ÖPD/Linke fordert Stoffwindelbonus

Um Abfall zu vermeiden, wirbt die Fraktion in Kempen für Mehrwegwindeln.

KEMPEN | (biro) In den ersten Lebensjahren eines Kindes werden rund 5500 Windeln genutzt. Das entspricht einem geschätzten Gesamtgewicht von einer Tonne. Wer sich für Mehrwegwindeln entscheidet, kann damit einen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten. Längst seien diese Windeln nicht mehr kompliziert und zeitraubend, viele ließen sich ebenso anlegen wie Wegwerfwindeln. So begründet die Fraktion ÖDP/Linke im Kempener Stadtrat ihren Antrag für einen „Stoffwindelbonus“, den Fraktionsvorsitzender Jeyaratnam Caniceus an Bürgermeister Christoph Dellmans (parteilos) schickte mit der Bitte, das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Umwelt- und Klimaausschusses am 22. November zu nehmen.

Die Fraktion ÖDP/Linke will durch ihren Antrag die Stadtverwaltung prüfen lassen, ob die Stadt ab dem Haushaltsjahr 2022 für die Anschaffung von Mehrwegwindeln einen Zuschuss geben könnte. Über die Dauer und die Höhe der Förderung sollten Politik und Verwaltung entscheiden. Die Umwelt werde durch den Gebrauch von Wegwerfwindeln erheblich belastet, so Caniceus. Mehrwegwindeln hingegen seien aufgrund der Materialien natürlicher für die Baby-Haut und könnten an die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden. Über die gesamte Wickelzeit betrachtet seien Mehrwegwindeln günstiger, zudem könnten die Stoffwindeln auch noch beim nächsten Kind verwendet oder privat verkauft werden. „Wir sind der Auffassung, dass durch Zuschuss die Attraktivität und Akzeptanz von Mehrwegwindeln in Kempen steigen wird“, so Caniceus. Sein Appell: „Jede Tonne Müll, die nicht entsteht, schont die Umwelt.“

Auch andere Kommunen haben sich bereits mit dem Stoffwindelbonus auseinander gesetzt. Der Landkreis Ravensburg etwa gewährt einen einmaligen Zuschuss von bis zu 150 Euro für die Nutzung von Mehrwegwindeln – übrigens auch für Über-Dreijährige, wenn eine Inkontinenz durch ein ärztliches Attest bestätigt wird. Die Stadt Coburg, die die Aktion gemeinsam mit dem örtlichen Entsorgungsbetrieb anbietet, fördert die Anschaffung eines Mehrwegwindelsystems mit einem einmaligen Zuschuss von maximal 25 Prozent der Kosten, höchstens 80 Euro. Das Wickeln mit Stoffwindeln sei längst nicht mehr so umständlich wie zu Großmutters Zeiten, wirbt die Stadt Coburg für die Mehrwegwindeln: Moderne Systemwindeln verfügten über Klettverschlüsse und seien „genauso leicht in der Handhabung wie Wegwerfwindeln.“