Mensch & Stadt

Das „Gedächtnis“ des Friedrich Spee geht
RP-Foto: Prümen
Mechtild Jansen wurde von den Schülervertretern Raivir Singh und Dana Jacobs mit einem Blumenstrauß verabschiedet.

Mechtild Jansen war 16 Jahre lang Sekretärin am Gymnasium. Der Abschied fällt schwer. Die Schule sei wie eine Familie für sie gewesen. Andererseits freue sie sich, im Ruhestand endlich mehr Zeit für ihre Enkelkinder zu haben, sagt sie.

Von Dirk Weber

GELDERN | Wenn alles so läuft, wie sie sich das vorstellt, dann kann sie bald endlich wieder mehr Zeit in Holland verbringen. Seit fast 30 Jahren steht an einem Strand in Zeeland ein Wohnmobil, das Mechtild Jansen in den vergangenen Jahren nur selten zu Gesicht bekommen hat. Schlichtweg, weil ihr die Zeit dafür fehlte. Das bringt der Job als Sekretärin am Friedrich-Spee-Gymnasium in Geldern leider so mit sich. 16 Jahre lang war sie dort Ansprechpartnerin für Eltern, Schüler und Lehrer – und hatte für alle immer ein offenes Ohr. Am Freitag war es nun Zeit, Abschied zu nehmen. Denn Mechtild Jansen geht mit 64 Jahren in den Ruhestand. „Ich gehe nicht gern“, sagte sie, „schließlich war die Schule wie eine Familie für mich.“ Andererseits, wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.

Geboren wurde sie zwar in Walbeck, und trotzdem fühlt sie sich als Ur-Kapellenerin. Über ihren Vater habe sie zum Martinskomitee gefunden, für das sie 30 Jahre lang von Haus zu Haus gelaufen sei, um Spenden für die Kinder einzusammeln. Die gelernte Kauffrau im Groß- und Außenhandel arbeitete zehn Jahre beim Elektrogroßhandel Heix in Geldern, bis sie ihre Tochter zur Welt brachte. Drei Jahre später folgte ihr erster Sohn und noch mal drei Jahre später der zweite.

Zehn Jahre lang kümmerte sie sich um ihre Kinder, bis sie durch Zufall von einer Bekannten angesprochen wurde, ob sie nicht für zwölf Stunden pro Woche als Sekretärin an der Marienschule in Kapellen anfangen wollte. Es war die Schule, die sie als Kind besucht und auf die sie auch ihre eigenen Kinder geschickt hatte. „Als ich dort angefangen habe, habe ich eine alte Lehrerin von mir wiedergetroffen, die dort immer noch unterrichtete“, erzählt Mechtild Jansen.

Als dann 2005 eine Sekretärinnenstelle am Friedrich-Spee-Gymnsium frei wurde, diesmal in Vollzeit, zögerte sie nicht lange. „Wenn ich eines im Laufe der Zeit gelernt habe“, sagt sie, „dann, dass sich kein Tag planen lässt. Wenn man es versucht, geht es meistens schief.“ Man müsse flexibel sein. Zu den wichtigsten Eigenschaften, die „unser Mechtild“, wie Mittelstufenkoordinator Stefan van Wickern sie liebevoll nennt, mitbrachte, zählen Geduld, Ruhe und Gelassenheit. „Es gab nicht einen Brief, den ich zu Ende schreiben konnte. Immer wollte jemand etwas von mir“, erzählte sie. Was sie ebenfalls auszeichnete, war ihr unglaubliches Organisationstalent. Außerdem wusste sie immer über alles Bescheid. „Ich war 16 Jahre an der Schule, da häuft sich einiges an Wissen an“, sagt sie und muss schmunzeln.

Eigentlich hatte sie ja nur eine kleine Abschiedsfeier geplant, aber so wollte sie der Lehrerrat dann doch nicht gehen lassen. Der von Deutschlehrer Markus Cremer getextete Schulsong „Am Spee“ (nach der Melodie von „Stay the night“ von James Blunt) wurde kurzerhand noch einmal umgedichtet und vom Projektchor vorgetragen: „Du gehörst zum Spee, nie wird es anders sein/Das Sekretariat, das ist dein/Und wenn du jetzt bald gehst, dein Name bleibt besteh’n/Uns ist jetzt schon klar – ohne dich läuft nichts.” In den Refrain fielen alle Kolleginnen und Kollegen in Flashmob-Manier ein. „An diesem Gymnasium fühlt man sich sofort wohl“, sagte Mechtild Jansen. „Ich habe hier wirklich gerne gearbeitet. Und keine Arbeit war mir zu viel.“ Sie habe in der Zeit viele Schüler kommen und gehen sehen. „Manche von ihnen sind an die Schule zurückgekehrt – als Lehrer. Das war schön.“

Nun freue sie sich, endlich etwas mehr Zeit für ihre Familie und vor allem für ihre vier Enkelkinder zu haben. Außerdem möchte sie ihre Hobbys weiterpflegen. Mechtild Jansen trifft sich alle vier Wochen mit ihrem Kegelclub („zum Stammtisch, gekegelt wird nicht mehr“), jedes Quartal mit dem Knobelclub und einmal im Monat mit den Frauen aus dem Handarbeitsverein. Nicht zu vergessen die Damen, mit denen sie früher bei Heix zusammengearbeitet hat. Mit denen trifft sie sich nicht mehr ganz so häufig wie früher, aber alle zwei Jahre fahren sie für ein gemeinsames Wochenende irgendwo hin. In diesem Jahr haben sie die Tour ausfallen lassen. Doch im nächsten Jahr soll es nach Lübeck gehen. Und wenn nicht, bleibt ihr immer noch das Wohnmobil in Zeeland.

Info

Nachfolgerin wird dringend gesucht

Freie Stelle Mechtild Jansen hinterlässt eine große Lücke bei den Kollegen, vor allem aber im Sekretariat des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Geldern. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn noch ist keine Nachfolgerin in Sicht.