Themenwoche Tiere in der Stadt

Krimi-Spaß für Mensch und Hund
   Foto: Uli Rentzsch
Ein Leckerchen hilft: Ilka Sommer (hier mit Kimba, Lucie und Sam) lädt Hunde und deren Halter ein, einen spannenden Kriminalfall zu lösen.

Ilka Sommer lässt Hund und Mensch einen Kriminalfall lösen. Der Hund schnuppert, der Mensch rätselt — und beide bilden eine Einheit.

Von Uli Rentzsch

VINKRATH | Ilka Sommer ist Buchautorin. Und sie ist Hundeliebhaberin durch und durch. Nach einer langen Berufskarriere bei einer Bank entschied sie sich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und eröffnete eine Hundepension. Dabei ließ sie sich etwas Besonderes einfallen. Mit bis zu acht Hunden und jeweils zwei Haltern zieht sie los, um einen Kriminalfall zu lösen. Der Mensch löst dabei knifflige Rätsel, die Hunde erschnüffeln, wo diese Rätsel versteckt sind. Bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass die Puppe Baby Annabell rechtzeitig gefunden wird.

„Es ist eine Art Schnitzeljagd, eine Art Geo-Caching“, sagt Ilka Sommer, „es ist eine Krimi-Tour.“ Startpunkt ist das Grefrather Eissportzentrum, und schon schlüpfen alle in die Rolle des Kommissars mit Hund. Rund um die Dorenburg, entlang der Niers, die Langendonker Mühle im Blick: „Es ist ein wunderschönes Stück Landschaft mit herrlichen Wanderwegen“, sagt sie, „die Hunde bleiben natürlich an der Leine.“ Vorher hat Ilka Sommer eine Duftspur gelegt, an acht Stationen gibt es reichlich Schupperstoff. In kleinen Tüten sind die manchmal kryptischen Rätsel versteckt. Der Hund stöbert die Tüten auf, der Mensch reibt sich das Kinn und findet im besten Fall Hinweise auf den Verbleib von Puppe Baby Annabell. Die kleinen Tüten sind präpariert, damit sie auch erschnuppert werden können. „Aufgelöstes Hundefutter, ausgekochter Fischkopf – es darf nicht zu stark riechen, damit nicht alle Hunde gleichzeitig die Tüte entdecken“, erklärt Ilka Sommer. Wüsste man nicht, was Corona wäre, böte sie die Tour viermal im Jahr an. Damit die Hunde sich gut verstehen, sind genau aus diesem Grund kleine Spielchen für Hund und Mensch in die Tour eingebaut.

Mensch und Tier im großen Raum zwischen Himmel und Erde, zwischen Haus und Wiese, Stadt und Land. Einerseits können die Hundebesitzer gut einschätzen, ob eine solche Tour gut zu bewältigen ist, andererseits ist es auch ein großer Spaß für Mensch und Tier, diese Erfahrung zu erleben. Der Hundehalter ist in der Pflicht, Verantwortung für seinen Hund zu übernehmen. Schon ein kleiner Reiz reicht für den Hund aus, und die Neugier gewinnt die Oberhand. „Es ist eine Übung des gegenseitigen Respekts, den Hund anzuleinen und dann beiseite zutreten, wenn eine Situation erkannt wird, deren Ausgang man nicht einschätzen kann“, sagt Ilka Sommer. Der Umkehrschluss: Sei man nicht sicher, ob der Hund mit Kommandos kontrollierbar ist, muss er an die Leine. So sei zu verhindern, dass der Hund den schnellen Radrennfahrer als Grund für eine interessante Jagd einplant.

„Je mehr Hunde um mich herum sind, desto glücklicher bin ich,“ erläutert Ilka Sommer ihre Entscheidung, eine Hundepension zu eröffnen. Parallel hat sich ihr Faible entwickelt, ihre Erlebnisse zu notieren und als Buch zu veröffentlichen. Wer nur einmal mit mehreren Hunden an der Leine unterwegs war, die Leinen sich plötzlich aus unerklärlichen Gründen zu einer Art Leinensalat verhedderten und man sich wie an einem Marterpfahl eingeschnürt fühlte, der kann diese Leidenschaft verstehen, sein Leben mit dem des Hundes zu verbinden.

Als Ilka Sommer 30 Jahre alt war, trat der Golden Retriever Maverik in ihr Leben. „Er war der tollste, sturste und schönste Goldie, den wir uns vorstellen konnten“, erzählt sie. Er habe ruckzuck alles auf den Kopf gestellt. Zehn Jahre später kam Labrador Kimba hinzu – eine weitere Bereicherung für das Haus. „Der Umgang mit Hunden erfüllt mein Herz mit Frieden“, sagt Ilka Sommer, was sie schließlich auf die Idee brachte, „Frauchen auf Zeit“ zu werden und die Hundepension zu gründen.

Bei einem Seminar mit Verena Helfrich lernte sie, Krimi-Touren mit Hund zu organisieren. Ilka Sommer entwickelte schließlich ihren eigenen Kriminalfall und ist seit dem – zusammen mit Kimba – dem Krimi-Tour-Fieber verfallen. Spezielle Ausbildungen und Fortbildungen helfen ihr dabei sehr. In ihrer Vita reihen sich neben dem Sachkundenachweis für Hundehalter neben vielem anderen auch das Leistungsabzeichen in Bronze und Silber, Seminare zur Tierkommunikation und der Kurs zur Hundemassage. Nach dem Buch zur Pension „Dogilli – eine tierische Geschäftsidee“ (2017) erschienen wenig später die Bände „ Der Weg zu mir – Wolfsbruder“ (2018) und der „Der Weg zu mir – Wolfsverlust“ (2019). Aktuell schreibt sie am dritten Teil „Der Weg zu mir – Wolfsliebe“. „Der Weg der Selbsterkenntnis endet nie“, sagt Ilka Sommer. In diesem Buch möchte sie ihre Leserinnen und Leser in die Welt des Reiki entführen, „eine wirklich berührende Erfahrung“, wie sie sagt.

Im diesem Jahr sind wieder vier Krimi-Touren geplant. Ob sie stattfinden können, hängt von der aktuellen Verordnungslage ab.

Info

Hund und Mensch finden die Puppe Annabell

Tour Bei der Krimi-Tour müssen beispielsweise QR-Codes aufgelöst oder Spiegelschriften entziffert werden. Die sechs Kilometer lange Tour dauert etwa drei Stunden. Informationen unter www.dogilli.de.