Ernährungsrat regt „Bio“ für alle Kantinen an
Foto: F. Kraufmann/dpa
Ob in Schulmesen mehr regional erzeugte Lebensmittel verwendet werden können, will der Kreis auf Anregung des Ernährungsrates prüfen.

Ernährung gesund und nachhaltig zu gestalten ist das Ziel dieses Kreises, der sich über erste Erfolge freut und neue Projekte plant.

Von Kurt Lehmkuhl

RHEIN-KREIS | Die Corona-Pandemie hat die Aktivität des 2019 gegründeten Ernährungsrats im Rhein-Kreis-Neuss zwar abgebremst, aber nicht ausgebremst. Wie bei einer digitalen Konferenz der rund 30 Mitglieder aus Zivilgesellschaft, Ernährungswissenschaft, Bildungseinrichtungen, Ärzteschaft, Wirtschaft und Politik deutlich wurde, gab es erste Ansätze, Ergebnisse und ermutigende Entwicklungen für den Rat, der sich dem Thema „Ernährung gesund, regional und nachhaltig gestalten“ auf die Fahne geschrieben hat.

„Die Ernährung rückt immer mehr in dem Mittelpunkt“, erklärt Agnes Groschke-Faruß für den Ernährungrat. Auch vor dem Hintergrund des Klimawandels sei es erstrebenswert, regionale, saisonale und gesunde Lebensmittel zu fördern. „Bio-Erdbeeren aus Südspanien zur Weihnachtszeit sind überhaupt nicht sinnvoll“, meinte Hans-Christian Markert beispielhaft, „da ist ein Bratapfel aus dem traditionellen Anbau einen hiesigen Landwirts allemal besser.“ Markert, selbst Kreistagsabgeordneter im Rhein-Kreis, konnte auf einen ersten, kleinen politischen Erfolg verweisen: Nach einer Idee des Ernährungsrats hat der Kreistag die Durchführung einer Machbarkeitsstudie beschlossen, in der geprüft werden soll, inwieweit regionale Lebensmittel vermehrt in den kreiseigenen Schulmensen zum Einsatz kommen können.

Agnes Groschke-Haruß nahm diese Machbarkeitsstudie zum Anlass, einen Bürgerantrag hinterherzuschieben. So möchte der Ernährungsrat mit seinem Antrag an die Stadt Neuss eine „Ernährungswende durch mehr Einsatz von regionalen Bio-Lebensmitteln in öffentlichern Kantinen in Neuss“ erreichen.

Noch konzentriert sich die Arbeit vornehmlich auf das Neusser Stadtgebiet. Diese Ausrichtung soll sich ändern. Dazu dient ein Brief an alle Stadtoberhäupter im Kreisgebiet, in dem sich der Ernährungsrat vorstellt und seine Zusammenarbeit anbietet. „In Neuss sind wir schon sehr bekannt, aber wir wollen kreisweit wirken“, meint Ursula Tenberge-Weber.

Die Arbeit des Ernährungsrats ist in Neuss schon erkennbar. Am Meertal wurden in der Pflanzperiode im Rahmen der Arbeitsgruppe „Essbare Stadt“ insektenfreundliche und essbare Anpflanzungen getätigt. Gemeinsam mit der Stadt werden weitere Flächen ausgewählt, auf denen im Herbst Büsche und Gehölze gepflanzt werden sollen. Mit dem Rheinischen Landestheater wurden Baumscheiben naturnah gestaltet. Die Arbeitsgruppe Trinkwasser freut sich über zwei Trinkbrunnen, die ab Mitte April in Neuss wieder Trinkwasser spenden. „Das ist selbstverständlich nur ein Zwischenziel“, sagt Agnes Groschke-Faruß. Der Rat will dem Prinzip der Refill-Stationen kreisweit zum Durchbruch verhelfen. An solchen, durch Aufkleber erkennbaren Stationen, ob Geschäfte, Unternehmen oder Verwaltungen, kann sich jedermann kostenlos seine Trinkflasche auffüllen.

Aufklärung tut nicht nur beim Trinkwasser Not. So arbeitet der Ernährungsrat unter der Federführung von Christine Wisch an einem nachhaltigen Einkaufsführer für den Rhein-Kreis. Er soll als digitale Plattform ständig aktualisiert und erweitert werden. „Langfristig sollte er auch nachhaltige Dienstleistungen beinhalten“, meint die Initiatorin, die mittlerweile bei dem Projekt an einem entscheidenden Punkt angekommen ist: bei der Finanzierung. „Wir sind auf Spenden angewiesen.“ Das Problem für den Rat besteht darin, dass er kein Verein ist und somit nicht unmittelbar Fördermittel beantragen kann.

Neben den Einkaufsführer sind noch zwei weitere Aktionen im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Lebensmitteln geplant. So soll die Initiative „Einmal ohne, bitte“ gefördert werden. Damit ist der Einkauf von losen Lebensmitteln gemeint, bei dem auf Verpackungsmaterial verzichtet wird. Die zweite Aktion ist das sogenannte „Blaue Band“. Dieses Band sollen Besitzer von Obstbäumen an die Bäume hängen, wenn sie die Ernte der Früchte für alle Interessierten kostenlos freigeben.

Info

„Essbare Stadt“ pflanzt 15 Obststräucher

Die Aktion Mitglieder der Arbeitsgruppe „Essbare Stadt“ des Ernährungsrates pflanzten 15 Beerenobststräucher in Meertal.

Das Ziel Das Projekt ist eine Mitmach-Idee für alle, die in ihrem Wohnumfeld aktiv sein wollen.