Imker bauen ein Hotel für die Konkurrenz
Foto: Theresa Demski
Wildbienen, Hummeln und Schlupfwespen sollen im neuen Bienenhotel eine Nisthilfe finden. Das wünschen sich die Mitglieder des Bienenzuchtvereins.

Der Artenvielfalt zuliebe haben die Imker des heimischen Bienenzuchtvereins ein Insektenhotel gebaut – für Wildbienen, Hummeln oder Schlupfwespen.

Von Theresa Demski

WERMELSKIRCHEN | Für die Insekten ist es ein Festtag. Die Sonne scheint, auf der Wiese am Waldrand wehen die Blumen im leichten Wind. Und vor ihren Augen entsteht mitten in der Idylle ein kleiner Hotelbau – aus Baumstämmen und Stängeln. Die Imker des örtlichen Bienenzuchtvereins sind mit Werkzeug und Material angereist, um den Insekten unter die Arme zu greifen. „Den genauen Standort wollen wir lieber nicht verraten“, sagt Gerlinde Neurohr. Schließlich sollen die Tiere ihre Ruhe haben. Aber so viel sei verraten: Es ist ein besonders idyllisches Plätzchen, an dem an diesem Vormittag ein Insektenhotel der besonderen Art entsteht.

„Auf dieser Wiese stehen auch regelmäßig unsere Ableger“, erzählt die Imkerin. Immer dann, wenn ein Bienenstock geteilt wird, muss der Ableger mindestens drei Kilometer entfernt aufgestellt werden – damit die Bienen nicht in ihr altes Zuhause zurückfliegen. „Dazu kommt, dass die Tiere hier viel zu futtern finden“, sagt Gerlinde Neurohr und deutet auf Weißdorn und Wildblumen. Eigentlich bräuchten Wildbienen gar nicht viel zum Glücklichsein, wissen auch die Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz: Ein ausreichendes Blütenpflanzenangebot mit Pollen und Nektar zum Fressen und für die Larvenaufzucht, geeignete Nistmöglichkeiten und Material zum Nestbau würden schon reichen. Ein Plätzchen, das alle Voraussetzungen erfüllt, haben die Imker am Waldrand gefunden.

Für den Bau des besonderen Insektenhotels gibt es Unterstützung der Stadt – die Verwaltung hat die Wiese zur Verfügung gestellt und auch das Hartholz spendiert, das sich unter den fachkundigen Händen der Imker in den Hotelbau verwandelt. Die kurzen Baumstämme werden gestapelt und verbaut und mit dem Akkubohrer entstehen viele kleine Löcher, in denen die Insekten später nisten können. „In vielen verschiedenen Größen“, erklärt Gerlinde Neurohr, „damit möglichst viele Arten hier eine Nisthilfe finden.“ Das Angebot wird durch Pflanzenstängel ergänzt, die einige Insekten als Niststätte vorziehen. „Es gibt alleine mehr als 500 verschiedene Wildbienenarten“, sagt die Imkerin. Dazu kommen Hummeln oder Schlupfwespen, die in der freien Natur immer weniger Nahrung und immer weniger Nistgelegenheiten finden. Die Menschen würden den Tieren den Lebensraum streitig machen, wissen die Imker. Seit Steingärten immer beliebter würden, habe sich die Lage zunehmend verschlechtert.

Also will der Wermelskirchener Bienenzuchtverein ein Zeichen für den Artenschutz setzen. „Obwohl wir damit ja eigentlich der Konkurrenz helfen“, sagt Imkerin Heike Kallabis und lacht. Ihre eigenen Bienen werden das neue Hotel schließlich nicht in Anspruch nehmen, nur die Wildbienen könnten hier eine Nisthilfe finden. „Aber wir sind auch angetreten, um dem starken Rückgang der Wildbienen-Zahlen entgegenzutreten“, sagt Heike Kallabis. Und deswegen sei der Arbeitseinsatz an diesem sonnigen Vormittag für viele der Mitglieder des Bienenzuchtvereins auch Ehrensache. Spaziergänger und zufällige Passanten müssten übrigens keine Stiche befürchten, erzählt unterdessen Imkerin Gerlinde Neurohr. Weil die Wildbienen nichts zu bewachen hätten, seien sie nicht angriffslustig. Viele hätten gar keinen Stachel mehr.

Nach etwa zwei Stunden bauen, bohren und befestigen, legen die Imker ihr Werkzeug schließlich zur Seite und nehmen ihr Werk unter die Lupe. Die ersten Insekten scheinen sich ein Bild von der neuen Nisthilfe zu machen.

„Jetzt wünschen wir uns, dass die Tiere das Angebot annehmen“, sagt Gerlinde Neurohr. Und im nächsten Jahr dürften sich Honigbienen und Wildbienen auf der idyllischen Lichtung am Stadtrand dann öfter begegnen.

Info

Wildbienen stehen auf der Roten Liste

Statistik Von den über 550 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste mittlerweile 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten stehen auf der Vorwarnliste. Darüber informiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Regeln Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Wildbienen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut, Wohn-, oder Zufluchtsstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.