Jahreswechsel mit Polizeieinsatz
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Bei frühlingshaften Temperaturen missachteten Hunderte Menschen am Düsseldorfer Burgplatz die Corona-Beschränkungen.

In der Düsseldorfer Altstadt haben die Feiernden an Silvester das Ansammlungsverbot in großen Teilen ignoriert. Die Polizei räumte die Treppe am Rhein erst spät. Trotzdem wurde weitestgehend friedlich ins neue Jahr gefeiert.

Von Christian Schwerdtfeger und Oliver Wiegand

DÜSSELDORF | Trotz bundesweiten Verkaufsverbots von Pyrotechnik im Vorfeld wurde an Silvester in Nordrhein-Westfalen mancherorts viel geböllert. Menschen hatten sich offenbar Raketen und Knaller im benachbarten Ausland wie Belgien besorgt oder illegale Knallkörper selbst hergestellt. Die Zahl der Verletzten, die bei Polizeieinsätzen erfasst wurden, stieg im Vergleich zum vorherigen Jahreswechsel von 69 auf 101, darunter 22 Polizisten. In Düsseldorf brach ein 53 Jahre alter Polizist während eines Einsatzes in der Silvesternacht zusammen und starb im Krankenhaus. Hinweise auf ein Fremdverschulden gebe es nicht.

Extrem voll war es in Düsseldorf: Dicht gedrängt und ohne Masken feierten dort Tausende von Menschen am Düsseldorfer Rheinufer den Jahreswechsel. Die Freitreppe am Burgplatz war so voll wie sonst nur im Hochsommer. Polizei und Ordnungsamt schritten zunächst nicht ein und beließen es bei Ermahnungen und drei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Ansammlungsverbot. Demnach waren nur Zusammenkünfte von Geimpften und Genesenen mit maximal zehn Personen erlaubt.

Schon am späten Abend strömten viele – vor allem jugendliche – Besucher in großen Gruppen in die Altstadt. Die Kneipen waren geöffnet, die Clubs und Diskotheken allerdings geschlossen. In vielen Kneipen wurde dennoch getanzt. Angesichts der außergewöhnlich milden Temperaturen waren auch nur wenige Tische und Stühle vor den Gaststätten leer. Vor den Kiosken bildeten sich teilweise lange Schlangen. Entlang der Rheinuferpromenade waren Tausende mit Büdchen-Bier und mitgebrachten Sektflaschen unterwegs. Gegen 0 Uhr wurden vereinzelt Böller und Raketen gezündet. Wenig später räumte die Polizei die Freitreppe, die Besucher verlagerten sich in die Altstadt, wo die Polizei viel zu tun hatte und erst am frühen Morgen gegen 6.30 Uhr ihren Einsatz beenden konnte.

Die Düsseldorfer Politiker reagieren teilweise entsetzt auf das Geschehen in der Altstadt. „Dass solche Bilder aus der Landeshauptstadt in die Welt gehen, finde ich peinlich. Es ist ein Versagen des Oberbürgermeisters und seiner Verwaltung“, sagte Martin Volkenrath, ordnungspolitischer Sprecher der SPD. CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk sagte, ein solcher Einsatz erfordere immer eine Abwägung. Einfach mit zwei Hundertschaften Polizei anzurücken oder den Ordnungsdienst jede noch so kleine Übertretung des Ansammlungsverbots ahnden zu lassen, könne sogar kontraproduktiv sein, so der ordnungspolitische Sprecher der CDU. „Wenn wir größere Ansammlungen in der erweiterten Altstadt untersagen, muss erkennbar sein, dass wir dieses Verbot auch tatsächlich durchsetzen wollen, sonst nehmen die Regelverletzer uns und den Rechtsstaat am Ende nicht mehr ernst“, sagte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP).

Unterdessen stieg landesweit die Zahl der gemeldeten Sexualdelikte in der Silvesternacht von 19 auf 27. Die Polizei erteilte 1069 Platzverweise nach 821 im Vorjahr. 158 Menschen (Vorjahr 133) kamen in Gewahrsam, 15 (Vorjahr 24) wurden vorläufig festgenommen. Mehr als 5300 Polizistinnen und Polizisten waren in der Nacht im Einsatz. Insgesamt rückte die Polizei in der Silvesternacht landesweit zu mehr als 2400 Einsätzen aus. Das entsprach dem Niveau des Vorjahres.

Im Kreis Neuss berichtete die Polizei von einer unruhigen Nacht – unruhiger als im Vorjahr. Es habe eine Reihe von Körperverletzungen und auch Widerstandshandlungen gegen Polizisten gegeben. Acht Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. Ganz anders verlief die Nacht bei der Neusser Feuerwehr, die keinen einzigen Silvestereinsatz hatte und damit wohl vom Böllerverkaufsverbot profitierte.

In Mönchengladbach hatten Feuerwehr und Polizei hingegen etwas mehr zu tun: Ein elfjähriger Junge erlitt dort beim Hantieren mit einem Feuerwerkkörper zum Teil schwere Verbrennungen an Händen, Gesicht und Oberkörper. In Kleve musste die Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand und einem Flächenbrand im Wald ausrücken.

In Köln wurden mehrere illegale Partys mit Hunderten Teilnehmern aufgelöst und zwei Clubs geschlossen, die trotz Verbots geöffnet hatten. In der gerade erst eingerichteten Waffenverbotszone in der Innenstadt wurde zudem ein Mann von einem etwa 25 Jahre alten Unbekannten mit einem Klappmesser schwer am Arm verletzt.

Einen positiven Rekord vermeldete die Feuerwehr in Dortmund: Der Jahreswechsel sei der ruhigste gewesen, den sie dort je erlebt habe. Es sei keine einzige Verletzung durch Feuerwerkskörper registriert worden. Der Jahreswechsel gehe „als die ruhigste Dienstschicht aller Zeiten“ in die Geschichte der Dortmunder Feuerwehr ein, hieß es.

Einen Todesfall gab es in Hennef bei Bonn. Zwei 37 und 39 Jahre alte Männer hatten dort mit einer zehnköpfigen Gruppe Silvester gefeiert. Kurz nach Mitternacht setzten sie sich Zeugenaussagen zufolge etwas von der Gruppe ab. Plötzlich habe es einen sehr lauten Knall gegeben, und die beiden hätten schwer verletzt am Boden gelegen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge gehe man davon aus, dass die Männer mit einem selbst gebauten oder veränderten Feuerwerkskörper hantiert hätten, sagte Polizeisprecher. Der 37-Jährige starb trotz Wiederbelebungsversuchen an der Unfallstelle, der 39-Jährige wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik gebracht. (mit dpa)