Eltern kritisieren Zeugnisausgabe
   Foto: Schule
Am Montag und Dienstag haben Lehrkräfte und Sekretärinnen an der Johannes-Kepler-Schule die Zeugnisse versandbereit vorbereitet und in Umschläge gepackt. Rund 400 Schüler bekommen ihre Noten nun per Post.

An den Viersener Gymnasien müssen die Papiere mitten in der Pandemie persönlich abgeholt werden. Es geht auch anders.

von Nadine Fischer

VIERSEN | Landesweit kritisieren Eltern aktuell, dass ihre Kinder am Freitag ihre Halbjahreszeugnisse in den Schulen abholen sollen – auch in Viersen gibt es Diskussionen. Ein Vater (Name der Redaktion bekannt) eines Gymnasiasten ärgert sich etwa: „Inmitten einer Pandemie, in der die Schulen geschlossen wurden, werden nun 850 Schüler aufgefordert, sich ihr Zeugnis persönlich in der Schule abzuholen…. Sollen also mit Bus und Bahn fahren und sich dem Risiko einer Infektion aussetzen. Unglaublich!“

An den drei Gymnasien haben die Schulleitungen ebenso wie an der Anne-Frank-Gesamtschule entschieden, dass die Zeugnisvergabe am Freitag auf dem Schulgelände abläuft. Es geht aber auch anders: Die Schulleitung der Johannes-Kepler-Schule in Viersen-Süchteln zum Beispiel hat die Eltern entscheiden lassen, auf welchem Wege ihre Kinder die Zeugnisse bekommen sollen. Drei Alternativen standen zur Auswahl, für alle drei fanden sich Befürworter. Zwei Drittel der Zeugnisse werden nun per Post verschickt.

Das Schulministerium hatte es den Schulen überlassen, ob die Halbjahreszeugnisse digital oder per Post versendet oder doch auf dem Schulgelände ausgegeben werden sollen. Der Elternverband NRW zeigte sich besorgt, wandte sich an die Verantwortlichen in den Schulen: „Ersparen Sie den Schülern und Familien dieses unnötige Risiko und verschicken Sie die Zeugnisse per Post oder gesicherte E-Mail!“

Knapp 1000 Zeugnisse per Post zu verschicken, „das wäre ein riesiger Kostenfaktor“, sagt Ursula Deggerich, Leiterin des Bischöflichen Albertus-Magnus-Gymnasiums in Dülken. Die Zeugnisse digital zu versenden, sei auch relativ schnell ausgeschlossen worden, denn: Bei der Zeugnisausgabe am Freitag sollen die Schüler auch noch Klausuren und Klassenarbeiten zurückbekommen, die sie vor dem Lockdown geschrieben haben, außerdem neue Lehrbücher erhalten. Bis mittags soll sich die Ausgabe ziehen, für die einzelnen Klassen gibt es Zeitfenster und verschiedene Ausgabeorte. Das soll dafür sorgen, dass sich nicht zu viele Schüler gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten und gut Abstand halten können.

Auch an den anderen Viersener Gymnasien sind feste Zeiten vorgegeben, zu denen die Schüler kommen sollen, sie müssen Masken tragen, Abstände einhalten, sich an Hygienevorschriften halten. „Das wird fast eine To-go-Zeugnisausgabe“, sagt Christian Mengen, Leiter des Clara-Schumann-Gymnasiums in Dülken. Warum er keinen Zeugnisversand per Post oder digital anbietet? „Das ist ein logistisches Problem“, erläutert er – denn dafür müssten erst die Eltern der Schüler um ihr Einverständnis gebeten, die Zeugnisse für den Postversand oder den digitalen Versand vorbereitet werden. Zeugnisse müssten also entweder eingescannt oder als PDF verschickt werden – dann sind sie allerdings nicht unterschrieben und haben kein Siegel.

Christoph Hopp, Leiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums in Viersen, betont: „Wir haben uns das gut und lange im Vorfeld überlegt.“ Die anderen Vorgehensweisen seien für das Team der Schule derzeit einfach nicht zu leisten, es fehlten dafür personelle und technische Kapazitäten. Knapp 900 Schüler bekommen am 29. Januar auf dem Schulgelände ihre Zeugnisse. „Ich hätte mir gewünscht, dass man das alles so wie im Sommer über zwei bis drei Tage strecken kann – aber gut, der Erlass ist jetzt eben so“, sagt Hopp und ergänzt: „Ich denke, wir haben einen guten Weg gefunden.“

Martin Landman, Leiter der Anne-Frank-Gesamtschule, wollte die 1300 Zeugnisse seiner Schüler ebenfalls nicht per Post verschicken. „Da könnten ja auch welche verloren gehen“, sagt er. Und: Würden alle Schulen den Postversand wählen, wäre das ja auch für die Post und gegebenenfalls den Schulträger mehr Aufwand.

Aufwendig sei es tatsächlich gewesen, den Postversand vorzubereiten, berichtet Thomas Küpper: „Das war schon sportlich“, sagt der Leiter der Johannes-Kepler-Schule. Lehrkräfte und Sekretärinnen steckten die frisch ausgedruckten, ausgefüllten und unterschriebenen Zeugnisse in die Umschläge, der Hausmeister brachte sie am Donnerstagmorgen zur Weiterverarbeitung zur Botenmeisterei der Stadt. Stadtsprecher Frank Schliffke berichtet: „Im Bereich der Trägerschaft der Stadt Viersen haben vier Schulen von der Möglichkeit, Zeugnisse mit der Post zu versenden, Gebrauch gemacht.“ Dazu würden die von den Schulen kuvertierten und bereits mit Anschriften versehenen Zeugnisse von Mitarbeitern der Botenmeisterei freigestempelt, also frankiert, und dann bei der Post aufgegeben. „Die Portokosten belaufen sich auf 1,55 Euro pro Exemplar. Verschickt

wurden und werden rund 1000 Zeugnisse.“

Von insgesamt 615 Zeugnissen der Johannes-Kepler-Schule werden nun, wie von den Eltern der Schüler gewünscht, rund 400 per Post zugestellt. Rund 100 Schüler bekommen eine digitale Notenübersicht zugeschickt, ihre Zeugnisse bleiben vorerst in der Schule. Die übrigen Schüler holen ihre Zeugnisse am Freitag dort selbst ab. „Das Versenden kostet den Schulträger natürlich Geld, aber aus Gründen des Infektionsschutzes ist es die sicherste Methode“, sagt Schulleiter Küpper. Nun hofft er, dass auf dem Postweg keine Zeugnisse verloren gehen. Denn so ganz unbesorgt ist auch er nicht.

INFO

Wenn Eltern die Noten nicht gerecht finden

Kreis Fragen zu Zeugnissen beantworten die Schulräte des Kreises Viersen für Grund-, Haupt- und Förderschulen. Das Zeugnistelefon ist am 29. Januar (02162 3914621), 1. (02162 391466) und 2. Februar (02162 391461) von 9 bis 12 und 13 bis 15.30 Uhr erreichbar.

Bezirk Bei Fragen zu Zeugnissen von Gesamt- und Realschulen, Gymnasien, Berufskollegs ist die Bezirksregierung an den drei Tagen erreichbar; 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, Ruf 0211 4754002.