Zirkus-Spaß gegen den Corona-Frust
Foto: Stephan Köhlen
Zirkus Traber im Seniorenzentrum Erikaweg: vl Remo und Ron Traber mit einer temporeichen Jonglage.

Im Hildener Seniorenzentrum am Erikaweg gab der Zirkus Traber jetzt ein umjubeltes Gastspiel.

Von Bernd Schuknecht

HILDEN | „Manege frei für den Zirkus Traber“ hieß es im Hildener Seniorenzentrums am Erikaweg, wo sich das Licht durchflutete Foyer in eine Bühne für zirzensische Kunststücke verwandelt hatte. Spontan gab es aufmunternden Applaus von rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter zahlreiche Mitglieder des Teams sowie Ehrenamtliche. Diese Mut machende akustische Kulisse mussten die jungen Artisten des Familienzirkus, der auf eine Tradition von acht Generationen zurückblicken kann, lange entbehren. „Auch wir freuen uns, unseren Gästen nach den Impfungen im Januar wieder mehr Abwechslung bieten zu können“, sagte Beate Linz-Eßer, Geschäftsführerin der Seniorendienste der Stadt Hilden, und dankte insbesondere dem Rotary Club Hilden-Haan, der die Gage für den Zirkus übernommen hatte.

Seit 16 Monaten war der Zirkus wegen der Pandemie-Vorschriften ohne Engagement. „Im November 2019 gingen wir in unser Winterquartier – und als im März 2020 dann die neue Saison mit einem Gastspiel in Meerbusch-Osterath starten sollte, kam der erste Lockdown und dann fing der ganze Spaß an“, berichtete Ron Traber, in dessen ironischem Unterton eine gewisse Bitterkeit mitschwang.

Immerhin leben 22 Mitglieder, alles Familienangehörige, von dem Zirkus, wobei zwölf direkt bei den Zirkusvorführungen beteiligt sind. Viele Artisten und Artistinnen übernehmen gleich mehrere Aufgaben im Unternehmen, das ist Voraussetzung für das kommerzielle Überleben. „Jonglage und Äquilibristik, also Gleichgewichtsartistik, zählen zu meinen künstlerischen Schwerpunkten, aber ich kümmere mich ebenso um den Aufbau sowie um die Öffentlichkeitsarbeit“, erklärt Ron Traber. Der 24-Jährige bildete mit seinem Zwillingsbruder Remo das Rückgrat der Vorstellung. Zwischenzeitlich war es nicht einfach, sich aufgrund der Perspektivlosigkeit des Artisten(über)lebens immer wieder zu motivieren. Doch auch ohne Auftrittsmöglichkeiten kam die Truppe regelmäßig zum Training zusammen, durchschnittlich fünf Mal in der Woche. „Manchmal musste man sich überwinden, aber irgendwie musste es ja weiter gehen“, so Ron, der, wie viele andere Künstler auch, die verordnete Untätigkeit intensiv dazu genutzt hat, am Programm zu feilen und neue Kunststücke zu entwickeln. „Seit unseren Kindertagen sind wir es gewohnt, an unseren Akrobatik-Nummern zu arbeiten, neue Inspirationen für die Manege umzusetzen. Das Training hat sich ausgezahlt.“

„Applaus erfreut des Künstlers Herz“, hatte Ron Traber noch zu Beginn der Vorstellung gesagt. Das begeisterte Publikum reagierte absolut wunschgemäß. Staunende Augen verfolgen die Jonglage, die Remo vollführte, während er auf Walzen schwankenden Brettern sein Gleichgewicht hielt. Als Gegenpol zur hoch konzentrierten Artistik brachte der trillerpfeifende Spaßmacher Spaghetti Humor in die Show, indem er auf einem Seil, das jedoch auf dem Boden lag, balancierte. Der Applaus steigerte sich noch, als er Erik Trimborn, Student im Praxisdienst, und Robert Thelen, Mitarbeiter der Tagespflege, mit in die Manege holte. Auch sie erwiesen sich als wahre Multitalente und präsentierten ihren augenzwinkernden „Seiltanz“ bravourös.