Wo Distanzunterricht gut funktioniert
Foto : Andreas Endermann
Einstein-Schulleiter Michael Anger mit Daria aus der 6a (rechts) und Jonathan aus der 5a

Viele Schulen klagen über mangelnde Ausstattung fürs Homeschooling. In Rath gibt es eine Ausnahme.

Von Tino Hermanns

RATH | Noch ist fraglich, ob die Schulen nach den Osterferien wieder für den Präsenzunterricht geöffnet werden. Wenn nicht, geht es für Schüler im Distanzunterricht, also per Internet von Hause aus weiter. Für viele wirft dasdie inzwischen altbekannten Probleme wieder auf: Gibt es genug Tablets oder Laptops für die Schüler? Sind die Lehrer technisch in der Lage, die Unterrichtsinhalte über das neue Medium zu vermitteln? Wie wird der Lernstoff überprüft?

Am Albert-Einstein-Gymnasium (A-E-G) bleibt man da, anders als in vielen anderen Schulen, gelassen. „Wir sind erst 2016 gegründet, sind also so etwas wie eine Startup-Schule. Der Schulträger hat von Anfang auch auf die Digitalisierung des normalen Unterrichts gesetzt und allen Schülern iPads zur Verfügung gestellt. Das macht sich in der Krise bezahlt. Lehrende und Lernende sind bereits im Umgang mit digitalen Unterrichtsformen geübt“, erläutert Schulleiter Michael Anger. „Das wichtigste ist: Man muss es wollen.“

Aber auch an der Schule in Rath musste man sich erst einmal an die komplett neuen Abläufe im Distanzunterricht, den die „Einsteiner“ lieber neudeutsch als Homeschooling Online bezeichnen, gewöhnen. Im Präsenzunterricht ist das iPad eine von mehreren Optionen, Lehrstoffe ans Kind zu bringen. Fürs Home Scholling Online müssen alle Unterrichtsformen dem neuen Vermittlungsweg angepasst werden „Die öffentlichen Schulen sind auf ‚Logineo‘ getrimmt. Das funktioniert aber nicht“, urteilt Anger. „Wir haben deshalb nach dem ersten Shutdown auf ‚Teams‘ umgestellt.“ Also fuchsten sich die Lehrer zum zweiten Mal in ein Online-Präsentationsprogramm, gaben sich gegenseitig Tipps, bis sie in den jeweiligen Anwendungen firm waren.

Schnell wurden Schwächen und Stärken der krisenbedingten Unterrichtsform klar. „Die Geschwindigkeit des Erarbeitens ist etwas langsamer, dadurch schrumpft die Stunde. Aber es ist doch intensiver“, meint Mathematik- und Russisch-Lehrerin Julia Fradin. „Man kann Gruppenarbeiten besser organisieren als in der Klasse. Bücher sind auf dem iPad geladen, und es gibt festgelegte Pausen- und Feierabendzeiten.“ Das Kollegium des „Einstein“ fordert seine Schutzbefohlenen zu jeder Pause auf, sich zu bewegen, am besten vor der Haustür.

Konsequent wird auf Kommunikation gesetzt, nicht nur innerhalb des Kollegiums. Schüler erhalten individuelle Rückmeldungen über ihre Lernerfolge, und sie können sich jederzeit über die modernen Medien mit den Lehrern in Verbindung setzen. Der Kontakt zu den Eltern wird über die App „SchoolFox“ gehalten. „Das ist sehr strukturiert und übersichtlich. Die Distanz wird minimiert“, lobt die Schulpflegschaftsvorsitzende Ulrike Vis.

Und auch die Schüler haben sich mit dem „Lernen zu Hause“ arrangiert. „Homeschooling ist praktisch, und es gefällt mir. Die Eltern können zu Hause helfen“, meint Daria aus der 6a. „aber mir fehlt es, meine Klassenkameraden und die Lehrer zu sehen.“ Sie hat, wie jeder andere Einstein-Schüler auch, in der fünften Klasse eine Einführung in den Umgang mit dem Tablet bekommen und konnte es auch mit nach Hause nehmen. Ihr wäre am liebsten, wenn es auch in Zukunft den Hybrid-Unterricht, also wechselweise in der Klasse und zu Hause geben würde. „Mir gefällt es, die beiden verschiedenen Seiten von Unterricht kennen zu lernen“, meint Daria. „Drei Tage in der Schule, zwei zu Hause, das wäre gut.“

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