Polizei befreit entführte Vierjährige
Foto: Western Australia Police Force
Cleo wurde in einem Krankenhaus untersucht, ihr geht es aber den Umständen entsprechend gut.

Zwei Wochen lang wurde Cleo Smith vermisst. Die Australierin war nachts aus einem Zelt verschwunden. Aufwendige Ermittlungen führten die Beamten am frühen Mittwochmorgen zu dem Haus, wo das Kind gefangen gehalten wurde.

Von Barbara Barkhausen

SYDNEY | Emotionale Szenen spielten sich am Mittwochmorgen in Aus­tralien ab, als die Nachricht durch das Land ging, dass die kleine Cleo Smith lebend gefunden wurde. Der amtierende Polizeikommissar von Westaustralien, Col Blanch, sagte in einem Radiointerview mit dem Sender Perth Radio 6PR, er habe „erfahrene Polizeibeamte vor Erleichterung weinen sehen“. Auch er selbst sei „sprachlos“, dass die Vierjährige lebend entdeckt wurde. So etwas komme „nur sehr selten“ vor, meinte er. Aber alle hätten „von ganzem Herzen gehofft“, dass es wahr werden würde.

Blanch sagte, die Beamten hätten Tausende von Fotos, Überwachungsvideos, Zeugenaussagen und Hinweise aus der Gemeinde ausgewertet. Insgesamt hatten 100 Polizisten in den vergangenen 18 Tagen an Cleos Fall gearbeitet. „Wir haben nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen gesucht – und sie gefunden“, sagte der Polizeikommissar. Die Beamten entdeckten sie gegen 1 Uhr nachts in einem abgesperrten Haus in Carnarvon, einem Ort mit etwa 4000 Einwohnern rund 900 Kilometer nördlich von Perth. Berichten zufolge hatte einer der Polizeibeamten das kleine Mädchen hochgehoben und gefragt, wie sie heiße. Daraufhin antwortete sie: „Mein Name ist Cleo.“

Nach ersten Berichten scheint die Vierjährige gesund zu sein. Ein Foto, das die Polizei veröffentlichte, zeigt sie lachend und winkend in einem Krankenhausbett, während sie ein Eis isst. Ihre Mutter Ellie Smith postete am Mittwoch auf Instagram: „Unsere Familie ist wieder vollständig.“ Unzählige Menschen äußerten daraufhin ihre Freude darüber, dass Cleo nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wieder zu Hause bei ihren Eltern ist. Sogar Australiens Premierminister Scott Morrison äußerte sich über Twitter und schrieb, die Nachricht sei „wunderbar“ und „unsere Gebete wurden erhört“.

Über den Entführer und sein Motiv ist bisher nur wenig bekannt: Es handelt sich wohl um einen 36-jährigen Mann aus Carnarvon, den die Familie von Cleo nicht kennt. Wie genau die Polizei ihn ausfindig machte, wurde nicht detailliert erläutert. In einer Pressekonferenz am Nachmittag hieß es, die „harte Arbeit des Teams“ habe die Beamten zu dem Haus geführt. Auswertungen von Mobilfunkdaten sollen wohl dabei geholfen haben. Australische Medien berichteten zudem, dass Nachbarn aufgefallen war, dass der Mann Windeln gekauft hatte, obwohl er selbst keine Kinder hat. Als die Polizei das Haus nachts stürmte, war er selbst nicht zu Hause gewesen. Er konnte aber später festgenommen werden. Der Polizist, der Cleo rettete, sagte, dass die Kollegen und er immer auf solch einen Ausgang gehofft hatten, aber dann doch nicht darauf vorbereitet waren. „Es war fantastisch“, meinte Cameron Blaine. „Im ersten Moment sie da so sitzen zu sehen, das war unglaublich.“ Er beschrieb ihr Verhalten gegenüber der Polizei als „offen“ und „vertauensselig“ und sagte, sie sei „voller Energie“ gewesen.

Xanthe Mallett, eine Kriminologin der Universität von Newcastle, sagte dem australischen Sender ABC, dass ein Fall wie der von Cleo „selten“ sei. „Ich kann mich nicht an einen solchen Fall erinnern, in dem ein Kind nach so langer Zeit sicher und wohlbehalten zu seiner Familie zurückgebracht wurde“, sagte sie. Das sei „fast ein Wunder“.

Die kleine Cleo war seit Mitte Oktober vermisst worden. Sie war mit ihrer Familie beim Zelten in einem eher abgelegenen Campingplatz rund 50 Kilometer nördlich von Carnarvon an der westaustralischen Küste gewesen. Ihre Eltern hatten sie zuletzt gegen 1.30 Uhr nachts gesehen, als sie aufwachte und nach einem Glas Wasser fragte. Als ihre Mutter gegen 6 Uhr morgens wieder nach ihr schaute, war sie verschwunden. Auch ihr Schlafsack fehlte. Zunächst hatte man noch gehofft, das kleine Mädchen sei nur auf Erkundungstour gegangen und habe sich verlaufen, doch als eine intensive Suchaktion sie nicht aufspürte, verdichteten sich die Hinweise auf eine mögliche Entführung.

Info

640.000 Euro für sachdienliche Hinweise

Belohnung Für Hinweise zur Lösung des Falles hatte die Polizei eine Million Australische Dollar, umgerechnet rund 640.000 Euro, ausgelobt.

Auszahlung Nachdem Cleo aber aufgrund der polizeilichen Untersuchung gefunden wurde, rechnet man derzeit nicht damit, dass der Betrag ausgezahlt wird.