Ostergottesdienst für Youtube-Gemeinde
RP-Foto: Prümen
Pfarrer Christian Olding (2.v.l.), umgeben von Pontius Pilatus (Pascal Schürken), dem leidenden Jesus (Frederic Surace), Maria (Janine Ingenpass) und Veronika (Eva Weckes, v.l.).

Das Leiden Christi im 21. Jahrhundert: Die Gelderner St.-Maria-Magdalena-Gemeinde produziert eine digitale Messe für die Osterfeiertage. Frederic Surace zeigt in der Rolle des Jesus, dass er auch ein passabler Breakdancer ist.

Von Paula Küppers

GELDERN | Der Raum ist mit Nebel gefüllt. Blaues Scheinwerferlicht strahlt auf eine Tänzerin mit langen, blonden Haaren. Auf Spitzenschuhen überreicht sie dem Mann, der vor ihr kniet, ein Tuch. Vier Kameras sind auf die beiden gerichtet. Das Ganze erinnert an eine Theateraufführung oder ein Filmset – dabei spielt sich die Szene in der Sankt-Martin-Kirche in Veert ab. Das Team um die beiden Pfarrer Christian Olding und Heiner Dresen von der Gelderner St.-Maria-Magdalena-Gemeinde steckt gerade mitten in den Dreharbeiten einer Tanzszene, in der Veronika Jesus das Schweißtuch reicht. Diese ist Teil des nächsten digitalen Gottesdienstes. Thema: Das Leiden Christi vor Ostern.

Geplant ist ein 45-minütiger Film, der nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Mitmachen gedacht ist. „Wir verbinden verschiedene Gottesdienst-Elemente wie Gebete, Lesung und Predigt mit der tänzerischen Darstellung von vier Kreuzwegstationen. Dazu gibt es begleitende Texte und populäre Musik“, erklärt Pfarrer Dresen. Die virtuellen Besucher können den Gottesdienst aktiv mitgestalten. Wer dem Team eine Fürbitte zukommen lässt oder bei Youtube kommentiert, wird bei den Segensbitten berücksichtigt. Außerdem werden die Teilnehmer aufgefordert, gemeinsam eine Kerze anzuzünden – ein verbindendes Element, obwohl man räumlich getrennt ist.

Das digitale Erlebnis bietet auch unkonventionelle Elemente. Für die Tanzszenen arbeitet Olding mit Janine Ingenpass von der Tanzschule „8Counts“ in Geldern zusammen. „Christian hat uns über Facebook kontaktiert. Wir waren uns direkt total sympathisch. Das ist mal was anderes, da sind wir dabei, habe ich sofort gedacht“, erzählt die Tanzschulleiterin. Zusammen überlegten sie sich eine zu den Bibelstellen passende, moderne Choreographie. Von Contemporary über Ballett bis zum Breakdance ist alles dabei. Vor allem freut sich Ingenpass darüber, dass die Wahl für den Jesus-Darsteller auf ihren italienischen Freund Frederic Surace fiel: „Jedes Mal, wenn wir über den Weihnachtsmarkt gehen, regen wir uns ein bisschen auf, dass in der Krippe immer ein hellhäutiges Jesuskind liegt. Historisch stimmt das ja eigentlich gar nicht.“ Deshalb findet sie es super, dass mit dem Italiener Surace Jesus endlich mal anders dargestellt wird – und zwar inklusive Tattoos, Glatze und Breakdance-Moves.

Zusätzlich zu den Tanzszenen gibt es natürlich auch was auf die Ohren: Drei professionelle Musiker aus Moers sorgen für passende Untermalung mit Stücken aus „Jesus Christ Superstar“, am Ende taucht sogar ein digitaler Chor auf.

In der Planung ist der Gottesdienst schon seit mehreren Monaten. An Weihnachten gab es in der Gemeinde ein ähnliches Projekt, das laut Olding „überraschend“ auf Begeisterung stieß. Gut 7000 Menschen feierten den Gottesdienst im Dezember digital mit. Gleich zum Jahresanfang habe man daher besonders motiviert mit der Arbeit für das Osterfest begonnen. Diesmal ist das Thema allerdings noch etwas herausfordernder: „Wir wollen deutlich machen: Was vor 2000 Jahren passiert ist, ist heute immer noch bittere Realität. Überall auf der Welt werden Menschen ausgestoßen und verfolgt“, so Olding.

Bei der Kopplung des Osterthemas an die Gegenwart helfen unter anderem mehrere moderne Texte, zum Beispiel über den Vietnamkrieg. Das Thema der modernen Glaubensvermittlung beschäftigt Olding nicht erst in Corona-Zeiten. „Vor gut zehn Jahren habe ich mir die Frage gestellt, wie sich Glauben den Menschen auf ästhetisch ansprechende Art und Weise nahebringen lässt. Damals habe ich die ersten Projekte gestartet“, sagt Olding.

Auch vor der Pandemie habe er schon ungewöhnliche Elemente wie Filmszenen in Gottesdienste eingebaut. Über die Jahre seien das Equipment und auch das Helfer-Team stetig gewachsen. An der aktuellen Produktion sind mehr als 20 Menschen beteiligt. Olding nutzt die sozialen Netzwerke Instagram und Facebook, um auf die jeweiligen Projekte aufmerksam zu machen. Das zahlt sich aus: Bei seinen Gottesdienst-Streams schalten regelmäßig rund 400 Menschen ein. „Und das, obwohl wir ja jetzt keine Weltstadt mit riesigem Einzugsgebiet sind“, freut er sich.

Ein weiterer positiver Effekt: Die Nutzung der digitalen Plattformen spricht nicht nur jüngeres Publikum an, sondern motiviert auch ältere Kirchgänger, sich in die sozialen Medien einzuarbeiten. „Meine 84 Jahre alte Mutter hat sich jetzt auch Instagram zugelegt, um live dabei sein zu können“, berichtet Dresen und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Info

Gottesdienst geht an Karfreitag online

Termin Der digitale Gottesdienst wird Karfreitag, 2. April, um 15 Uhr ins Netz gestellt. Gläubige können ihn sich auf der Gemeinde-Website www.st-mariamagdalena-geldern.de und auf dem Youtube-Kanal „Vision von Hoffnung“ anschauen.

Fürbitten Wer Segenswünsche für den Gottesdienst auf Lager hat, kann diese per E-Mail an info@visionvonhoffnung.de schicken.