Sterbebegleitung braucht Organisation
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Hilfe für Sterbende: Gundula Ruhbaum, Daniela Grammatico, Claudia Gelb, und die Vorstandsmitglieder Joachim Ludewig und Michael Progl (v.l.)

Daniela Grammatico übernimmt die koordinatorische Leitung bei der Hospizbewegung. Der Verein unterstützt Sterbende und Angehörige.

Von Dominik Schneider

BENRATH | Seit 15 Jahren setzt sich Daniela Grammatico in verschiedenen Positionen und bei verschiedenen Organisationen und Kliniken für ein wichtiges Ziel ein: Menschen, die den Tod vor Augen haben, die letzten Monate, Wochen und Tage so leicht wie möglich zu gestalten. Dies ist auch das Anliegen der Ökumenischen Hospizbewegung Düsseldorf Süd, bei der Grammatico jetzt die koordinatorische Leitung übernommen hat.

„Das Herzstück der Arbeit unseres Vereins sind natürlich die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich um die Sterbenden und deren Angehörige kümmern – 43 davon sind aktuell aktiv“, sagt Grammatico. Ihre Aufgabe besteht vor allem in der Akquise und der Zuteilung sowie der Unterstützung und Begleitung der Freiwilligen. „Ganz wichtig für unsere Arbeit ist, dass die Menschen überhaupt wissen, dass unser Dienst existiert. Nur, wenn wir Anfragen von Sterbenden und deren Familien oder von Kliniken und Pflegeeinrichtungen bekommen, können wir helfen.“

Die eigentliche Arbeit, die die Ehrenamtler der Hospizbewegung leisten, ist vor allem die soziale Begleitung. Die langjährige Mitarbeiterin Gundula Ruhbaum spricht aus Erfahrung: „Viele Menschen wollen im Angesicht des Todes ihr Leben rekapitulieren, ihre Erfahrungen und Gedanken teilen und schlicht und einfach nicht allein sein“, sagt die Sterbebegleiterin. Dazu bedarf es aber eines sehr vertrauten Verhältnisses zu den Patienten.

„Deswegen wären wir froh, wenn sich die Menschen nicht erst in den letzten Tagen an uns wenden würden“, sagt Claudia Gelb, die zum Betreuungsteam der Hospizbewegung gehört. Eine Begleitung hin zum Tode sei auch langfristig möglich, ab der Diagnose einer unheilbaren Krankheit. „So entsteht eine enge Bindung zwischen dem Ehrenamtler und dem Sterbenden, die für unsere Arbeit von Vorteil ist“, sagt Gelb. Auch die Familien seien stets froh über die Hilfe. „Für Angehörige ist die Situation eine große Belastung, in der Unterstützung von außen gern gesehen ist.“

Während und nach jeder Sterbebegleitung bekommen die Ehrenamtlichen eine intensive Begleitung von Seiten des Koordinationsteams. „Es ist natürlich eine schwierige Erfahrung, aber man kann den Menschen auf ihrem letzten Weg viel Freude bereiten“, sagt Ruhbaum. Wie auch alle anderen Sterbebegleiter der Hospizbewegung hat sie im Vorfeld einen Befähigungskurs absolviert. Auf diesem Weg konnte sie für sich selbst klären, ob sie bereit ist, sich so intensiv mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, und die Koordinatoren haben ihre Eignung überprüfen können. „Aber die ganz überwiegende Mehrheit, die sich für einen solchen Kurs entscheidet, hat am Ende auch das Zeug und den Willen, die Arbeit zu leisten“, sagt Gelb.

Daniela Grammatico plant, Anfang des kommenden Jahres einen neuen Befähigungskurs in die Wege zu leiten, um mehr Ehrenamtliche zu akquirieren. „Dazu gehört auch die Festigung des eigenen Charakters, denn man setzt sich zwangsläufig auch mit der eigenen Sterblichkeit auseinander, ein Thema, das im Alltag ja häufig verdrängt wird“, so die neue koordinatorische Leiterin. Und auch weitere Vorhaben hat sie bereits im Blick: „Vernetzung ist wichtig. Wir arbeiten mit Pflegeheimen, Palliativteams und Kliniken zusammen. Vor allem den Austausch mit letzteren will ich intensivieren, damit wir in den Krankenhäusern unseren Dienst verstärkt anbieten können“, so Grammatico. Außerdem plant die dreifache Mutter, die selbst einen Migrationshintergrund hat, verstärkt den Blick auf ausländische Menschen zu richten. „Weder auf Seiten der Ehrenamtler noch auf Seiten der Betreuten sind Menschen mit Migrationshintergrund aktuell angemessen repräsentiert. Langfristig wäre es beispielsweise gut, eine Sterbebegleitung in anderen Sprachen anbieten zu können“, so Grammatico.

Info

Die Arbeit der Hospizbewegung

Angebot Neben Sterbebegleitung bietet die Ökumenische Hospizbewegung Düsseldorf Süd auch Trauergesprächskreise für Hinterbliebene.

Kontakt Menschen, die eine Sterbebegleitung oder Trauerhilfe in Anspruch nehmen wollen oder sich für die ehrenamtliche Arbeit interessieren, können Kontakt zum Verein aufnehmen, telefonisch unter 0211 7022830, per Mail an kontakt@hospizbewegung-duesseldorf-sued.de. Weiter Infos unter www.hospizbewegung-duesseldorf-sued.de.