SerieUrgesteine im Ratinger Sport (Teil 15): Christa Jansen, TuS Breitscheid

Powerfrau absolvierte mehr als 30 Marathons
Foto: Achim Blazy
1981 trat Christa Jansen dem Lauftreff des TuS Breitscheid bei, lernte dort ihren Ehemann Burkhard und mit ihm und dem Sport die Welt kennen.   

In unserer Serie widmen wir uns Sportlern, die das Gros ihrer Karriere bei einem einzigen Verein Ratingens verbracht haben. Heute: Christa Jansen vom TuS Breitscheid.

Von Pierre-Claude Hohn

BREITSCHEID | Es ist nie zu spät und selten zu früh. Das ist in Sportlerkreisen eine Binsenweisheit. Diese Erfahrung machte auch Christa Jansen. Die zierliche Berlinerin verschlug es 1973 nach Ratingen. Sie fing als Ultimo-Aushilfe bei der Amts- und Stadtsparkasse Ratingen an. Es dauerte nicht lange, bis sie als Teilzeitkraft übernommen wurde und später als Vollzeitkraft. Von 1974 bis 1979 wurde sie Mutter von drei Söhnen. Die Umstellung von der hektischen Großstadt Berlin ins beschauliche Ratingen ist ihr nie schwer gefallen. Ganz im Gegenteil: sie fand im relativ ländlichen Stadtteil Breitscheid ein neues Zuhause, wo sie mit ihrem zweiten Ehemann Burkhard Jansen auch heute noch lebt. Hier fühlt sich die Powerfrau überaus wohl. „Hier habe ich alles, was ich brauche. Kindergarten und Schule sind und waren fußläufig erreichbar. Und bis zur Innenstadt ist es mit dem Auto auch nicht weit“, betont Christa Jansen.

Und da sie schon immer eine sport­affine Frau war, war der Weg zum TuS Breitscheid nicht weit. Dort schloss sie sich 1981 dem Lauftreff an. Der damalige Vorsitzende Fritz von Beesten merkte schnell, welch ein Talent da dem TuS zugeflogen war. Und er kümmerte sich um es. „Wenn ich mal fehlte, stand er bei mir vor der Haustür und wollte wissen, wo ich denn gestern gewesen sei“, erinnert sich Christa Jansen.

So kam es, wie es kommen musste, sie meldete sich als festes Mitglied beim TuS Breitscheid (Leichtathletik­abteilung) an. Hier lernte sie auch ihren heutigen Ehemann Burkhard kennen, ebenfalls ein Leichtathlet mit Herz und Seele, und schon bald liefen die beiden gemeinsam lange Strecken. Luft- oder Muskelprobleme waren für die Marathonläuferin nie ein Problem. „Ich musste mich nie quälen. Das Laufen lag mir einfach im Blut und machte mir großen Spaß“, sagt sie lächelnd.

Als 72-Jährige blickt Christa Jansen auf mehr als 30 Marathonläufe zurück. 1989 war sie beim Berlin-Marathon als Fan dabei. Schon ein Jahr später, nach dem Mauerfall, nahm sie aktiv daran teil. Besonders stolz ist sie auf die Teilnehmermedaille des Boston-Marathon von 1996. Ein Erinnerungsstück, das Christa Jansen wie ein edles Schmuckstück aufbewahrt. Damals wollten 180.000 Läufer und Läuferinnen mitmachen, doch nur 30.000 wurden eingeladen. Christa und Burkhard Jansen erfüllten die Voraussetzungen, um dabei zu sein.

Durch den Laufsport hat das Ehepaar nahezu die ganze Welt kennengelernt. Paris, London, Wien, Rom, Amsterdam und Riga sowie Marathons in sämtlichen deutschen Bundesländern sind nur einige Stationen. Und dann schlägt Christa Jansen den Bogen zurück nach Breitscheid. Denn hier steht das Ehepaar Jansen beim TuS seit vielen Jahren in der Paar-Marathon-Bestenliste mit einer Gesamtzeit von 6:19 Stunden auf Platz eins. Da staunt Christa Jansen immer wieder: „Es ist doch ein Ding, das von den jüngeren Läufern nichts nachkommt.“

Auch beim Düsseldorfer Marathon, den der TuS Breitscheid unterstützt, hilft Christa Jansen als Zugläuferin. Dann steht auf ihrem Rücken „4:30 Stunden“. Und jeder Teilnehmer, der diese Zeit zu schaffen glaubt, stellt sich bei ihr an. „Dreimal habe ich das gemacht. Und es hat immer prima geklappt“, freut sich Christa Jansen. Ihre beste Zeit hatte sie vor mehr als 20 Jahren. Da wurde wöchentlich hart trainiert (bis zu 100 Kilometer). Da lief sie auch ihre Marathon-Bestzeit (3:23 Std.).

Heute läuft Christa Jansen keine Marathons mehr. Aber dreimal in der Woche trifft sie sich mit ihrer Freundin, um eine Stunde durch die Wälder zu laufen. „Man muss ja schließlich in Bewegung bleiben“, sagt sie. Und vielleicht auch, um die Figur zu halten? „Ich war nie dick, musste mich auch beim Essen nie einschränken. Aber vielleicht hilft die ständige Bewegung ja auch ein wenig, um schlank zu bleiben“, meint die Powerfrau.

Als Rentner-Ehepaar haben die Jansens neue Hobbys entdeckt. Dazu zählt das intensive Wandern. Unter anderem haben die beiden den Jakobsweg (2500 Kilometer) in drei Etappen von Breitscheid bis Santiago de Compostela absolviert. Ferner steht im Mittelpunkt ein Wohnmobil, mit dem sie schon so manche Traumorte erkundet haben. Wenn es denn wieder möglich ist, soll schon bald eine geführte Reise von Rom nach Sizilien damit in Angriff genommen werden. Frankreich und Österreich zählen zu ihren Lieblingszielen. Angst, im Wohnmobil zu übernachten, haben beide nicht. Christa Jansen sagt: „Ich hatte nie Angst. Mein Mann anfangs schon. Da hat er kaum schlafen können, jedes fremdes Geräusch hat ihn gestört. Aber man gewöhnt sich daran.“ Burkhard Jansen: „Mittlerweile schlafe ich im Wohnwagen besser als zu Hause.“

Info

Das ist unsere Serie Ratinger Urgesteine

Hintergrund Seit Anfang November ist der Amateursport aufgrund der politischen Beschlüsse der Coronaschutz-Verordnung in einem Lockdown. Ohne aktuelle Sportereignisse gibt es Zeit für Porträts von langjährigen Pro­tagonisten im Ratinger Sport.

Bisher erschienen Ich werde den Verein nicht mehr wechseln“ mit Sebastian Reckzeh vom SV Hösel, „Von der Jugend bis in den Trainerstab“ mit Tim Bauer­feld vom TuS 08 Lintorf, „Zwei Handball-Leben am Europaring“ mit Max und Tristan Beckmann vom TV Ratingen, „Um die ganze Welt mit dem TuS im Herzen“ mit Jens Agnes vom TuS Breitscheid, „Von der C-Jugend bis in die Herren-Regionalliga“ mit Leo Loose von der SG Ratingen, „Ein Vereinsjuwel, auch von daheim aus“ mit Dirk Kiontke vom SV Hösel, „Vertragsverlängerung just vor Weihnachten“ mit Dennis Raschka von Ratingen 04/19, „Der ASV ließ ihn nicht mehr los“ mit Jörg Frohnhoff vom ASV Tiefenbroich, „Der Handball wurde mit 18 zur Leidenschaft“ mit Bea Egert vom TV Ratingen, „Das erste Ziel war direkt der Ironman Hawaii“ mit Jörg Felgenträger vom TuS Breitscheid, „Der pfeilschnelle Außen züchtet auch Bienen“ mit Nils Thanscheidt vom TV Angermund, „Ich bin reich beschenkt worden“ mit Ingrid Bauer vom ASC Ratingen-West, „In Mentzens Party-Keller funkte es“ mit Sigrid und Norbert Heinemann vom TuS 08 Lintorf und „Der Inbegriff des Kämpfertyps und Motivators“ mit Salim Bakhsh von der SG Ratingen II.