Jüngere Schüler dürfen wieder zur Schule
Foto: RALPH MATZERATH
Die unteren Klassen durften gestern wieder an die Kopernikus Realschule zurückkehren. Eine Hälfte der geteilten Klasse nimmt online teil.    

Gestern startete der Wechselunterricht für die Jahrgänge der Sekundarstufe 1. Ab Dienstag sollen die Selbsttests für Schüler ausgeliefert werden. Die Anweisungen dazu kamen erst am Montagmittag in den Schulen an.

Von D. Schmidt-Elmendorff

LANGENFELD/MONHEIM | Schule ist nicht nur Lernort, sondern auch ein sozialer Treffpunkt, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. So waren die Lehrer an der Kopernikus-Realschule heute erstmals wieder mit allen bizarren Ausprägungen der Pubertät konfrontiert. „Die jüngeren Schüler hielten sich sofort an die Regeln, manche ältere testeten erstmal aus, was geht“, berichtet Schulleiter Frank Theis lakonisch. Einige hätten sich erstmal mehr für neue Frisuren und aktuelle Entwicklungen an der Akne-Front interessiert als für den korrekten Sitz der Maske. In der Online-Umfrage der Schule stand die Perspektive, die Mitschüler wieder live und in Farbe sehen zu können, ganz oben auf der Liste der Dinge, die man schmerzlich vermisst hatte.

Als „ein wichtiges Signal auf dem Weg zu mehr schulischer Normalität“ durften gestern die Schüler aller Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I sowie der Einführungsphase in einen „eingeschränkten Präsenzunterricht“ zurückkehren. Die Kopernikus-Schule hat sich für einen tageweisen Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht entschieden. „Dem Live-Unterricht nur gestreamt beizuwohnen, ist sehr anstrengend“, so Theis. Auch die Wortbeiträge der zugeschalteten Schüler seien schwer zu verstehen. Theis findet die Grundidee dieser Öffnung kurz vor den Osterferien, den sozialen Bedürfnissen entgegen zu kommen, „super“. „Und wir versuchen alles, dennoch das Infektionsrisiko einzudämmen.“

Die Klassen seien formell nach dem Alphabet getrennt, die Klassenlehrer passten die Gruppen dann im Detail an gemeinsame Schul- oder Transportwege an. Viele der Lehrkräfte sähen den Zeitpunkt der Öffnung angesichts steigender Infektionszahlen kritisch. „Einige meiden das ihnen jetzt überfüllt erscheinende Lehrerzimmer“, so Theis. Zumal das Kollegium noch nicht geimpft ist. Mit Kritik an der bisherigen Impfkampagne hält er sich zurück. „Dass nicht alles perfekt zu Ende gedacht ist, ist in dieser für alle neuen Situation menschlich“, sagt er.

Er könne nur das Stimmungsbild in seinem Geschichtskursus wiedergeben, sagt Raoul Schlösser, Leiter der Prismaschule: „Die einen Schüler waren glücklich, die anderen besorgt und zweifelten die Sinnhaftigkeit der Öffnung kurz vor den Ferien an.“ Auch im Kollegium gingen die Meinungen auseinander: „Die einen freuen sich über ein bisschen Normalität, die anderen sorgen sich um ihre gefährdeten Familienmitglieder.“

Persönlich ärgere ihn, dass die fünf Sonderpädagogen, die immerhin 70 Förderschüler im Rahmen des Gemeinsamen Lernens unterrichteten, noch nicht geimpft seien. Als unglücklich empfindet er, dass die Lehrer der weiterführenden Schulen noch nicht für eine Impfung vorgesehen sind, aber demnächst die Selbsttests der dann unmaskierten Schüler überwachen sollen. Just am Montagmittag sei die Mail des Schulministeriums mit den Vorgaben eingetrudelt, wann und wie die Tests zu erfolgen haben. Daraus sei auch hervorgangen, dass diese vom 16. bis 23. März eintreffen sollen. „Wir setzen uns da jetzt dran.“

Auch an seiner Schule gebe es einige Lehrer, die lieber bis Ostern am Distanzunterricht festgehalten hätten, sagt Ralf Sänger, Leiter der Monheimer Peter-Ustinov-Gesamtschule. Die Schule hat sich für einen wöchentlichen Wechsel der Lerngruppen entschieden. Eine Arbeitsgruppe werde sich jetzt mit den Vorgaben für die Selbsttests befassen. Insbesondere müsse geklärt werden, wie man damit umgeht, wenn Eltern diese freiwilligen Tests verweigerten. Da die Schule seit dem 22. Februar vereinzelte Infektionsfälle unter den Schülern hatte, rechne er auch im weiteren mit positiven Testergebnissen.

Thomas Jagieniak von der Langenfelder Stadtschulpflegschaft sieht den Hybridunterricht kritisch: „Diese Live-Übertragungen funktionieren nur mit sehr guten Mikrofonen. Eigentlich müsste dabei jemand die Beiträge aus dem Off moderieren.“ Er fände im Sinne der Qualitätssicherheit wichtig, dass jede Schulen verbindliche Leitlinien für Distanzunterricht erlässt. Er erwartet daher mit Spannung die Ergebnisse der Umfrage zu dem Thema, an der sich 1500 Eltern beteiligt haben.

Info

Gruppen dürfen sich nicht durchmischen

Bei der Einführung des so genannten Wechselmodells sind die Klassen in zwei Gruppen zu teilen, so dass es in den verbleibenden beiden Wochen bis zu den Osterferien zu einem Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht kommt.

Die Schüler aller Jahrgangsstufen sollen in annähernd gleichem Umfang am Präsenzunterricht teilnehmen.

Kein Schüler soll länger als eine Woche ohne Präsenzunterricht sein.

Eine Durchmischung der Lerngruppen im Wahlpflichtbereich sowie in der zweiten Fremdsprache soll vermieden werden.