„Ganz viele spannende Möglichkeiten“
Foto: Stephan Köhlen
Mehrere Generationen unter einem Dach: Im Dezember hoffen Julia Hoffmann und ihr Sohn Nikolai (10) sowie Ilse Klöppelt (72) gemeinsam mit weiteren 26 Parteien in das neue Haus einziehen zu können.

28 Familien, Singles oder Paare haben die Genossenschaft „Trialog“ gegründet und bauen an der Düsseldorfer Straße 150 gemeinsam ein Haus. Im Dezember soll es fertig sein. Die Bewohner wollen nachhaltig zu leben, Nachbarschaft kreativ gestalten, das Miteinander im Quartier beleben und Ressourcen teilen. Die RP hat sich mit drei von ihnen unterhalten.

Von Christoph Schmidt

HILDEN | Ilse Klöppelt (72) hat einen Traum. Sie will nicht allein wohnen, sondern gemeinsam mit anderen in einer sozialen Gemeinschaft, die sich im Alltag gegenseitig unterstützt. Und so ökologisch, dass Umwelt und Klima möglichst geschont werden. „Für mich ist das ein Weg, ein bisschen die Welt zu verändern.“

Die Hildenerin hat andere für ihr Wohnprojekt begeistert. Gemeinsam haben sie lange ein Grundstück gesucht und schließlich gefunden, viele Hürden gemeistert und Probleme gelöst. Jetzt, nach acht langen Jahren, ist das Ziel zum Greifen nah. Im Dezember soll das gemeinsame Haus an der Düsseldorfer Straße 150 fertig sein.

Es wird ein Gemeinschaftsauto und eine Elektro-Tankstelle geben. Die drei Flügel des Passivhauses in ökologischer Holzbauweise sind durch Laubengänge miteinander verbunden. „Dort werden wir uns häufig begegnen“, erläutert Ilse Klöppelt das Konzept.

Im großen Innenhof sind Angebote (Kultur, Musik, Feste, Kinder-Aktionen) geplant – nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Nachbarn im Stadtteil. „Kita und Grundschule sind ja quasi nebenan“, sagt Ilse Klöppelt: „Mein Sohn lebt mit seiner Familie in Norddeutschland. Deshalb sind auch Kinder für mich wichtig.“

Manfred Gertz (71) lebt mit seiner Frau in einem Reihenhaus in Erkrath. Der Selbstständige arbeitet noch, möchte aber künftig mehr Zeit mit seiner Frau in ihrem Ferienhaus verbringen. Deshalb suchten beide eine Eigentumswohnung. „Unsere Verwandten sind über die ganze Welt verstreut. Deshalb wollten wir immer schon mit netten Menschen enger zusammenleben. Durch Zufall sind wir dabei auf Trialog gestoßen.“ Vor dem Beitritt hätten sich alle Mitglieder der Genossenschaft kennen lernen können. Deshalb haben Manfred Gertz und seine Frau ein gutes Gefühl: „Wir freuen uns besonders auf die gemeinsamen Aktivitäten.“

Julia Hoffmann (42) ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Nikolai (10) in Düsseldorf – „sehr zentral“: „Es gibt nur wenig Kontakte zu Nachbarn, keine Hausgemeinschaft. Das ist immer anonymer geworden.“ Deshalb wolle sie dort weg: „Ich habe mir verschiedenen Wohnprojekte angeschaut. Bei Trialog hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl. In dem Projekt steckt ja noch viel mehr – eine Vision von einem gemeinsamen Leben.“ Fünf Jahre habe sie autofrei gelebt – und sich vor einem Jahr wieder ein Auto gekauft. Bei Trialog wird es ein Gemeinschaftsauto und eine Gemeinschaftswaschmaschine geben: Dafür wurde die Zahl der vorgeschriebenen Stellplätze reduziert. Ob sie ihr Auto und ihre Waschmaschine wieder abschafft, weiß Julia Hoffmann noch nicht: „Die Möglichkeiten sind jedenfalls da.“ So sieht sie auch die geplanten Gemeinschaftsveranstaltungen im Hof: „Das ist doch super, wenn ich dann einfach aus meiner Wohnung runter gehen kann.“ Julia Hoffmann ist voller Optimismus und Vorfreude und sich ganz sicher: „Trialog bietet ganz viele spannende Möglichkeiten.“

28 barrierefreie Wohnungen verteilen sich auf die 2100 Quadratmeter Wohnfläche. 40 Prozent des Wohnraums sind öffentlich gefördert. Es gibt einen Gemeinschaftsraum und zwei Spielplätze. Trialog legt Wert auf Nachhaltigkeit: Effizienzstandard KfW 40 plus in Holzbauweise, Pelletheizung und begrüntes Dach. Rund 317 Photovoltaikmodule sollen etwa 84 Megawattstunden erneuerbaren Strom im Jahr erzeugen. Die Mieter können auf Wunsch günstig Strom direkt von den eigenen Dächern beziehen. Er soll mindestens zehn Prozent unter dem Tarif des örtlichen Grundversorgers liegen, verspricht der Betreiber der Photovoltaik-Anlage.

Info

Hildens erste Klimaschutzsiedlung

Nicht nur das ökologische, sondern auch das soziale Konzept von Trialog hat die Energie-Agentur NRW begeistert. Sie hat das Vorhaben als „Klimaschutzsiedlung“ ausgezeichnet – die erste in Hilden –, verbunden mit einer Landesförderung.

Das Grundstück gehört der katholischen Kirchengemeinde Hilden. Sie stellt es in Erbpacht zur Verfügung. Dort stand früher die Kirche St. Johannes Evangelist (1965 erbaut). Die Stadt Hilden hatte der Gemeinde das Grundstück für den Kirchenbau geschenkt.